Die Zuversicht der alten Besen

14. Juni 2010, 16:25
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Titelverteidiger Italien heute gegen Paraguay und gegen die Unken

Kapstadt - Wenn Journalisten ihren Job machen, also blöde Fragen stellen, kann es schon vorkommen, dass dem Befragten dabei die Lebensweisheiten durcheinanderrutschen. Angesprochen auf die italienische Überalterung - das Durchschnittsalter liegt bei 28,5 Jahren -, meinte Teamchef Marcello Lippi relativ lapidar: "Es heißt ja nicht umsonst: Alte Besen kehren gut."

Diesbezüglich helfen dann oft auch alte Geschichten. "Ich kann mich nicht erinnern" , erinnert sich Lippi, "dass Italien je als Favorit in eine Weltmeisterschaft gegangen wäre." Auch Gianluca Zambrotta, mit 33 Jahren einer der gut kehrenden alten Besen, lässt sich von den schwarzen Propheten vom Apennin nicht aus der Ruhe bringen: "Vor vier Jahren war es doch genauso. Da haben uns viele nicht einmal das Viertelfinale zugetraut."

In der Vorbereitung stotterte der Titelverteidiger von 2006 jedenfalls noch ordentlich: 1:1 gegen die Schweiz, 1:2 gegen Mexiko. Den Kapitän, Fabio Cannavaro (36), vermag das nicht zu erschüttern, auch wenn sein Optimismus nicht unbedingt auf dem Fundament gesicherter Erkenntnis steht."Ich bin sehr zuversichtlich, aber ich weiß nicht, warum."

Nur einen kleinen Hinweis gibt er sich selber. "Wir werden nie so offensiv spielen wie Brasilien, Portugal oder Spanien." Aber dafür? "Aber dafür werden die nie so verteidigen wie wir." Kann gut sein, dass das traditionelle italienische Asset schon zum Auftakt zur schlichten Notwendigkeit wird. Denn das von Paraguay, dem heutigen Gegner in Kapstadt, ist der Sturmlauf.

Angriffsführer Lucas Ramon Barrios Arioli, der bei Borussia Dortmund beschäftigte Argentinier, dem erst im April die Staatsbürgerschaft seiner Mutter verliehen wurde, verspricht "zwar keine Tore, aber bedingungslosen Einsatzwillen" . Barrios ist vorm Auftakt "natürlich ein bisschen nervös, schließlich spielen wir gegen den Weltmeister" . Sein Sturmkollege, Ex-Bayernstar Roque Santa Cruz, der neben dem Dortmunder Nelson Valdez eine Alternative für den Angriff ist, hat das Weiterkommen in Gruppe F, die von Neuseeland und der Slowakei komplettiert wird, fix im Plan. "Wir haben Respekt vor Italien, aber wir wollen gewinnen. Wir sind ein Team, das hier viel erreichen kann."

Falls das gelingt, gibt es jedenfalls schon einen, dem dieses "viel" zugeeignet wird: Salvador Cabanas. Dem Stürmer verdankt man die Qualifikation. Im Jänner wurde dem beim mexikanischen Club America Beschäftigten in den Kopf geschossen. Der 29-Jährige rang mit dem Tod, ehe eine außergewöhnliche Genesung einsetzte. Aller Voraussicht nach werden bei Cabanas keine Folgeschäden zurückbleiben. (sid, wei. DER STANDARD, Montag, 14. Juni 2010)

ITALIEN - PARAGUAY (20.30 Uhr, Kapstadt, Green-Point-Stadion, SR Benito Archundia/Mexiko)

Italien: 1 Buffon - 19 Zambrotta, 23 Bonucci, 5 Cannavaro, 4 Chiellini - 8 Gattuso, 22 Montolivo - 7 Pepe, 15 Marchisio, 9 Iaquinta - 11 Gilardino

Ersatz: 14 De Sanctis, 12 Marchetti - 16 Camoranesi, 13 Bocchetti, 3 Criscito, 2 Maggio, 6 De Rossi, 17 Palombo, 10 Di Natale, 20 Pazzini, 18 Quagliarella

Es fehlt: 21 Pirlo

Teamchef: Marcello Lippi

Paraguay: 1 Villar - 4 Caniza, 5 J. C. Caceres, 2 Veron, 3 Morel - 11 Santana, 13 Vera, 8 Barreto, 16 Riveros - 18 Valdez, 19 Barrios

Ersatz: 12 Barreto, 22 Bobadilla - 6 Bonet, 7 Cardozo, 9 Santa Cruz, 10 Benitez, 14 Da Silva, 15 V. Caceres, 17 Torres, 20 Ortigoza, 21 Alcaraz, 23 Gamarra

Keine Ausfälle

Teamchef: Gerardo Martin

  • Trainer Lippi setzt auf "Alte Besen".
    foto: epa/helmut fohringer

    Trainer Lippi setzt auf "Alte Besen".

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