Englands stabile Struktur im Zentrum, die Schnör­kel­losigkeit im US-Spielaufbau

13. Juni 2010, 19:03
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Die Analyse der wichtigsten Passbeziehungen zeigt uns einen signifikanten Unterschied im Spielschwerpunkt. Während die Engländer vor allem im Zentrum stabile Strukturen entwickelten, dokumentiert das Strukturbild des amerikanischen Teams eine gewisse Tendenz zur Peripherie. Bei den Engländern zeichnen sich im Wesentlichen zwei bestimmende Achsen ab: Entweder läuft der Weg in die Spitze über den hohen Ball direkt auf Heskey, der ihn auf Rooney abzulegen versucht. Aus dem Spiel heraus erscheint Rooney andererseits als vorletztes Glied einer Vertikalkette mit Terry und Gerrard, die in Heskey ihre Vollendung finden sollte. Während Gerrard tendenziell vertikale Beziehungen aufbaute, war Lampard im Zentrum für die vertikale Vernetzung des Angriffsspiels zuständig. Der rechte Flügel zeigt sich deutlich eingebundener ins Offensivspiel als der linke - selbst wenn man die frühe Auswechslung Milners berücksichtigt. Johnson und Lennon entfalteten in ihrem modernen Flügelspiel noch am ehesten eine Alternative zum Gerrard-Rooney-Zentralismus.

Analog zu den Engländern zeigt sich auch bei den Amerikanern ein Strukturschwerpunkt auf der rechten Flanke, wobei nicht übersehen werden darf, dass die offensiven Mittelfeldspieler Dempsey und Donovan oftmals die Seiten wechselten. Diese gleichsam vorsätzliche Unruhe setzte sich in der Beweglichkeit der beiden Sturmspitzen Altidore und Findley fort - vor allem Letzterer weist innerhalb des USA-Netzwerks eine überragende Anspielbarkeit auf.

Generell dokumentiert das amerikanische Netzwerk die Schnörkellosigkeit im Spielaufbau dieses Teams: wenig Reziprozität, aufs Wesentliche reduzierte Beziehungsmuster. Im Verbund mit der bereits beschriebenen Unberechenbarkeit könnten sich die Amerikaner dadurch im Verlauf des Turniers zu einer für viele Gegner unangenehmen Herausforderung entwickeln. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 14. Juni 2010, Helmut Neundlinger)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Gerrard-Rooney 15

2. Terry-Gerrard 13

3. Green-Heskey 12

3. Cole-Terry 12

5. Lampard-Rooney 11

5. Terry-Cole 11

5. Johnson-Lampard 11

5. Heskey-Lennon 11

5. Lampard-Johnson 11

10. Carragher-Terry 9

10. Lennon-Johnson 9

10. Johnson-Heskey 9

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Gerrard 116 (61/55)

2. Terry 115 (70/45)

3. Lampard 114 (58/56)

4. Rooney 98 (35/63)

5. Johnson 86 (51/35)

6. Cole 84 (46/38)

7. Heskey 77 (27/50)

7. Lennon 77 (33/44)

9. Green 51 (35/16)

10. Wright-Phillips 50 (19/31)

11. Carragher 37 (21/16)

12. King 32 (20/12)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Cole 89,13 (41 von 46)

2. Lampard 87,93 (51 von 58)

3. Rooney 85,71 (30 von 35)

4. Green 82,86 (29 von 35)

4. Terry 82,86 (58 von 70)

6. Carragher 80,95 (17 von 21)

7. King 80,00 (16 von 20)

8. Lennon 78,79 (26 von 33)

9. Gerrard 75,41 (46 von 61)

10. Johnson 74,51 (36 von 51)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Cherundolo-Donovan 15

2. Howard-Altidore 11

3. Findley-Altidore 10

4. Bocanegra-Dempsey 9

4. Bradley-Altidore 9

4. Donovan-Cherundolo 9

7. Cherundolo-Bradley 8

7. Clark-Dempsey 8

7. Donovan-Bradley 8

7. Cherundolo-Findley 8

11. Cherundolo-Altidore 7

11. Dempsey-Cherundolo 7

11. Donovan-Clark 7

11. Donovan-Findley 7

11. Howard-Findley 7

11. Bradley-Donovan 7

11. Altidore-Findley 7

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Donovan 89 (45/44)

2. Cherundolo 86 (58/28)

3. Dempsey 85 (35/50)

4. Altidore 82 (22/60)

5. Bradley 80 (42/38)

6. Findley 71 (21/50)

7. Clark 60 (31/29)

8. Bocanegra 45 (28/17)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. DeMerit 89,47 (17 von 19)

2. Dempsey 88,57 (31 von 35)

3. Donovan 86,67 (39 von 45)

4. Buddle 83,33 ( 5 von 6)

5. Clark 77,42 (24 von 31)

6. Bocanegra 75,00 (21 von 28)

7. Bradley 73,81 (31 von 42)

8. Findley 71,43 (15 von 21)

9. Onyewu 70,37 (19 von 27)

Der Ansatz
Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

Die Analytiker
FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei der WM 2006 und der EURO 2008 im Einsatz und beobachtet exklusiv für den Standard bei elf Spielen auch die WM in Südafrika.

Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Harald Katzmair. (red)

Link:

http://www.fas.at

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