Bühne voller Knallerbsen

13. Juni 2010, 18:33
65 Postings

Mit dem Nova Rock wurde die Saison der Festival-Platzhirsche eröffnet. Spannende Musik war dabei Mangelware, zu sehen gab es trotzdem viel

Nickelsdorf - Drei Fragen sind für Festivalbesucher von Interesse: Was kosten der Alkohol, wie wird das Wetter, und wer tritt auf? Im Fall des Nova-Rock-Festivals ist zu vermelden, dass eine Portion "Spaß (Sangria) im Eimer" 25 Euro kostete, was der inoffiziellen Festivalwährung von fünf Bier entspricht. Das Wetter war am Freitag heiß. Auf Festivals bedeutet das Staub statt Schlamm. Das Areal ließe sich so gut in einen Endzeitfilm wie Mad Max transportieren. Da gibt es, mitten in der Wüste, Karussells und Stände, die mit schlechtem Essen, Ramsch und Piercings locken. Man kann mit der Bankomatkarte zahlen.

Etwas deprimierend. Besonders traurig stimmt aber das Programm. Nova Rock will Freunde der härteren Musik ansprechen und Massen anziehen. Zu diesen Vorgaben fiel den Veranstaltern wenig ein. Am Freitag bespielten so die unsäglichen Sportfreunde Stiller und Deichkind die kleine Bühne, während auf der Hauptbühne Deutschlands lustigste Boygroup, Rammstein, mit ihrer Feuershow den Headliner gab.

Im Zeichen der Härte stand die kleine Bühne am Samstag mit Bands wie Amon Amarth, Hatebreed und, natürlich, mit Slayer, den Göttern des Thrash-Metal. Musik für die Massen gab es auf der großen Bühne, wo The Hives ein Gefühl von 2001 verbreiteten. Damals waren die Schweden eine der heißesten Bands auf dem Planeten, heute interessiert ihr Garage-Rock schon weniger. Besonders bei Hate To Say I Told You So, ihrem größten Hit, machten sie dennoch Stimmung.

Anschließend war mit Joan Jett Legendenbesuch angesagt. Die 51-Jährige konnte mit ihren in unterschiedlichen Würdegraden alternden Blackhearts und Songs wie Bad Reputation kurz zeigen, welches glücksversprechende Liedgut ihre Karriere pflastert, dann kam der Abbruch. Unwetterwarnung! Der folgende Staubwind war dann zwar ein schöner Anblick für Freunde der Apokalypse und sorgte für Tumulte bei der Regenhautausgabe. Das befürchtete Unwetter bleib aber aus.

So konnte mit Green Day noch der Haupt-Act demonstrieren, was Mehrheitsfähigkeit bedeutet. 1994 im Zuge eines Punk-Revivals bekanntgeworden, hat sich das Trio zu einer der größten Bands der Gegenwart entwickelt. Im Zuge dessen wurde der Punk so weit aus der Musik gedrängt, dass nun sogar eine Musicalversion ihres Erfolgsalbums American Idiot existiert. Die Band präsentierte eine professionelle Show, der mitunter tatsächlich ein Hauch von Musical anhaftete, die jedoch am meisten überzeugte, wenn ältere Nummern wie Basket Case oder Brain Stew für höheres Tempo sorgten. Dazwischen wurden Fans auf die Bühne geholt, von Mozart bis Black Sabbath reichende Medleys gespielt, Souvenirs verschenkt und unzählige Raketen und Knallerbsen abgefeuert.

Ist die Qualität einer Band daran festzumachen, wie oft sie dem Publikum die Möglichkeit für "Heyoh" -Rufe bietet, dann sind Pumuckl Billy Joe Armstrong und die seinen die beste Gruppe der Welt. Wenn nicht, dann wissen sie zumindest, wie man die Zuhörer einbindet. (Dorian Waller / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.6.2010)

 

Einsatzkräfte zogen positive Bilanz

Nickelsdorf - Die Nova-Rock-Bilanz der Behörden und Einsatzkräfte fiel heuer äußerst positiv aus. Feuerwehr, Polizei und Rotes Kreuz waren mit dem Ablauf "sehr zufrieden".

Besonders diszipliniert und höflich seien die Musikfans heuer gewesen, meinte Thomas Horvath vom Roten Kreuz. "Wir ziehen eine sehr positive Bilanz." Das Zusammenspiel mit allen Beteiligten laufe "einfach sehr gut". Das Rote Kreuz behandelte von Donnerstag bis Montag 2.870 Patienten. 200 Besucher mussten in das Krankenhaus Kittsee gebracht werden, konnten aber größtenteils nach kurzer Zeit wieder auf das Gelände zurückgebracht werden. Die Hitze habe häufig auf den Kreislauf der Besucher gedrückt, und "auffällig war aufgrund des Wetters, dass es vermehrt zu Augenreizungen durch den Staub gekommen ist. Außerdem gab es einige allergische Reaktionen wie zum Beispiel einer Sonnen- oder Insektenstichallergie".

Ebenfalls positiv resümierte Kommandant Rudolf Lebmann von der Feuerwehr: "Aus unserer Sicht war es sehr ruhig." Insgesamt musste die Feuerwehr 28 Mal ausrücken. "Wir hatten fünf Einsätze technischer Natur und 23 Brandeinsätze", bilanzierte Lebmann. Wie in den Jahren zuvor hätten die Besucher Zelte und Müll angezündet.

Von der Polizei wird es erst in einigen Wochen eine endgültige Statistik geben, da viele Anzeigen noch nach Veranstaltungsende gemacht werden, so Bernhard Griensteidl, stellvertretender Bezirkspolizeikommandant. Bei den Delikten sei jedoch schon jetzt ein Trend erkennbar: "Wir sehen hier eine höhere Qualität." Vor allem Einbrüche in Zelte seien organisierter. "Wir haben außerdem fünf Führerscheine abgenommen und leichtere Suchtmittelvergehen verbucht." Auch Körperverletzungen wurden zur Anzeige gebracht. Diese würden sich aber "im schwächeren, zweistelligen Bereich" halten. (APA)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Massen in Stimmung bringen: Sänger und Gitarrist Billie Joe Armstrong von der Band Green Day beim Nova Rock Festival.

Share if you care.