Rogans Ziel ist sein bester Wettkampf

13. Juni 2010, 18:21
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Markus Rogans Leistungen lassen einiges erwarten bei der EM im August. Besonders viel erwartet er selbst. Mit der Heimat hat er kaum Kontakt. In Los Angeles misst er sich auch mit Frauen

Canet/Wien - "Im Vergleich zum Training ist der Wettkampf die reinste Erholung." Und also hat sich Markus Rogan zuletzt bei den Mare-Nostrum-Meetings in Monaco, Barcelona und Canet erholt. Er schwamm teils hervorragende Zeiten, verbesserte etwa Dinko Jukic' Rekord über 200 m Lagen auf 1:59,12 Minuten. Dieser Strecke gilt das Hauptaugenmerk des Wieners, bei der EM im August in Budapest will er auch den legendären Ungarn László Cseh abhängen, dem er zuletzt in Canet noch knapp unterlag.

Für die EM hat sich der 28-jährige Rogan besonders viel vorgenommen. "Ich möchte" , sagt er, "den besten Wettkampf schwimmen, den ich je geschwommen bin." Besser als bei Olympia 2004 in Athen, wo er hinter Aaron Peirsol zweimal Zweiter wurde. Besser als bei der EM 2004, wo er über 200 m Lagen und 200 m Rücken siegte. Besser als bei der Kurzbahn-WM 2008 inManchester, wo er Weltrekord (200 m Rücken), und besser als bei der Kurzbahn-EM 2009 in Istanbul, wo er Europarekord (200 m Lagen) fixierte. Wobei Rogan sagt, dass es ihm nicht in erster Linie um die Zeiten geht, die er erzielt. "Bei großen Wettkämpfen" , sagt er, "geht es mir schon in erster Linie um die Platzierung. Ich will in Budapest gewinnen."

Wer schneller im Ziel sei, der könne sich bis zum nächsten Wettkampf länger erholen, nämlich um ein paar Sekundenbruchteile. Das meint Rogan nicht ganz ernst. Schon in Istanbul hatte er seine überraschende Abreise nach Lagen-Gold damit begründet, dass er sich länger auf Budapest vorbereiten wolle. Was Cseh relativ lapidar kommentierte: "Ich glaube nicht, dass er mich deshalb schlagen wird. Ich mache jetzt einmal ein paar Wochen Pause." Freilich ist laut Rogan "im Schwimmen der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage besonders groß. Es gibt nur ein Rennen, das zählt, das Finale. Wer bei einer Fußball-WM ins Endspiel kommt, konnte bis dahin schon sechs Erfolgserlebnisse haben."

Rogans Lagen-Rekord bedeutet die erste österreichische Bestmarke seit dem Verbot der auftriebverleihenden Schwimmanzüge. Das Training unter Starcoach Dave Salo an der Universität von Southern California in Los Angeles, wohin Rogan nach der WM 2009 samt Discobesuch übersiedelt war, macht sich bezahlt. Rogan schwimmt manchmal zwei, manchmal neun Kilometer am Tag und jedenfalls oft im Wettkampftempo. "Wer im Rennen Rekord fixieren will, muss sich auch im Training möglichst oft dieser Geschwindigkeit nähern."

Mit Österreich verbindet Rogan derzeit relativ wenig, sagt er. "Meine kleine Schwester ist vor kurzem vierzehn geworden, mit ihr bin ich über E-Mail und SMS in Kontakt." Ob er vor der EM noch einmal nach Österreich kommen wird, weiß er nicht. Heute, Montag, fliegt er nach Los Angeles zurück. Dort wird er im Juli noch das Janet-Evans-Invitational bestreiten, sich ansonsten auf die EM vorbereiten. Das Training biete genügend Herausforderung und Abwechslung. "Deshalb taugt mir das Lagenschwimmen so. Weil ich so viele verschiedene Trainingspartner habe."

Die Truppe in Los Angeles ist quasi multikulti, an Nationen sind nicht nur die USA und - durch Rogan und den Linzer Dominik Koll - Österreich, sondern auch Brasilien, Tunesien, Japan, China und Ungarn vertreten. Rogan misst sich auch mit Frauen, so könne er sich von Jessica Hardy und Rebecca Soni, den Weltrekordlerinnen, fürs Brustschwimmen einiges abschauen. Im Wettkampftempo. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 14. Juni 2010)

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    Rogan will bei der EM "gewinnen" und zwar möglichst oft. Seine Konzentration gilt den 200 m Lagen, er wird auch 100 m Rücken schwimmen und schließt 200 m Rücken nicht aus.

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