Sparkurs beim Heer

Darabos lässt Panzer einmotten

13. Juni 2010, 17:23
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    foto: standard/cremer

    Darabos will in seinem Ministerium sparen, künftig sollen dort mehr Sessel frei bleiben.

Weil ihm die Mittel zur Erreichung der angesetzten Ziele fehlen, lässt der Verteidigungsminister Teile des Heeres in einen Tiefschlaf versetzen

Wien - Dass sich das Bundesheer einmal einer Panzerschlacht im Marchfeld stellen würde müssen, hat spätestens seit der Raumverteidigungsdoktrin der 70er-Jahre niemand mehr geglaubt. Man hat dennoch die Panzerflotte erneuert, "entgegen dem Eindruck, den der Abgeordnete Peter Pilz leider verbreitet, haben wir mit dem Leopard 2A4 und dem Ulan sehr moderne Panzer", sagt Verteidigungsminister Norbert Darabos.

Die Frage ist, ob Österreich sie in der jetzigen strategischen Situation überhaupt braucht - die Rolle der Panzerwaffe wurde unter anderem in der Bundesheerreformkommission von Helmut Zilk relativiert.

Darabos beantwortet die Frage im Standard-Gespräch zweiteilig:

  • Ja, das Bundesheer brauche auch in Zukunft sämtliche Waffengattungen. Damit erteilt er den von seiner SPÖ vor mehr als 20 Jahren entwickelten Überlegungen für ein "Bundesheer light" ohne schwere Waffen eine endgültige Absage.
  • Nein, das Bundesheer brauche dazu nicht eine große Zahl von Panzern. Daher ordnet der Minister an: Die 114 im Jahr 1996 gekauften Leopard-Panzer sollen zum Großteil eingemottet werden, ebenso ein Teil der Ulan- und Kürassier-Flotte sowie der Artillerie (M 109).

Damit könnten sich bei der Truppe massive Einsparungen ergeben, ohne dass man eine der Waffengattungen gänzlich stilllegen müsste. Ziel ist es, dass im Bundesheer eine Grundfähigkeit zum Betrieb von Panzern und Geschützen erhalten bleibt, damit diese Waffengattungen bei Bedarf wieder zu ihrer vollen Stärke aufwachsen können. Dies würde bedeuten, dass größere Truppenteile in einen Konservierungszustand versetzt werden, wobei einige (Berufs-)Soldaten weiter mit wenigen Geräten üben würden. Nur in einem (derzeit nicht wahrscheinlichen) Ernstfall würde man die gesamte Stückzahl wieder verfügbar machen und die Mannschaften (eventuell aus der Miliz) auffüllen.

Entsprechende Überlegungen passen in ein Gesamtkonzept, das der Generalstab derzeit ausarbeitet, um es dem Minister in den nächsten Wochen vorzulegen. Dass dabei mehrere Denkvarianten - etwa vom Streitkräftekommandanten, Generalleutnant Günter Höfler - öffentlich diskutiert wurden, findet Darabos in Ordnung - obwohl in seinem engeren Umfeld über die Äußerungen Höflers blankes Entsetzen geherrscht hat: "Ich habe nie Denkverbote ausgesprochen." Höfler hatte sich im Profil unter anderem für "robustere Einsätze" (die auch Kampfaufträge enthalten könnten) ausgesprochen und angeregt: "Unsere Eurofighter könnten in Zukunft durchaus auch international eingesetzt werden, etwa bei einer von der EU durchgeführten Überwachung einer No-Fly-Zone."

Darabos hält dieses - vor zehn Jahren von seinem Vor-Vorgänger Herbert Scheibner entwickelte Szenario - für keine gute Idee: "Auch wenn man sagt, ein Eurofighter ersetze 1000 Soldaten, so muss man doch bedenken, dass für eine Auslandsverwendung des Eurofighters einige 100 Millionen Euro investiert werden müssten" , sagte Darabos dem Standard.

Außerdem sei das bisher umgesetzte Konzept, mit größeren Kontingenten von österreichischen Truppen in Krisengebieten Flagge zu zeigen, im Inland ebenso wie auch international anerkannt.

Daran werde man allen Sparvorgaben trotzend festhalten. Und es soll einen weiteren "schmerzhaften" Schnitt bei der zentralen Verwaltung des Verteidigungsministeriums geben, um Dienstposten bei der Truppe nachbesetzen zu können. Sonst könnten die vorgegebenen Personaleinsparungen nämlich dazu führen, dass es nicht mehr genügend junge Kadersoldaten gibt, die die Rekruten auszubilden haben. Denn auch daran hält Darabos fest: Das Bundesheer soll sich weiterhin durch Wehrpflichtige ergänzen und kein Berufsheer werden. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.6.2010)

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Kohlhaas1
01
21.6.2010, 23:53
Da wird also heimlich ein Berufsheer aufgebaut ?

Denn wenn nur noch Berufssoldaten üben ist die Wehrpflicht weg. Oder schlimmer noch nur noch als Drohung bzw. als Hilfsmittel zur Arbeitsmarktsteuerung vorhanden. Mit einem reinen Kaderheer wächst aber die Gefahr, die von so einer unkontrollierbaren Institution ausgeht. Die einzige wenn auch nicht die beste Kontrolle sind die Wehrdiener. Wenn also die Wehrpflicht geht, dann muß sie durch ein Wehrrecht ersetzt werden. Und das darf nicht ausschliesslich von Berufstruppen wahrgenommen werden.

Bridger
11
20.6.2010, 03:34
Unsere Pfadfinder

Alls erstes sollten wir mal alle froh sein das wir in Österreich leben und wir so über das Heer reden können wie wir es tun.

Trotzdem find ich es eine Schande das sich Österreich nicht mal mehr selbst verteidigen kann, wir haben keine Luftraumverteidigung wie die meisten unser Nachbarländer sondern nur ein Luftraumüberwachung.

Ich will nicht das ein einziger unsere Soldaten in einem fremden Land kämpfen und sterben muss wir sollten es wie die Schweiz machen uns überall heraushalten und trotzdem ein 1A Militär haben das im Notfall (Naturkatastrophen,Krieg) eingreifen kann.

Ich hoffe das wir das Bundesheer nie für die Landesverteidigung einsetzen müssen doch falls doch sollten es bereit sein.

NIE WIEDER KRIEG!

Blaubarsch Bube
03
19.6.2010, 10:52
Österreich und sein Militär - eine seltsame Geschichte

Am Militär wird in Ö solange rumgespart bis nichts mehr übrig ist.
Eigentlich würden wir es gerne abschaffen, aber so ganz traut sich das auch niemand.
Eigentlich wären wir gerne neutral, sind es aber schon lange nicht mehr.
Eigentlich wären wir gerne in einem Verteidigungsbündnis, aber kosten solls bitte nichts.
Eigentlich, eigentlich, eigentlich,....

In Ö wird seit dem Ende des WKII eine Diskussion über Sinn und Unsinn des Militärs verweigert. Aus Staatsräson. Die Politiker fürchten, es würden sonst Gräben aufbrechen, die nicht mehr zu füllen wären. Darum haben wir das Militär das wir haben.

Es wird Zeit ein breite Diskussion, über die Landesverteidigung und ihre Zukunft, mit dem ganzen Volk zu führen.

BBSS
10
15.6.2010, 14:13
Konservierungszustand

Das ist wohl die richtige Bezeichnung für den Zustand unseres Heeres. Zustände so lange konservieren, bis sie unhaltbar geworden sind.
Und dass es nach wie vor die Wehrpflicht gibt, hat in erster Linie damit zu tun, dass die Offiziere und Unteroffiziere (wieviele davon sind pragmatisiert ?) sonst nichts zum kommandieren hätten.

Kayjay _
00
15.6.2010, 11:56

weiss der darabos eigendlich den unterschied zwischen den Panzertypen? Die leopard und die kürassiere machen sicher sinn einzumotten, aber die Ulan, die ja als gepanzertes Transportmittel dienen finde ich ein wenig übertrieben.

wolfetone
 
00
15.6.2010, 22:54

Naja, die gepanzerten Transportmittel sind eher die Pandur-Mannschaftstransportpanzer. Der Ulan ist im Gegensatz dazu ein Schützenpanzer, das ist schon noch einmal etwas anderes.

ceiberweiber.at
01
16.6.2010, 10:54
In seinen reden...findet er schon die richtigen worte

denn er nennt immer die jeweiligen typen (was sie auch auf der webseite des ministeriums nachlesen können). es wird auf niemandem so von gewissen postern rumgehackt, nur weil er mal zivildiener war (etwas wie: die kinderlosen sind für bildung zuständig, richtet sich auch von selbst, wird aber nicht so zelebriert wie angriffe auf darabos). liegt das am tunnelblick, aus dem heraus nur ränge, soldatenerfahrung, errungene anzeichen zählen? landesverteidigung ist umfassend, wobei das heer als letztes zum einsatz kommt. es geht um sicherheit im allgemeinen sinn, dass der staat stabil ist, es ist sozial & wirtschaftlich gemeint, sowie ökologisch, terror ist eine frage, oder cyber-kriminalität. in dokrinen ist auch von flüchtlingsströmen die rede.

wolfetone
 
00
16.6.2010, 23:29

Könntens mir das bitte nocheinmal in einfachen Worten erklären? Ich versteh ehrlich gesagt jetzt nicht ganz, worauf Sie hinauswollen.

eclecticon
00
19.6.2010, 12:18

daß der darabos eh seine hausaufgaben macht, und daß man als verteidigungsminister einen gewieften manager mit überblick und weitsicht braucht und keinen alten haudegen mit erfahrung in 2 panzerschlachten und 37,5 medaillien

TheVox
00
28.6.2010, 21:28

Nein er macht seine Hausaufgaben definitiv nicht,
Dass er Zivildienst geleistet hat ist eigentlich völlig egal.
Aber dass ihm sein Job ab "A" vorbei geht ist ihm ganz sicher vorzuwerfen.
Dass ihn die Materie nicht interessiert, das ist ihm vorzuwerfen.
Dass er auf die Expertise seines Hauses keinen Wert legt und das bei jeder Gelegenheit spüen lässt, das ist ihm vorzuwerfen.
Und sein Eisenbahner im Vorzimmer rundet die Sache nur ab.

aenema_lateralis
 
00
14.6.2010, 22:01
haha

"der panzerkrieg im marchfeld ist nicht zu erwarten"

ich bin am boden gelegen!

carbonara
00
14.6.2010, 21:19
Endlich einmal eine konstruktive Idee...

Helmut-S
17
14.6.2010, 20:28
Da geht das Geld flöten...

http://derstandard.at/127641305... -Ruhestand

Ich mein, das darf man ruhig mal in Relation setzen: Der staatliche Zuschuss zum Pensionssystem ist von 2008 auf heuer um ziemlich genau jene Summe gestiegen (von 7.5 Mrd. auf 9.3 Mrd.) die das gesamte jährliche Verteidigungsbudget ausmacht.

Wir leisten uns einen ausufernden Sozialstaat und erwarten von unserern Nachbarn das sie die teuren und ungeliebten Verteidigungsaufgaben für uns gratis miterledigen - als Feigenblatt schicken wir billige Infanterie in ungefährliche Einsätze (Kosovo, Bosnien) um "internationale Solidarität" zu zeigen.

Hank Williams1
11
19.6.2010, 10:58
Traurig

... und das traurige ist, dass dieser Schlawinerstaat auf diese Sauerei auch noch stolz ist !!!

*QED*
01
21.6.2010, 08:01

Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen! Bei den
Universitäten ist es nicht anders. Jeder soll studieren
können, zum Nulltarif, und selbstverständlich ohne
Zugangssperre.

aiuto
11
15.6.2010, 15:27
Sie dürften recht haben.

so kann's nicht weitergehen.
Wir leben auf Kosten der künftigen Generation.
jede Sozialleistung muß erst einmal verdient werden.
Daher SCHLUSS Ihr lieben Parteien mit Eurem Hochlizitieren bei den Sozialleistungen. Bezahlen dürfen nämlich das alles WIR, die Steuerzahler.
Laßt Euch gefälligst einmal etwas NEUES einfallen.
Und der Herr BM Darabos möge sich gefälligst überlegen, ob dieser Militäreinsatz im Burgenland noch weiterhin notwenidg ist.
Die Landtagswahlen sind ohnehin schon vorbei !

SiSe
21
15.6.2010, 16:08

Der Assistenzeinsatz wird von der Innenministerin angefordert. Vielleicht sollt sich die Schottermiezi mal überlgene, ob sie ih wirklich braucht (sicherlich - schließlich hörte man ja aus Reihen der ÖVP auch, dass die Militärpolizei die Hauptstadt bewachen soll).

ceiberweiber.at
00
15.6.2010, 17:03
Schottermizzi!

das ist die schottermizzi, eine mieze ist doch was ganz kuscheliges :-) da ist nur eines vergleichbar, die krallen.... eine mizzi aus der schottergrube hat aber nicht auch ein weiches fell....will ganz bestimmt nicht kuscheln....das herz ist aus beton, besonders immun ist es gegen seelenvolle blicke....

Diplom Dopingfahnder Dipl.-Ing. Robert Mayreder
00
14.6.2010, 20:25
Die Welt steht nicht mehr lange

Als vor vielen Jahren strengstens und mit unbändiger Wehrhaftigkeit und Mannesstolz ausgebildeter Panzerjäger trifft mich das tief in meinem Selbstwertgefühl. Die Welt ohne Panzer bräuchte irgendwann keine Panzerjäger mehr.

fatfugu
01
14.6.2010, 19:51
Einmotten ?

was heisst des in österreich ?
Hochegger / Grasser / Meischberger
bekommen Beratervertrag dann werden die Dinger blau angestrichen und als Traktor nach
Nordkorea Verkauft .

werwolfi
10
14.6.2010, 19:07

in einem satz zusammengefasst:

ja, wir brauchen *unbedingt* (kampf)panzer und überhaupt *alle* waffengattungen, und nein, wir können uns das nicht leisten...
daher motten wir den großteil unseres teuer gekauften geräts gleich wieder ein.

das ist wahrlich "bolidig" nach kakanischer art...

ALX
06
14.6.2010, 17:51
Das Heer muss sparen!?

Kann mir jemand erklären warum es sinnvoller ist, Panzer einzumotten oder die Ausbildung von jung Soldaten abzukürzen als ganz einfach diesen Burgenland einsatz abzuwürgen?

Anstatt dieser olivgrünen Baustelle das letzte Quäntchen Glaubwürdigkeit abzusparen, sollte man endlich Nägel mit Köpfen machen.

aiuto
00
15.6.2010, 10:29
ganz einfach

weil der darabos im Bgld zuhaus ist, und halt möchte, dass sein Hab und Gut bewacht wird...
?

ceiberweiber.at
00
15.6.2010, 13:48
Aber das ist unsinn...

beim assistenzeinsatz fordert das innenministerium an, es kann dies nur dann machen, wenn es aufgaben ohne die hilfe des heeres nicht wahrnehmen kann. der einsatz ist zu ende, wenn fekter ihn nicht mehr will. sie sagt ja immer grinsend, er kostet sie nichts. das rennt ein bissl im kreis, hier das nur für die ausführung zuständige verteidigungsministerium, ohne das es natürlich keinen einsatz geben könnte, auf der anderen seite das innenministerium mit angeblich zu wenig polizisten, was in pro-kopf-werten falsch ist, alle anderen bundesländer wären dann noch mehr unterversorgt. nur dass man sicherheit vielleicht nicht in polizisten pro einwohnerzahl messen kann... das müsste man da bedenken...

aiuto
00
15.6.2010, 15:32
Sie haben voll recht,

wenn Sie sagen, dass der Bundesheereinsatz im Bgld ein Unsinn ist. SWchließlich würde das Geld und auch die man-power andernorts dringender benötigt.

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