Mehrheit der Deutschen erwartet vorzeitiges Aus von Schwarz-Gelb

13. Juni 2010, 16:15
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Umfrage von "Bild am Sonntag" - 55 Prozent glauben nicht an den Bestand des Bündnisses

Berlin - Angesichts immer neuer und härterer Konflikte in der deutschen Regierungskoalition glauben zunehmend weniger Bürger, dass das schwarz-gelbe Bündnis die gesamte vierjährige Wahlperiode hält. Einer Emnid-Umfrage für "Bild am Sonntag" zufolge erwarten 55 Prozent ein vorzeitiges Ende, nur 37 Prozent glauben an den Bestand des Bündnisses bis Herbst 2013. Ähnliche Werte ergab eine Umfrage für die ARD.

"Spiegel": Selbst Regierungsmitglieder sind nicht mehr überzeugt

Laut der Emnid-Umfrage erwarten selbst 40 Prozent der Anhänger von CDU und CSU ein vorzeitiges Ende der Regierung. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, selbst Regierungsmitglieder seien nicht mehr überzeugt, dass Schwarz-Gelb wirklich die gesamte Legislatur durchhält. Grund sind die anhaltenden Debatten über Sparpaket, Steuerpolitik, Wehrpflicht, den künftigen Bundespräsidenten und die Gesundheitspolitik, die am Wochenende in eine neue Runde gingen.

Union zu FDP: "Wildsau" und "Grukentruppe"

Zuletzt hatten sich Union und FDP mit Worten wie "Wildsau" und "Gurkentruppe" gegenseitig diffamiert. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg soll einem Zeitungsbericht zufolge mit Rücktritt gedroht haben.

SPD-Chef: "Wir könnten sofort übernehmen"

Die SPD steht indes schon in den Startlöchern für den Fall eines Bruchs der schwarz-gelben Regierung. "Wir könnten sofort eine Regierung übernehmen", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel der "Stuttgarter Zeitung" (Montagsausgabe). Er räumte allerdings ein, dass er einen Bruch der Koalition von Union und FDP für nicht wahrscheinlich hält.

Mit Blick auf die Großen Koalition sagte Gabriel, es werde wohl "kaum jemanden in Deutschland geben, der sich insbesondere in der Finanz- und Außenpolitik nicht Sozialdemokraten wie Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier zurück wünschen würde".

Er glaube allerdings, dass die Politiker der schwarz-gelben Koalition "an ihren Posten weiter kleben" werden. Der Schaden werde damit immer größer, auch für die SPD: "Die Menschen wenden sich doch nicht nur von Union und FDP mit Entsetzen ab. Sie verlieren das Vertrauen in alle Parteien und staatlichen Institutionen". (APA/Reuters)

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