Kritische Journalisten als Terroristen

13. Juni 2010 12:11

Neue Bestimmung in der Antiterrorgesetzgebung könnte, gegen das Aufdecken von Sicherheitspannen eingesetzt werden

Im September 2004 erregte in Großbritannien ein Report der BBC-Journalistin Michelle Cox die Öffentlichkeit. Zehn Wochen hatte sie undercover am Flughafen Manchester bei der Gepäckkontrolle und am Flugfeld gearbeitet und dabei gravierende Sicherheitsmängel festgestellt. Sie sei von ihren Chefs aufgefordert worden, Metalldetektoren zu verwendet, die nicht funktionierten - um die Kontrollen rascher und wohl auch billiger zu machen -, schilderte sie. Auch seien Flieger nachts unversperrt - also für mögliche Folgeattentäter nach 9/11 offen zugänglich - auf dem Gelände gestanden. Die Flughafenverantwortlichen reagierten mit Selbstkritik: In Zeiten der Terrorgefahr sei jeder Hinweis auf Sicherheitsdefizite wertvoll.

In Österreich besteht derzeit eine gewisse Gefahr, dass ein vergleichbarer Bericht schon bald, statt indirekt positivem Feedback, Ermittlungen oder eine Anklage wegen „Aufreizung oder Anleitung zu einer terroristischen Straftat" laut Paragraf 278f * zur Folge haben könnte: mit bis zu zwei Jahren Haftandrohung und dem Risiko, wegen eines Terrordelikts, also keinem „Lercherl", vorbestraft zu sein. Denn im Juli, noch vor der Sommerpause, setzt der Nationalrat zur Novellierung der Antiterrorgesetzgebung an. Und trotz wiederholter Kritik von Journalisten- und NGO-Vertretern ist der Paragraf 278f weiter mit dabei.

Zwar haben ÖVP- und SPÖ-Mandatare wiederholt betont, dass die neue Bestimmung nicht der Kriminalisierung kritischer Berichterstattung, sondern der Bekämpfung echter medial verbreiteter Terroranleitungen, etwa in einer Publikation oder auf der Homepage einer militanten Gruppierung, dienen soll. Das ist im Grunde glaubhaft - und der Passus, dass es sich bei dem Medium um ein seinem „Inhalt" nach terrorbefürwortendes handeln muss, federt einiges ab.

Doch der Teufel lauert in der potenziellen Missbrauchbarkeit der geplanten Regelung. Etwas bösen Willen vorausgesetzt, könnte ein Bericht, wie es gelang, ein Messer (also eine potenzielle Waffe) durch die Securitychecks in Wien-Schwechat zu bringen - oder auch eine Reportage, wie eine Gruppe von Flüchtlingsunterstützern aufs Rollfeld in die Nähe eines Abschiebefliegers gelangte - durchaus zu §278f-Ermittlungen führen. Und wer weiß, vielleicht zu mehr. Auch bei der Beschlussfassung des Antimafiaparagrafen 278a hätte wohl auch kein Mitbeschließender damit gerechnet, dass ein paar Jahre später 13 Tierschützer, die Sachbeschädigungen, Drohungen, etc. begangen haben sollen, zusätzlich wegen mafiösen Zusammenschlusses vor dem Kadi sitzen würden - so wie derzeit in Wiener Neustadt.

* der Paragraf 278f lautet in vollem Wortlaut:
„Wer ein Medienwerk, das nach seinem Inhalt geeignet ist, als Anleitung zu einer terroristischenStraftat (§ 278c) zu dienen, oder solche Informationen im Internet anbietet oder einer anderen Person zugänglich macht, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen, wenn die Umstände der Verbreitung geeignet sind,zur Begehung einer terroristischen Straftat aufzureizen."

Das gesamte Terrorismuspräventionsgesetz ist hier zu lesen.

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DER-STANDARD-JURIST
21.06.2010 11:09
dass kommt heraus, wenn laien versuchen

ein gesetz auszulegen und es dazu noch ein medium gibt, das dem laien eine bühne bietet.

dass mitbeschließende sich der tragweite eines gesetzes nicht bewusst sind, ist natürlich richtig. nationalratsabgeordnete sind schafe.

liebe frau brickner: konzentrieren Sie sich aber trotzdem lieber auf die asylmissstände. da kennen Sie sich besser aus!

Chocoholic
16.06.2010 22:14
China, wir kommen!

Philosophia
15.06.2010 19:29
Die Vorbereitungen gegen Demonstration für Gerechtigkeit laufen schon an!

Wer sich gegen die Despotie der Grokonellen äußert ist eine Krimineller.

So nähern wir uns dem stalinistischem Ideal und Parteidebberl jubeln.

kleinerpinguin
14.06.2010 15:52
Kritische Journalisten?

Wer wäre das in Österreich?

Gaugi
14.06.2010 14:35
das ist doch nur propaganda von baluch und co.

nur weil jemanden ein gesetz nicht passt, heisst es doch nicht, dass es in allen möglichen situationen eingesetz wird.

baluch hat sich dem recht zu stellen und soll mal zu seinen verfehlungen stehen. ein bissl rückgrat könnte er schon haben.

G e o r g
16.06.2010 16:36

Halluzinationen? So heiß ist es doch gar nicht mehr.

Wesentliches (Un)Wesen
15.06.2010 19:11

Trollvottel.

Philosophia
15.06.2010 19:30
Schließe mich an!

Papiertiger
14.06.2010 18:43
seltsam nur dass Organisationen wie

die Rechtsanwaltskammer, UniversitätsprofessorInnen, Parlamentsparteien, etc

diese Gesetze kritisch und die derzeitige und geplante Gesetzgebung als zu ungenau bezeichnen!

Gaugi
14.06.2010 19:10

gesetze zu kritisieren ist das eine.

sich daran halten ist das andere. und dies ist baluchs job. obs sein rückgrat aushält?

Papiertiger
14.06.2010 19:20
wenn sie mal beim prozess zuschauen waren, werden sie gesehen haben

wie sehr sich baluch "dem recht stellt"

viel rückrat hab ich bei ihm, anderen angeklagten u der verteidigung erkennen können; ganz und gar nichts davon jedoch bei der richterin.

aber das begrifft ein laufendes verfahren.

hier geht es ja um zukünftige gesetze und um bestehende. die wie ich meine zu weit und entgegen ihrer zielrichtung ausgelgt werden. jetzt will die regierung noch weiter in diese kerbe schlagen. und das noch dazu mit schlechter legistik. viele forumlierungen sind zu offen und schaffen rechtsunsicherheit wie es schon bei §278a derzeit der fall ist. die auslegung wird dann auf dem rücken von bürgerInnen ausgetragen. das ist aber nicht der sinn von legistik im strafrecht. die soll klar sagen was ist legal und was nicht

Gaugi
14.06.2010 20:28

oje, jetzt spielen sie aber auf eine verwaltungs und justizreform an. da seh ich schwarz. so wie ich unsere politiker und regierung sehe wird sich da nichts bewegen. sie verlangen zuviel. leider.

Philosophia
15.06.2010 19:32
Grün von mir, soviel Retardiertheit muß belohnt werden!

Papiertiger
14.06.2010 23:40
da lesen sie unrichtig

ich fordere gute und gründliche legistik, die möglichst keine unklarheiten offen lässt. denn schlechte legistik hat zur folge, dass die praxis freiräume bekommt, wo keine sein sollten. bestes beispiel sind die tierschützer.

mit einer justitz und/oder verwaltungsreform hat das nichts zu tun.

Gaugi
15.06.2010 19:51

darf ich sie daran erinnern, dass unser bundeskanzler nicht mal den ersten abschnitt in jus geschafft hat.


was wollen sie nun nochmals? gute und gründliche legistik?

scherzkeks.

Papiertiger
15.06.2010 20:13
selber scherzkeks

seit wann macht unserer bundeskanzler die gesetze im alleingang, seit wann macht überhaupt die exekutive die gesetze? leben sie in einer monarchie oder so? ;)

natürlich kann man gute legistik verlangen. in den ausschüßen sitzen ja genügend rechtskundige juristInnen und das justizministerium hat eineng ganzen beamtenapparat der sich tagtäglich mit der legistik im strafrecht beschäftigt.

sollte dieser personalpool nicht reichen, können noch immer ausreichend externe expertInnen in die parlaments ausschüsse geholt werden.

gute arbeit kann daher gefordert werden!

Gaugi
15.06.2010 20:22

ok, offensichtlich kommen sie nicht aus österreich.

es gibt eine geschriebene verfassung hier. aber es gibt auch eine gelebte verfassung.

die geschriebene verfassung: das recht geht vom volk aus.

die gelebte verfassung: gesetze bringt die bundesregierung in den nationalrat ein. dort sitzen marionetten und stimmen zu. ausschüsse recht schön und gut, aber die bewegen kaum was. der bundesrat hat nix zu melden und BP paraphiert.
wer sitzt an der spitze der regierung?

ich bin absolut ihrer meinung. gute arbeit kann gefordert werden. aber nicht in österreich. sonst wäre jemand der nicht mal den ersten abschnitt in jus geschafft hat nicht bundeskanzler.

sorry, aber das ist die realität.

Papiertiger
16.06.2010 13:20
erst mein posting lesen dann antworten bitte

natürlich werden im parlament viele regierungsvorlagen, die vorher ministeriumsentwürfe waren, übernommen und durchgewinkt. nichts anders habe ich ua oben geschrieben.

ABER sie haben ja davon geschrieben, dass der bundeskanzler die gesetze quasi im alleingang machen würde. dem habe ich widersprochen.

es gibt im ministerium ausreichend qualifizierts personal um legistische gute gesetze zu schaffen.

ihre ausführungen zum bildungsweg unsers bundeskanzlers halte ich für unsachlich. ich behaupte sogar in der politik ist es usus in viele studien reinzuschnuppern ein paar semester und best. vorlesungen zu besuchen ohne das studium abzuschließen um sich so ein möglichst breites wissen anzueignen...

Gaugi
16.06.2010 15:57

ok, alleinherscher gibts in österreich nicht.

und was das qualifizierte personal in den ministerien anbelagt. sicher, ist vorhanden. aber wird es genutzt? und was hilft qualifiziertes personal, wenn ungebildete dann entscheiden? und sorry, aber gerade der bundeskanzler hat viel zu melden. leider.

meine ausführung zu faymann ist unsachlich? haben sie dem schon mal zugehört was er sagt? der hat nirgendwo geschnuppert. und auch wenn man schnuppert, so kann man eine ausbildung zumindest beenden. was hat faymann beendet? bei seiner bildung? in der politik?

sie wollen gute legistik, aber unfähige und ungebildete politiker? unfassbar.

Papiertiger
16.06.2010 18:44
sie schweifen vom thema ab

den ton innerhalb der spö haben bei der terrorismuspräventionsnovelle vor allem die justizsprecher wie jarolim angegeben.

ich fordere wohl durchdachte und legistisch gute gesetze. bei der novelle mangelt es an beiden.

ihre persönliche meinung zu faymann interessiert mich nicht und tut auch nichts zur sache.

Gaugi
17.06.2010 16:12

b) entscheidungsträger ist faymann und dessen qualifikation beeinflusst die qualität der gesetze. wenn sie es gutheissen, dass jemand bundeskanzler ist, der einerseits ungebildet ist, andererseits aber genau jene gesetze massgeblich gestaltet, dann ist es ein relevanter punkt in unserer diskussion.
vor allem dann, wenn sie "wohl durchdachte und legistisch gute gesetze" fordern. und wie ich ihnen schon dargelegt habe, werden gesetze von der regierung eingebracht. wenn aber in der regierung unqualifizierte menschen sitzen, dürfen sie sich über den mangel an qualität bei der novelle nicht wundern. genau dies tun sie aber.
da helfen noch so viele qualifizierte beamte nichts, wenn der kopf nicht denkt.

Gaugi
17.06.2010 16:09

sorry, aber ich bins leid mit ihnen zu diskutieren.

a) sie ändern das thema und werfen mir vor ich schweife ab. ich habe in den raum gestellt, dass die hier geäusserte kritik nur aufkommt, weil sie manchen nicht in den kramm passt. ob das gesetz nun richtig ist und qualitativ hochstehend, war nie mein thema. wenn man aber unseren staat und unsere politiker/regierung kennt, kann man nicht viel erwarten.
jedenfalls gibt es grundsätze im strafrecht. das delikt ist niedergeschrieben und kann bzw. muss von der StA daher verfolgt werden. das gerade tierschützer und journalisten kritisieren verwundert mich nicht. schliesslich sind erstere betroffen. ob zu recht oder nicht entscheiden die gerichte.

Zachi1
14.06.2010 11:32
Womit wir wieder beim Lieblingsthema wären....

..."wie eine Gruppe von Flüchtlingsunterstützern aufs Rollfeld in die Nähe eines Abschiebefliegers gelangte..."

Ganz ehrlich. Frau Brickner:
Wie genau sollte das denn ablaufen?
Sterben Asylwerber (beinahe), die ins Räderwerk eines Flugzeuges klettern, sind die Faschisten schuld, weil das Rollfeld nicht ausreichend gesichert ist.
Werden sie aber dabei "angehalten", was üblicherweise nicht mit Daunenpolstern gelingt, ist es wiedermal ein gewaltsamer Übergriff der Faschisten.
Will man verhindern, dass derartiges passiert, indem man die Tat mit hohen Strafen bedroht, sind erst Recht alle Faschisten.

Nutzen wir vielleicht Gesetze wieder mal bei Ihrem Lieblingsthema, jeden Asylwerber hier mit einer Villa auszustatten? Könnte das sein?

G e o r g
14.06.2010 13:52

Deine Halluzinationen lassen sich hoffentlich behandeln.

fabrikant
16.06.2010 12:47

Deine wohl eher nicht.

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