Erstmals türkische Polizistin der Folter beschuldigt

19. April 2003, 17:16
3 Postings

Beamtin soll im Mai vor Gericht gestellt werden

Ankara - In der Türkei wird erstmals eine Polizistin wegen Folter vor Gericht gestellt. Die Beamtin soll zusammen mit vier Kollegen eine fünffache Mutter gefoltert haben, die im Mai vergangenen Jahres festgenommen worden sei, berichtete die türkische Tageszeitung "Milliyet" am Samstag. Die inhaftierte Frau sei von der Polizei sexuell missbraucht und mit Knüppeln geschlagen worden, zudem habe sie Elektroschocks verabreicht bekommen und sei mit einem Hochdruckschlauch mit Wasser bespritzt worden, hieß es unter Berufung auf einen gerichtsmedizinischen Bericht.

Die Frau war in Kiziltepe festgenommen worden, weil sie bewaffnete Anhänger der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK unterstützt haben soll. Die Anklage in der südosttürkischen Provinz Mardin fordert dem Bericht zufolge bis zu acht Jahre Gefängnis für die Polizistin und ihre Kollegen. Die Beamtin soll im Mai vor dem Richter erscheinen.

Die türkische Polizei greift immer wieder auf Einschüchterung und Gewalt zurück, um Aussagen oder Geständnisse von Tatverdächtigen zu bekommen. Folter auf türkischen Polizeiwachen ist eines der Haupthindernisse auf dem Weg des Landes in die Europäische Union. (APA)

Share if you care.