Simitis: Trennungslinie auf Zypern trennt auch Ankara von Brüssel

19. April 2003, 19:29
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EU-Ratsvorsitzender trifft türkisch-zypriotische Parteiführer

Nikosia - Erstmals seit der Teilung Zyperns 1974 hat sich am Samstag ein griechischer Regierungschef in der Inselhauptstadt Nikosia mit Vertretern und Führern türkisch-zypriotischer Parteien getroffen. Wie der griechische Ministerpräsident und EU-Ratsvorsitzende Kostas Simitis nach dem Treffen im Fernsehen erklärte, seien sich alle einig gewesen, dass die Zypernfrage gelöst werden müsse.

"Die Nachricht wurde mir laut und deutlich übermittelt: Zypern muss vereinigt alle Vorteile aus der EU-Mitgliedschaft ziehen", sagte Simitis nach der Begegnung. Der Führer der türkisch-zypriotischen Volksgruppe, der greise und kranke Rauf Denktas, war beim Treffen im griechischen Teil Nikosias nicht zugegen.

Türkisch- und griechisch-zypriotische Politiker einigten sich nach den Worten Simitis' darauf, dass die Lösung auf der Grundlage des im November vergangenen Jahres vorgelegten UN-Plans zur Überwindung der Teilung der Insel erfolgen müsse. Der Plan sieht die Bildung einer Föderation aus zwei Bundesstaaten nach Schweizer Modell vor. Die UN hatten vor zwei Wochen Denktasch für das Scheitern dieser UN-Vermittlung verantwortlich gemacht.

Trennungslinie

Simitis rief in Nikosia die Türkei auf, die Zypernfrage zu lösen. Dies würde auch den Weg der Türkei in die EU ebnen. "Die Trennungslinie auf Zypern trennt nicht nur die Insel. Sie trennt auch Ankara von Brüssel", sagte Simitis in Nikosia. Die Türkei erkennt als einziger Staat die "Türkische Republik Nordzypern" von Denktasch an.

Der EU-Ratsvorsitzende besuchte am Samstag Zypern zum Auftakt einer Rundreise durch die Hauptstädte der 15 alten EU-Mitglieder und der zehn neuen Länder, die zum 1. Mai 2004 Vollmitglieder der EU sein werden und bis dahin Beobachterstatus haben. Die Besuche dienen der Vorbereitung des EU-Gipfels am 20. und 21. Juni in der Nähe der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki.

Architekt des Beitritts

Die griechischen Zyprioten hatten am Freitag Simitis bei der Ankunft auf dem Flughafen von Larnaka als den "Architekten" des Beitritts Zyperns zur EU gefeiert. "Zypern gehört jetzt der europäischen Familie an. Ich möchte das zypriotische Volk beglückwünschen", sagte Simitis. Am Mittwoch hatte Zypern mit neun anderen Staaten in Athen die Beitrittsurkunden zur Europäischen Gemeinschaft unterzeichnet.

Zypern ist seit 1974 nach einem von der damaligen Militärjunta in Griechenland unterstützten Putsch und einer darauf folgenden türkischen Militärintervention geteilt. Nach dem zum 1. Mai 2004 vorgesehenen EU-Beitritt wird das politische und rechtliche Regelwerk der EU zunächst nur im griechischen Süden der Mittelmeerinsel gelten. (APA/dpa)

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    Der Präsident Zyperns, Tasos Papadopoulos (rechts) mit dem griechischen Premier Costas Simitis

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