Erste Zwischenbilanz: Das Plansoll der USA ist nicht erfüllt

19. April 2003, 14:36
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Bisher erst zwei von acht Kriegszielen erreicht: Saddams Sturz und Sicherung der Ölfelder

Washington - Für den Irak-Krieg, der am Sonntag vor einem Monat begann, hatte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld acht Zielvorgaben formuliert. Eine Zusammenfassung, welche der Ziele bisher erreicht worden sind:

1) ENTMACHTUNG VON SADDAM HUSSEIN: Dieses Ziel ist erreicht, auch wenn das Schicksal des bisherigen irakischen Präsidenten ungeklärt ist. Saddam Husseins Regierung und Truppen sind zerschlagen.

2) VERNICHTUNG VON MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN: Unklar ist, ob dieses Ziel überhaupt erreichbar ist. Bisher haben die alliierten Truppen und Geheimdienste keinerlei illegale Waffen entdeckt, deren angebliche Existenz die wichtigste Begründung für den Militäreinsatz war. Mit einem eigenen Team aus tausend US-Experten wollen die USA nun die Suche nach Massenvernichtungswaffen vorantreiben. Mehrere irakische Waffenexperten sind in Gewahrsam der USA.

3) FESTNAHME VON TERRORISTEN: Bei dieser Zielsetzung haben die USA in der vergangenen Woche mit der Festnahme des radikalen Palästinenser-Führers Abu Abbas in Bagdad einen ersten Teilerfolg erzielt. Noch nicht belegt ist hingegen der Vorwurf der US-Regierung an Saddam Hussein, mit El Kaida zumindest indirekt kooperiert und Mitgliedern des Terrornetzwerks Zuflucht gewährt zu haben.

4) EINHOLEN VON GEHEIMDIENSTINFORMATIONEN ÜBER DEN TERRORISMUS: Ob dieses Ziel erreicht wurde, ist unklar, da mit der Veröffentlichung solcher Informationen in der Regel sehr vorsichtig umgegangen wird, um die internationalen Fahndungen nicht zu gefährden. Die US-Armee teilte lediglich mit, bei der Durchsuchung irakischer Regierungsgebäude seien "wichtige Dokumente" beschlagnahmt worden.

5) EINHOLEN VON GEHEIMDIENSTINFORMATIONEN ÜBER DEN HANDEL MIT MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN: Über das Erreichen dieses Kriegsziels herrscht ebenfalls Unklarheit, da sich die Geheimdienste mit der Veröffentlichung auch solcher Informationen in der Regel zurückhalten.

6) ENDE DER SANKTIONEN GEGEN DEN IRAK UND HUMANITÄRE HILFE: In der Sanktionsfrage ist das Ziel noch nicht erreicht. Mit seiner Forderung nach einer Aufhebung des internationalen Embargos, dem das Land seit der irakischen Invasion in Kuwait 1990 und dem anschließenden Golfkrieg unterliegt, ist US-Präsident George W. Bush in der vergangenen Woche bei den Kriegsgegnern im UNO-Sicherheitsrat zunächst auf Widerstand gestoßen. Dass die Sanktionen letzten Endes aufgehoben werden, gilt nach der Entmachtung der geächteten irakischen Regierung aber als gewiss. Die humanitäre Hilfe für den Irak ist angelaufen.

7) SICHERUNG DER ÖLFELDER: Dieses Ziel ist erreicht. Die Ölfelder im Südirak wurden schon in der ersten Kriegsphase erobert, zuletzt fielen auch die Ölstädte Kirkuk und Mossul (Mosul) im Norden in die Hände der Alliierten. Im Gegensatz zum Golfkrieg 1991, als irakische Truppen beim Rückzug aus Kuwait dort 750 Ölquellen in Brand steckten, richteten sie diesmal relativ geringen Schaden an den Ölressourcen an.

8) DEMOKRATISIERUNG DES IRAK UND ERHALT DER EINHEIT DES LANDES: Von diesem Kriegsziel sind die USA noch ein gutes Stück entfernt. Beim ersten Treffen der irakischen Exilopposition im Irak in der vergangenen Woche forderten die meisten Teilnehmer ein rasches Ende der US-Besatzung und die Bildung einer einheimischen Regierung. Wie der Weg des Irak zur Demokratie unter US-Schirmherrschaft aussehen soll, ist noch unklar. Überdies formiert sich die schiitische Bevölkerungsmehrheit im Irak zunehmend zu anti-amerikanischen Protesten. (APA)

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