Sars-Bekämpfung unter Fliederduft

18. April 2003, 20:18
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Chinas Regierung bemüht sich nun Information - Ausländische Journalisten durften ein Spital besuchen, in dem gegen die Seuche geforscht wird

Peking - Trügerische Ruhe und der Duft von blühendem Flieder liegt über dem kleinen Spital und seinen Gartenanlagen. Es ist nach dem nahe gelegenen Ditan-Volkspark benannt, der einst Kaisern als Opferstätte für den Erdgott diente.

Anfang Februar, als sich bei Südchinas Bürgern schon die Panik vor der neuen Seuche Sars (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) ausbreitete, tummelten sich in diesem Park noch mehr als eine Millionen nichts ahnende Pekinger auf den Volksfesten zum chinesischen Neujahr. Viel zu spät wurden sie jetzt aufgerufen, solche Massenansammlungen zu meiden, um dem Virus keine Gelegenheit zur Verbreitung zu geben.

Schichtenweise Schutz

Vor dem Eintritt in das hermetisch abgeschlossene Ne-bengebäude für Sars-Fälle erhalten die Journalisten Atemmaske und Schutzkleidung angepasst. Im Obergeschoß, vor der Infektionsstation, folgt eine weitere Schicht, diesmal Kapuzen, Handschuhe und Überschuhe.

Umgerechnet rund 50 Euro kostet die importierte Spezialkleidung, die nach einmaligem Gebrauch verbrannt wird. "Auch unsere Ärzte müssen sie alle vier Stunden wechseln", sagt die 27-jährige Ärztin Guo Jiazhen. Sie hat seit 20 Tagen die Aufsicht über die neue Isolierstation.

Patienten protestieren

Die Besuchserlaubnis löst auch Protest aus. "Wir möchten keine Besucher in diesem Trakt haben", erklärt einer der Ärzte. "Sars ist zu neu und zu gefährlich." Einige der Patienten reagieren verärgert auf die neugierigen Blicke durch die Gangfenster. Über ihre Zimmertelefone beschweren sie sich bei den Ärzten. "Wir haben ein Anrecht auf Schutz."

Im oberen Stockwerk sind zehn hochinfektiöse chinesische Sars-Erkrankte untergebracht. Am vorigen Wochenende waren es erst sieben. Die Patienten werden über die Außenveranda versorgt. Der Garten darunter ist unzugänglich. Der deutsche Virologe Wolfgang Preiser, der im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO das Hospital inspizierte, nennt das eine intelligente Lösung. Die Gänge und Arbeitsräume der Ärzte würden so vor Aerosolen (winzige Tröpfchen in der Luft) geschützt, die in der Raumluft hängen bleiben.

Im unteren Stockwerk des Trakts werden 15 weitere Kranke als vermutlich mit Sars Infizierte behandelt. Sie sind von der Außenwelt isoliert und dürfen keinen Besuch empfangen.

Das 1946 gegründete Ditan-Krankenhaus ist auf Chinas 35 epidemische Krankheiten spezialisiert. Sars passt noch auf keines der Behandlungsmuster. Dick vermummt untersucht der Biologe Yao Jun die Anzahl der Immunzellen bei Sars-Zellpräparaten.

Hoffen auf Kräuter

Seit 1997 erforscht er Aids und die infektiöse Gelbsucht, Hepatitis. Der Arzt hofft, positive Reaktionen auf chinesische Kräuterarzneien feststellen zu können. Sie sollen das Immunsystem und die Lungenfunktionen stärken helfen. Eine Kur gegen Sars aber gibt es noch nicht.

Ständige Vorsorge ist wichtig, sagt eine resolute Ärztin, als die Journalisten die Station verlassen und ihre Schutzkleidung abstreifen. Dann sprüht sie sie sicherheitshalber noch einmal kräftig mit Desinfektionslösungen ab.

Neuen WHO-Statistiken zufolge hat Sars bisher weltweit 170 Menschen getötet, mehr als 3500 gelten als infiziert. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD Printausgabe 19/20.4.2003)

Chinas Regierung bemüht sich nun um einen informativeren Umgang mit der in ihrem Land entstandenen lebensgefährlichen Lungenkrankheit Sars. Ausländische Journalisten durften in Peking ein Spital besuchen, in dem nach Mitteln gegen die Seuche geforscht wird.
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