Public Viewing in the USA

"Soccer is pretty awesome!"

Florian Niederndorfer, 13. Juni 2010, 11:05
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    Das Giants-Stadion in San Francisco am Samstag Vormittag.

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    Katie und ihre Freundinnen haben Spaß.

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    Henry, der Frühaufsteher.

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    Jim vor der Hochzeit.

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    Multikulturalist Brian.

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    Paul und Amanda, unverkennbar USA-Fans.

Auch in San Francisco wird WM geschaut - Statt Abendbier gibt es dort Breakfast for Champions - Eine derStandard.at-Reportage

Mit all dem Gerenne, Geflanke und Gefoule, das sich auf dem Bildschirm über ihrem Kopf so abspielt, nimmt Katie es nicht so genau. "Wir wollen einfach eine gute Zeit haben", sagt die Mittzwanzigerin und ihre beiden Freundinnen, die sie an diesem Samstag in den AT&T-Park zu San Francisco begleitet haben, nicken beseelt. "Die Atmosphäre hier ist heute einfach super. Soccer is pretty awesome!"

Hier, das ist das Stadion der örtlichen Heroen, die San Francisco Giants, die Baseball spielen statt Soccer. Und heute, das ist USA gegen England, live und direkt am Samstag Vormittag per Public Viewing von Südafrika an die Bay transferiert.

"USA-USA" tönt es in Sprechchören von den Rängen, als nach dem ersten Tor der Engländer Frustration ob des schnellen Rückstands einzusetzen droht. Der überschaubare englischen Fanblock, meist Touristen oder Expats, kann gegen die Übermacht nicht viel ausrichten.

Premiere im Stadion

Laut Schätzungen haben mehr als 15.000 Zuschauer das Match im AT&T-Park verfolgt. Weit mehr jedenfalls als die 5.000, mit denen die Veranstalter für die erste Fußballübertragung in dem vor zehn Jahren eröffneten Stadion gerechnet hatten.

Das Vorurteil, dass US-Amerikanern Fußball etwa so sehr am Herzen liegt wie eine allgemeine Krankenversicherung, ist spätestens seit dem Gegentor Geschichte. Ein Dutzend Pubs, längst nicht alle irischer oder englischer Provenienz, überträgt in San Francisco die Spiele.

Breakfast for Champions

Sogar die, deren Anstoß zu in Kalifornien nachtschlafender Zeit, 4:30 Uhr, erfolgt. Und spätestens zu den 7 Uhr-Matches wird es in den meisten davon schwer, einen Sitzplatz zu ergattern. Die Kellnerin hat dann ihre liebe Mühe, Bier in Pitcher-Krügen und Frühstückswurst durch die Armada aus Männerkörpern in Fußballtrikots zu manövrieren. Breakfast for Champions eben.

Hafenstädte im Vorteil

Henry hält an diesem Vormittag schon seit vier Uhr im Chieftain an der 5th Street im nachts nicht eben gemütlichen Mission-Viertel die Stellung. Entsprechend konsequent hält er sich mit Cola und Zigaretten wach. "Ich bin Halb-Koreaner, deshalb musste ich beim Spiel gegen Griechenland dabei sein", erzählt er und steckt sich eine Marlboro an.

"Hier in San Francisco war eine Fußball-WM schon immer ein Thema, so wie in den meisten Hafenstädten ist die Bevölkerung viel zu gemischt, um so etwas zu ignorieren", sagt er. In den Weiten des amerikanischen Mittelwestens sei das freilich anders. "Die Leute dort haben oft noch keinen Kontakt mit Ländern gehabt, in denen es so etwas wie Fußballkultur gibt."

Vuvuzela am Helm

Brian, der in aller Früh schon mit Vuvuzela-Helm vom Vorort San Bruno bis in die Stadt gefahren ist, sieht das ähnlich. Auch sein USA-Trikot lässt ihn aus der Masse der mit Three-Lions-Memorabilia ausgestatteten Exil-Engländer hervorstechen.

Seit 2002 verfolgt der Student Fußball-Turniere, 2006 war er sogar bei der WM in Deutschland vor Ort. "Ich habe in der Schule Fußball gespielt, immer mehr junge Leute machen das in Amerika, das hilft natürlich sehr, den Sport hier populärer zu machen."

Major League Soccer kann nicht mithalten

Großereignisse wie WM oder Confederations Cup, bei dessen letzter Ausgabe Team USA bekanntlich Europameister Spanien bezwang, helfen zusätzlich. "Die Major League Soccer (US-Fußballliga, Anm.) ist ja auch nicht so wirklich guter Fußball", meint Jim, der aus New York in die Stadt am Pazifik gereist ist, um der Hochzeit eines Freundes beizuwohnen.

Vorher also noch ins Pub, Schal geschultert und Kaffee im Papierbecher hinuntergeschlürft.

Keine La Ola-Wellen im Stadion

Im AT&T-Park geht es derweil etwas weniger euphorisch zur Sache. Während Clint Dempsey durch den Fehler des englischen Torwarts zum Treffer gelangt, geht kurz ein Raunen durch das Giants-Stadion, ein paar Fahnen werden geschwenkt.

Doch noch während der Wiederholung auf der Leinwand verstummt der kurze Jubel so schnell wieder, wie er aufgebrandet ist. Von La Ola keine Spur in San Francisco. Das Public Viewing à la USA ähnelt viel mehr einem freundlichen Familienausflug denn einem hitzigen Fußballmatch.

Dafür gibt es in den weiten Fluren des Stadions Hotdogs und Bier, genau wie beim Baseball, dessen Protagonisten nur wenige Stunden später ihre Heimstatt wieder in Besitz nehmen. Das ganze Fußballmatch über benetzen Rasenpfleger das Grün und die Bahnen mit Wasser, auf dass die ungewöhnlich hohen Temperaturen der Giants-Wiese nichts anhaben.

"In vier Jahren gewinnen wir!"

Amanda und Paul aus San Diego sind nach dem Spiel trotzdem zufrieden, nicht nur wegen des für ihr favorisiertes Team doch eher schmeichelhaften Ergebnisses. "Wir hatten definitiv Spaß", sagt sie. Paul lehnt sich noch etwas weiter aus dem Fenster. "In vier Jahren gewinnen wir den Pokal!" (derStandard.at, 13.6.2010)

Link:

San Francisco Chronicle: S.F. fans flock to TVs

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 134
1 2 3 4
Mamonas
00
16.6.2010, 18:39

Habe folhende Meldung noch nicht im Standard gefunden:

http://www.oe24.at/welt/Isla... 725145.ece

Jürgen Rembremerding
00
15.6.2010, 07:48
Wie verfolgt Nordkorea die WM?

Santino Corleone
01
14.6.2010, 13:19
Football not Soccer !!

Timagoras
 
00
14.6.2010, 14:15


und Sami Hyypiä würde sagen "jalkapallo enkä football".

so what? ;o)

Eddi der Große
13
14.6.2010, 12:49

Das Ergebnis vom Samstag zeigt aber das Dilemma, warum Fußball in den USA so wenig populär ist. Es gab ein Unentschieden zwischen England und den USA. Damit können die Amis nichts anfangen. Die wollen immer einen Sieger sehen und einen Verlierer. Deswegen gibt es auch bei allen populären Sportarten in den USA (z.B. Football, Baseball, Basketball, Eishockey, Tennis, Golf) bei jeder Partie stets einen Gewinner, nie ein Unentschieden.

Fisch^^Fisch
00
14.6.2010, 13:42

Ich glaube die Amerikaner, die es interessiert haben das 1:1 durchaus als starke Leistung wahrgenommen und sich dementsprechend darüber gefreut.

Günther Hase
 
15
14.6.2010, 11:44
Dieser provinzielle Antiamerikanismus ist schon irgendwie niedlich.

Vollkommen egal, ob der Ami in der Nase bohrt oder in die Oper geht, es ist jedenfalls totall unkultiviert und rein auf Kommerz und dings.

sterngucker
 
00
14.6.2010, 11:13
"Wir wollen einfach eine gute Zeit haben"

Ja, und Socker ist hübsch ehrfurchtsam.

1116er
10
14.6.2010, 10:32
"Mit all dem Gerenne, Geflanke und Gefoule, das sich auf dem Bildschirm über ihrem Kopf so abspielt, nimmt Katie es nicht so genau."

macht nichts.
hauptsache man hat einen grund für saufen und grölen.
ist doch weltweit so!

rapidla01
00
14.6.2010, 11:10

sinnerfassend lesen...

Arm in Assinger
00
14.6.2010, 09:54
"SOCCER"

wäh!

Mr charlie
19
14.6.2010, 07:27

Alleine das wort soccer ist schon pfui !

MacAllen Fine Oak
00
14.6.2010, 10:19
Am schlimmsten sind aber Europäer die "Soccer" in England verwenden und meinen sie sprechen richtiges Englisch...

Phantom91
 
03
14.6.2010, 10:43

ich erinnere mich an meine AHS Zeit, als meine Professorin meinte, sie unterrichte BE aber das Wort "football" im Zusammenhang mit Fußball als komplett falsch und unpassend bezeichnete.

MiNeum71
 
14
14.6.2010, 11:43


Wir hatten 'mal eine Supplierstunde mit einer Englischlehrerin, die meinte, sie würde im darauffolgenden Jahr nicht mehr an der Schule sein, weil "... I'm becoming a baby ..." !!!!!!!!!!!

chiwato
02
14.6.2010, 12:37
das nennt

man regression.

Phantom91
 
00
14.6.2010, 12:11

herrlich :D

canuck
 
00
14.6.2010, 03:02
public viewing in SF

Hab mir zuerst auch kurz ueberlegt, ins AT&T stadion zu gehn, aber die Grossleinwand dort ist wie man sieht weit weg und sicher nicht HD. Die meisten Pubs waren 2 Stunden vor Anpfiff knallvoll und die Stimmung sehr super. Schoen zu sehn, dass die Amerikaner sich auch zum Fussball hingezogen fuehlen.

Heavyweather
04
14.6.2010, 00:15

Wenn die Amis jemals die WM gewinnen ist Fußball tot.

Everchange
00
16.6.2010, 04:58
AHA

Daß Österreich mit den Vikings aus Wien und den Raiders aus Innsbruck über die stärksten American Football Teams Europas verfügt, wissen viele Leute in Österreich auch nicht, oder sie interessierts einfach nicht, den zuschauerzahlen nach zu urteilen (die zwar schon beachtlich, aber nicht zu vergleichen mit der Österreichischen (!!!) Fußball bundesliga sind)

Diese zwei mannschaften gewinnen so gut wie jedes Jahr die europ. CL des american footballs. Wie schön wär das beim FB?

Zugegeben der vergleich hinkt, da es sich in europa beim AF um eine amateurliga handelt und daher der vergleich zur NFL vernichtend wäre.

Trotzdem: Wahrnehmung der Öffentlichkeit und leistung von dort beheimateten Sportarten sind da wie dort ev. vergleichbar.

TrifterSepp
 
01
14.6.2010, 13:17

Interessieren sich die AMis nicht für Fussball, sind Sie arrogante, unbelehrbare Idioten. Interessieren Sie sich und werden darin gut, ist es auch nicht in Ordnung.

Heavyweather
00
14.6.2010, 16:46

Sie dürfen eh.
Ich verstehe auch wenn es sie nicht interssiert.

Mir ist Fußball im Prinzip ja auch genauso wurscht wie Football oder Baseball.

Fisch^^Fisch
01
14.6.2010, 12:45

Warum?

Ich fände es genial. Die USA haben zeigen ja immer wieder das Verständnis, dass sie kein Land wie jedes andere sind. Das zeigt sich in politischen Dingen genau so wie im Sport. Da werden halt Sportarten gelebt die sonst auf der Welt keinen interessieren und das nennt man dann Weltmeisterschaft.

Wenn die USA hingegen jetzt auch im "Soccer" groß werden, wäre das imho ein Zeichen dafür, dass das Land auch in der Hinsicht eines von vielen auf diesem Planeten wird. Wenn man noch China und Indien für diesen Sport begeistert, dann kann der Fußball sich völlig zurecht als DIE Weltsportart bezeichnen.

MiNeum71
 
00
14.6.2010, 11:46


Hat man das nicht mit umgekehrten Vorzeichen über Basketball gesagt? ;)

Ingrimm
14
14.6.2010, 04:41

Ach, eine Sportart die Deutschland, Italien und Griechenland überlebt...

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