"Höllische Zustände" durch schwere Gewitter

13. Juni 2010, 09:36
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Auf Hitzewelle folgen Unwetter: Hagelschäden, Brände, überflutete Keller - Nova Rock entging knapp dem Abbruch

Linz - Ein schweres Gewitter ist am Samstag über Oberösterreich gezogen und hat teilweise schwere Schäden verursacht. Betroffen war das gesamte Bundesland. Ein 15-jähriger ertrank in der Krems. Von allen Bezirken wurden überflutete Keller gemeldet, in Gutau (Bezirk Freistadt) standen zwei Häuser in Flammen - die Brände wurden vermutlich durch Blitzschläge verursacht. Wie das Landesfeuerwehrkommando mitteilte, herrschten im ganzen Bundesland "höllische Zustände".

Im Bezirk Linz-Land und Bezirk Freistadt gab es vielerorts Stromausfälle. Neben unzähligen überfluteten Kellern gab es im ganzen Bundesland zahlreiche abgedeckte Dächer und vereinzelt auch Dachstuhlbrände - ausgelöst durch Blitzschläge. In Gutau (Bezirk Freistadt) war die Feuerwehr im Großeinsatz, hier standen zwei Wohnhäuser in Flammen. In der Linzer Innenstadt flogen etwa Sonnenschirme über die Landstraße. Auch Verkehrsunfälle wurden gemeldet, etwa aus dem Bezirk Steyr-Land, wo Autofahrer von den Niederschlagsmengen überrascht wurden und von der Straße abkamen. Über Verletzte war vorerst nichts bekannt.

Wiener Feuerwehr im Dauereinsatz

Die Wiener Feuerwehr hat wegen des Unwetters am Samstagabend über 100 Mal ausrücken müssen. Es habe zwischen 100 und 150 Einsätze gegeben, teilte ein Feuerwehrsprecher mit. Es habe sich um Sturmeinsätze gehandelt, berichtete die Feuerwehr von entwurzelten Bäumen und zu sichernden Baugerüsten. Überflutungen habe es nach bisherigem Stand nicht gegeben. 

15-Jähriger ertrunken

Ein 15-Jähriger ist am Samstagabend in Neuhofen an der Krems nach einem Sprung in den hochwasserführenden Kremsfluss ertrunken. Sein 13-jähriger Freund, der ebenfalls ins Wasser sprang, konnte sich ans Ufer retten. Die beiden Burschen dürften von einer Wasserwalze erfasst worden sein.

Sandsturm verbläst "Nova Rock"

Das Nova Rock in Nickelsdorf, Österreichs größtes Rockfestival mit mehr als 50.000 Besuchern pro Tag, ist Samstagabend an einem Abbruch "knapp vorbeigeschrammt", wie Veranstalter Ewald Tatar sagte. Die Areale vor den beiden Hauptbühnen waren zuvor wegen einer Unwetterwarnung geräumt worden.

"Alles lief sehr geregelt, die Fans waren kooperativ", so Tatar. Einige Kilometer vom Open-Air-Gelände im Burgenland entfernt sind schwere Regenfälle niedergegangen. Diese blieben auf den Pannonia Fields ebenso aus wie ein prognostizierter Sturm. Das Programm wurde mit einer halbstündigen Verspätung wieder aufgenommen.

Joan Jett hatte ihren Auftritt verkürzen müssen. Kurz vor 21.00 Uhr war nach dem Hit "I Love Rock n Roll" Schluss. Ein starker Wind fegte über das Gelände und wirbelte extrem viel Staub auf. Teile der Bühnenaufbauten mussten aus Sicherheitsgründen entfernt werden.

Nach der Entwarnung strömten die Fans auf das Areal zurück. Es kam zu Gedränge. "Hört sofort auf zu drängen, ihr verletzt andere dadurch" war auf einem Hinweisschild der Organisatoren zu lesen. Außerdem wurde mit Durchsagen an die Vernunft appelliert. "Auch diese Situation war rasch im Griff", hieß es bei der Polizei.

Chaos auf Niederösterreichs Straßen

Das Unwetter hat auch für Chaos auf Niederösterreichs Straßen gesorgt. Fast in allen Bezirken des Landes gab es Großalarm für die Feuerwehren, wie es in einer Aussendung des NÖ-Feuerwehrkommandos hieß. Gegen 20.30 Uhr verfinsterte sich der Himmel bedrohlich. Innerhalb weniger Minuten zogen dunkelschwarze Gewitterwolken auf. Windböen von bis zu 100 Stundenkilometern knickten im ganzen Land Hunderte Bäume.

Im Bezirk Korneuburg wurden geparkte Autos von umstürzenden Holzriesen völlig zertrümmert, verletzt wurde zum Glück dabei niemand. Schwer betroffen waren vor allem die Bezirke Korneuburg (100 Einsätze, 24 Feuerwehren), St. Pölten (85 Einsätze, 50 Feuerwehren), Tulln (54 Einsätze, 22 Feuerwehren) sowie Wien Umgebung (41 Einsätze, 13 Feuerwehren).

In Waldlesberg im Bezirk St. Pölten standen Dutzende Häuser unter Wasser, fast alle Straßenzüge waren völlig vermurt. Alleine in dieser Ortschaft waren neun Feuerwehren mit 110 Mitgliedern im Einsatz. Die mussten zu 60 Notfällen ausrücken.

Bis 22.15 Uhr blieben laut Feuerwehr lediglich die Bezirke Gmünd, Neunkirchen, Waidhofen an der Thaya, Scheibbs und Wiener Neustadt von den Unwetterkapriolen verschont. Insgesamt waren in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Niederösterreich 253 Feuerwehren in 16 Bezirken damit beschäftigt, 465 Einsätze abzuarbeiten. Die Palette reichte von umgestürzten Bäumen, überfluteten Keller, vermurten Straßen, bis zu abgedeckten Hausdächern, teilte das Feuerwehrkommando mit. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sturmwolken über dem Nova-Rock-Gelände

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