Wikileaks bereitet Verteidigung von inhaftiertem US-Soldat vor

12. Juni 2010 13:05
  • Artikelbild
    Foto: wired

    Dem Soldaten Bradley Manning wird vorgeworfen, geheime Dokumente an Wikileaks übermittelt zu haben.

Herausgabe der Chat-Protokolle gefordert - Soldat soll Geheimdokumente übermittelt haben

Nach der Verhaftung des US-Soldaten Bradley Manning, welcher der Whistleblower-Website Wikileaks vertrauliche Informationen des US-Militärs zugespielt haben soll, bereitet Wikileaks nun offenbar dessen Verteidigung vor. Das hat Wired aus einem E-Mail von Wikileaks-Gründer Julian Assange an Adrian Lamo erfahren, das Lamo den Bloggern weitergeleitet habe. Lamo ist jener Ex-Hacker, dem sich Manning anvertraut hatte, der den 22-jährigen Soldaten jedoch aus Sicherheitsbedenken dem Militär meldete.

Protokolle sollen Wikileaks übermittelt werden

Aus dem E-Mail gehe hervor, dass Assange - sofern er tatsächlich hinter dem Mail steht - die Herausgabe der Chat-Protokolle und E-Mails zwischen Manning und Lamo fordert. Er wolle sie den beauftragten Anwälten zukommen lassen, um die Verteidigung des Soldaten vorzubereiten. Wer die rechtliche Vertretung übernommen hat, ist nicht bekannt. Unklar ist zudem, wieso die Anwälte Lamo nicht persönlich kontaktieren. In dem Mail wird betont dass die Informationen nur zur Verteidigung von Manning genutzt würden und Lamo sie auch über das offizielle Wikileaks-System zur anonymen Übermittlung von Dokumenten senden könne.

Drogenprobleme vorgeworfen

Lamo wird gebeten, Manning als jemanden zu beschreiben, der keine Gefahr für irgendwen darstelle. Assange bittet ihn, den Soldaten nicht als "der Spionage verdächtig" zu bezeichnen. Lamo wird zudem aufgefordert, die Stimmung gegen Manning nicht weiter aufzupeitschen. Assange schreibt, dass sich Lamo darauf berufen solle, dass er Angst aufgrund früherer Erfahrungen und angeblich ein Drogenproblem habe. Wired hat das Mail zur Nachlese im Web veröffentlicht. Gegenüber den Bloggern meint Lamo, dass er die Protokolle nicht jemanden geben werde, der ihn eines Drogenproblems bezichtige. Er leide an Depressionen und dem Asperger-Syndrom, weshalb er Medikamente nehmen müsse.

Gewissensbisse

Manning soll Wikileaks unter anderem ein Video übermittelt haben, in dem die Ermordung von Reuters-Journalisten durch US-Soldaten zu sehen ist. Zudem soll er der Seite insgesamt 260.000 geheime Dokumente aus dem Kreis der US-Diplomaten zugespielt haben. Der Soldat habe Gewissensbisse bekommen, nachdem er das "unethische Verhalten" der US-Regierung aufgedeckt habe. Für Lamo sei Manning jedoch ein Spion. Aus Sicherheitsbedenken habe er sich an die US-Army gewandet, nachdem ihm Manning alles gestanden habe. Wikileaks habe mittlerweile dementiert, die besagten Dokumente erhalten zu haben. (red)

 

Kommentar posten
20 Postings
theBORG
14.06.2010 19:33
Adrian Lamo

Ah, toll. Zuerst verrät er eine potentielle Wikileaks-Quelle an's Militär, und jetzt, als sich ein Wikileaks-Gründer um Schadensbegrenzung bemüht, verpetzt er diesen an die Medien.

Adrian Lamo, ein feiner Mensch.

„Gegenüber den Bloggern meint Lamo, dass er die Protokolle nicht jemanden geben werde, der ihn eines Drogenproblems bezichtige. Er leide an Depressionen und dem Asperger-Syndrom, weshalb er Medikamente nehmen müsse.“
Mimimimi... :-(

jodaflo
 
13.06.2010 12:13
wikileaks ist toll

und die 260000 seiten würden wahrscheinlich auch reichen um endlich mal gegen diese verbrecherorganisation mobilzumachen, wenn da wirklich drinsteht wiie verstikt sie eigentlich mit den wirtschaftlichen interessen der grossen konzerne sind

ndaa
13.06.2010 12:10
Sollte Manning verurteilt werden, dann bitte die 260.000 Dokumente online stellen - breit gestreut.

Nochmals können sie ihn dann ja nicht verurteilen.
Das wäre auch ein gewisses "Verhandlungsargument".

t ttttt
13.06.2010 12:09
KEIN...

...datenschutz!!! für nichts und niemanden!!!

STOPPT DEN ZENSURWAHN DER POLITIKER - JETZT!
14.06.2010 17:01
wenn wir (einzelpersonen) schon keinen haben können

wieso sollen dann regierungen einen haben?
gleiches recht allen.

t ttttt
14.06.2010 18:02
find...

...ich auch!!! nur durch daten liberation ist autokratie möglich!!!

ökokiwi
13.06.2010 11:23
Oje...

... da hat sich der Soldat wohl die falsche "Vertrauensperson" ausgesucht.

Früher waren es die NS-Spitzel welche die Menschen, die bei Verbrechen nicht einfach tatenlos zuschauen konnten, ans Messer lieferten...heute sind es die National-Patrioten!

Da wird mir schlecht!

Eiskalter Engel
 
13.06.2010 10:42

Es ist ja inzwischen bekannt das die US-Regierung bzw. das Militär etwas gegen Wikileaks hat... da könnte es gut sein, dass mit dieser und vielleicht noch weiteren Aktionen falsche Tatsachen gestreut werden sollen - und WL damit für Informanten unattraktiv gemacht werden soll...

Das WL + Lamo dann in den selben Topf geworfen werden... Naja...

Fritz Meyer
12.06.2010 21:04
Am besten mal bei Fefe darüber lesen!


http://blog.fefe.de/?ts=b2f27416

Der Standard scheint wohl eher der "offiziellen" Version zu folgen.

Fritz Meyer.

joergipoergi
12.06.2010 18:08
!!!Man kann es offenbar nicht genug sagen:

Lamo hat nichts, aber auch gar nichts, mit Wikileaks zu tun!!!!

Erz-Schelm
12.06.2010 18:07
Heißt es nicht...

"von inhaftiertem Soldaten"?

galgenzeiserl
13.06.2010 10:32

was weiß ich das hab ich nicht gelesen. falsches jemanden statt -dem ist mir aber gleich aufgefallen

Gummibam aus Surinam
13.06.2010 08:22

Ja, sollte es.

janwillem
12.06.2010 18:32

Brav.

ameno
12.06.2010 17:02

wie alle wired anschuldigungen gegen wikileaks zu dem thema vom ex-hacker poulson geschrieben (der wahrscheinlich einen deal mit dem fbi hat...)

solandre
 
12.06.2010 16:44

der lamo ist seltsam. entweder man macht bei einer whistelblower seite mit und schützt die informanten, oder man lässt es bleiben. aber informationen entgegennehmen und die personen nachher zu verpfeifen ist das schlimmste das so einem projekt passieren kann.

lamo hat wikileaks schlimmen schaden zugefügt. der typ scheint ziemlich viel angst zu haben. und ich glaube auch, dass er ideologische indoktriniert ist, denn ich unterstelle ihm, dass er militärische geheimnisse anderer nationen ohne weiteres veröffentlichen würde. aber das ist eine vermutung.

und jetzt veröffentlicht er auch wikileaks emailverkehr? whistleblowing funktioniert nicht, wenn man die interna wie kommunikatio den vom whistleblowing betroffenen stellen preisgibt.

Quinn
12.06.2010 19:47
Lamo

Lamo hat nichts mit Wikileaks zu tun. Beenden Sie dies falsche Propaganda gegen Wikileaks.

joergipoergi
12.06.2010 18:07
!!!Lamo hat nichts mit Wikileaks zu tun!!

Aber offensichtlich funktioniert die Kampagne ganz gut, Wikileaks Glaubwürdigkeit zu untergraben.
Schreiben sie eigentlich bewusst, die Verbindung Lamo-Wikileaks herbei???

solandre
 
13.06.2010 10:26

nein, das will ich nicht. ich bin sehr für kontrolle durch offenlegung. allerdings hatte es für mich tatsächlich den anschein (wie der poster der anderen antwort auf ihren kommentar erklärte), dass lamo zumindest lose mit wikileaks verbunden ist. ich bekam den eindruck als wäre er eine anlaufstelle zur beurteilung der daten im vorfeld einer veröffentlichung. dass er nicht voll integriert ist, habe ich schon vermutet, weil er die entscheidung zum verpfeifen ohne abstimmung mit wikileaks getroffen hat.

ich frage mich allerdings warum sich der informant an lamo wendete. dachte er, lamo sei eine anlaufstelle für wikileaks? das geht aus der berichterstattung ebenfalls nicht hervor.

gogo gandalf
12.06.2010 19:31
nein

die verbindung hat schon derstandard herbei geschrieben. nicht absichtlich herbei geschrieben, aber das ist aus dem ersten artikel nicht eindeutig rauszulesen - da wurden dinge vermischt. der artikel war einfach schlampig formuliert. vielleicht sollte die redaktion zukünftig bedachter formulieren und wir drüberleser werden uns mehr zeit für einen artikel nehmen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.