SPÖ-Parteitag

Faymann attackiert ÖVP

12. Juni 2010, 17:30

Kanzler hätte künftig gerne wieder Finanzminister für die SPÖ - Mit knapp 94 Prozent als SP-Chef bestätigt

Vösendorf  - Werner Faymann darf sich über seine Wiederwahl als SPÖ-Chef freuen. Der SPÖ-Parteitag in Vösendorf hat Faymann als Parteivorsitzenden bestätigt. Der Kanzler erhielt das Vertrauen von 93,8 Prozent der Stimmen. Vor zwei Jahren hatte er kurz vor der Nationalratswahl 98,4 Prozent erzielt.

Wettert gegen Neoliberalismus

In seinem 45-minütigen Grundsatzreferat warnte der Regierungschef ausdauernd vor dem Neoliberalismus und scheute auch Kritik am Koalitionspartner nicht, vor allem was dessen Blockade der Mindestsicherung angeht. Für die SPÖ hätte Faymann gerne den Finanzminister zurück, freilich erst nach der nächsten Wahl.

Faymanns mehr solide denn mitreißende Rede fand trotzdem bei den Delegierten ordentlichen Anklang. Vor allem in jenen Passagen, wo er die SPÖ gegenüber der ÖVP in Position brachte, konnte der Kanzler lange anhaltenden Beifall des Parteivolks gewinnen, speziell als er die Volkspartei wegen der Verknüpfung von Mindestsicherung und Transparenzdatenbank tadelte.

Ins Visier nahm der SPÖ-Chef da vor allem VP-Hauptverhandler Karlheinz Kopf: "Solche Leute brauchen wir nicht, die bei der Armutsbekämpfung eine Krot schlucken müssen." Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka wiederum geriet ins Kanzler-Schussfeld wegen seines Feldzuges gegen die ÖBB: "Wir brauchen keinen Lopatka, um zu wissen, wie die Eisenbahn zu entwickeln ist." Dafür gebe es in der SPÖ mit Verkehrsministerin Doris Bures und Eisenbahn-Gewerkschafter Wilhelm Haberzettl Leute, die sich wirklich auskennen.

Attacken gegen Pröll

Auch Vizekanzler Josef Pröll blieb von Faymann nicht verschont. Dessen Nein zur gemeinsamen Schule sei bald eine "personifizierte Einzelmeinung". Zudem reklamierte der SPÖ-Chef wieder den Posten des Finanzministers für seine Partei - weil man sehe ja, wo man mit ÖVP-Finanzministern hinkomme, wies Faymann auf den Schuldenstand Österreichs hin, der von Pröll sogar in Inseraten der Bevölkerung nahe gebracht werde.

Leitmotiv des Faymann-Referats war freilich der Kampf für Arbeitnehmer-Rechte und gegen den Neoliberalismus: "Es ist die Zeit für Gerechtigkeit gekommen, weit über unsere Parteigrenzen hinaus", gab der SPÖ-Chef das Parteitagsmotto wieder. Dass das nicht einfach wird, versuchte der Kanzler seinen Delegierten mit Blick auf Europa klar zu machen, gebe es doch in der EU zwei Drittel konservative Regierungschefs: "Wir sind mit unserer Werthaltung in der Minderheit."

Ungeachtet dessen müsse man sich mit aller Härte ungerechten gesellschaftspolitischen Entwicklungen entgegenstellen: "Wir müssen gegen den Strom antreten", warb Faymann für das geplante europäische Bürgerbegehren zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer: "Die Neoliberalen haben uns lange genug in die Irre geführt. Wir müssen stärker werden als sie."

Ansonsten betonte Faymann einmal mehr bekannte Positionen, so schloss er etwa die Einführung der Studiengebühren aus, auch wenn diese "Schlaumeier" bereits wieder vorbereiten wollten, warb für den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen sowie für eine Ausweitung der "Neuen Mittelschule". Ausländerfeindlichkeit erteilte der SPÖ-Chef eine deutliche Absage.

FPÖ-Kickl: "sozialistische Plattitüden"

Die Rede von SPÖ-Chef Werner Faymann beim Parteitag in Vösendorf am Samstag ist von den Oppositionsparteien wie zu erwarten zerpflückt worden. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl sah "sozialistische Plattitüden statt sozialem Handeln", für BZÖ-Generalsekretär Christian Ebner hat sich Faymann als der "visionsloseste Bundeskanzler aller Zeiten" herausgestellt. Und Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig goutierte dessen "klassenkämpferische Robin-Hood-Rede" vor den eigenen Parteifreunden nicht, da man sich so auch nicht gegen die ÖVP durchsetzen werde.

Faymanns Rede sei "selbst mit ihren mageren 45 Minuten immer noch zu lang gewesen", höhnte Kickl via Aussendung, so schaffe die SPÖ sicher keine Trendumkehr. Die "verzweifelten Versuche, den roten Wählerschwund zu beenden", würden zudem an die "permanenten Fehlschläge beim Schließen des Bohrlochs im Golf von Mexiko erinnern". Faymann sei ein genauso schlechter Redner wie Sozialpolitiker, meint Kickl.

Für BZÖ-Generalsekretär Ebner hat Faymann einmal mehr bewiesen, "dass es ihm nicht um Österreich und die Menschen, sondern nur um Posten geht". Faymann sei auch der "visionsloseste SPÖ-Vorsitzende der Zweiten Republik". Es sei traurig, dass dieser diesmal keine Visionen vorgebracht habe, in welche Richtung sich Österreich in den kommenden Jahrzehnten entwickeln soll.

Grüne: SPÖ kann sich nicht gegen ÖVP durchsetzen

Glawischnig bemängelte vor allem, dass sich Faymann als Regierungschef gegen die ÖVP nicht durchzusetzen könne. "Dem Koalitionspartner vor den eigenen Parteigängern ins Wadl zu beißen, ist billig. Für die Wiederwahl zum Parteichef wird es ausreichen, für das Durchsetzen wichtiger Maßnahmen wie die ohnehin schwachbrüstige Mindestsicherung oder eine echte Vermögensbesteuerung wohl kaum."

Partei muss 6,5 Mio. Euro Schulden abbauen

Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter hat mit dem Finanzbericht bekanntgegeben, dass die SPÖ in den kommenden vier Jahren rund 6,5 Mio. Euro Schulden abbauen muss. Die Bundespartei werde ihren Gürtel enger schnallen müssen, kündigte er an.

"Es wird ein weiteres Sparprogramm geben", stellte er fest. So sollen im Bereich der Bundespartei beim Personal und bei der Öffentlichkeitsarbeit jeweils eine Mio. Euro eingespart werden. Bis 2014 soll die endgültige Entschuldung erreicht werden, so Matznetter.

Er verwies diesbezüglich auf die schwindenden Mitgliederzahlen und räumte ein: "Leicht ist das alles nicht." Sein Appell deshalb an die Delegierten: "Die Wahrheit ist, die Mittel werden für uns weiter knapp sein und bleiben. Ich bitte deshalb um eure Unterstützung, damit wir in vier Jahren die Entschuldung erreichen." (APA)

Kommentar posten
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Tom93
21
13.6.2010, 18:40
faymanns wahl ist nicht statutenkonform zustandegekommen

der partetag war zum zeitpunkt der wahl zum präsidium nicht mehr beschlussfähig, dh. mehr als die hälfte der ordentlich delegierten hat NICHt an der wahl teilgenommen! faymanns wahl ist ungültig!

also dann ...
01
13.6.2010, 19:10
naja ... seiens doch net so akkurat : demokratie...

ist ja auch bei der s p ö... nur ein schmäh !

es geht nur mehr darum,
- mit ein paar "hörigen und gekauften" medien-haberern ... die stimmungen zu inszenieren
- und die pensions-ansprüche...
des famlien-clans abzusichern.

die welt ist eine bühne - you know.

RIIK
01
13.6.2010, 17:49
es ist ja geradezu beschämend

wenn ein kanzler nur das sagt was die anwesenden hören wollen und sich so an der realität vorbeischummelt, um eine optimale zustimmung zu erhalten. wäre es nicht vielmehr die pflicht einer staatsmannes zu sagen was sache ist? so wird ja -bestenfalls - nur unzufriedenheit gezüchtet. spätestens wenn nach den herbstwahlen mitgeteilt wird, dass bis zum quitschen an der steuerschraube gedreht wird.

Arbeiterführer Kuhaltinger
 
00
13.6.2010, 17:02
Wilhelm Röpke und die SPÖ

Ohne innere Bindung, natürliche Gemeinschaft und
echte Führung waren die zusammenhanglosen Individuen für Röpke zu einer „geistig-moralischen
Zwergenwuchsrasse“ verdammt. So appelliere die moderne
Massendemokratie an die gemeinsten Instinkte wie den Neid oder den Wunsch, auf anderer
Leute Kosten zu leben; das Instrument dieses Egalitarismus sei der Wohlfahrtsstaat. Wie
leidenschaftlich Röpkes Kritik ausfiel belegen die berühmten Zitate, die staatliche Massenfürsorge
sei nicht anderes als die „Prothese einer durch Proletarismus verkrüppelten Massengesellschaft“
und in der „Wohlfahrtszwangsanstalt“ werde der Mensch zu einem „gehorsamen
Haustier“ mit „komfortabler Stallfütterung“. Am Ende laufe es auf einen „Taschengeldstaat“
hinaus

Ashdod
01
13.6.2010, 16:49
faymann als

kleiner bellender wauwau, der sofort kuscht und den wedelnden schwanz einzieht, wenn onkel pepi oder onkel hans die hand, das wort erhebt.

Tom93
11
13.6.2010, 15:41
demokratieabbau in der spö

auch ein zeichen des schleichenden demokratieabbaus in der spö ist, dass die genauen ergebnisse für die vorstands- und präsidiumswahlen nicht bekannt gegeben wurden. aber unsere "kritischen journalisten" greifen das überhaupt nicht auf.

zittersepp
02
13.6.2010, 15:13
Das war schon bei den letztjährigen Sommergesprächen zu sehen


einer wie Faymann der sich vor ein paar Enten, ein bisschen Glockengeläute, Wind, Wolken bei einem Gespräch im Freien fürchtet ist der Falsche am Ruder um das Schiff Ö durch schwere und unsichere Zeiten zu führen.

lowlva
05
13.6.2010, 13:46
selbstgerecht statt gerecht

leere phrasen, am ende legt man sich ja doch wieder mit den Großkonzernen und den Banken in ein Bett.
auch die Verteidigung von Bures ist lächerlich. Immerhin hat sie keine Ahnung von Verkehrspolitik und zerstört durch ihren Tunnelwahn die ÖBB.

The Dark
15
13.6.2010, 13:43
Bei der Mindestsicherung

setzt die SPÖ zumindest definitiv aufs falsche Pferd. Kenne zumindest keine einzige "Billa-Verkäuferin" die sich darüber "freut" dass sie für 30 Stunden Teilzeit ein wenig über 1000 Euro netto bekommt während andere für 0 Stunden knapp 900 Euro bekommen sollen.

Waldemar Reich
01
13.6.2010, 16:27
744 EURO, u jederzeit auf bis zur Hälfte gekürzt,

wenn mangelnde Arbeitsfähigkeit attestiert wird.
Abgesehen davon: WIe waer´s mal mit einer Lohnerhöhung, die den Namen auch verdient???

RIIK
00
13.6.2010, 17:53
genau

wer nicht arbeitet, soll wenigstens ordentlich verdienen. und die, die arbeiten sind selbst schuld. sie könntens ja auch anders haben.
diese einstellung ist nur ein hinweis, das die partein
jene fördern die nicht arbeiten. jene, die arbeiten, können die ganze last tragen. dann gibt es auch noch allen ernstes politiker, die sich wundern, warum sie von den arbeitern nicht gewählt werden.

Hans Vogel
07
13.6.2010, 13:34
Faymann= Feigling

Vor 700 Delgierten gegen die ÖVP und die Banker zu wettern ist keine Heldentat.
Wenn er mutig wäre hätte er gesagt, wir müssen der Bevölkerung unseren Sparwillen zeigen und den Nationalrat auf 91 Abgeordnete verkleinern, den Bundesrat abschaffen und die Landtage jeweils um 10 Abgeordnete verkleinern.
Das wäre eine Heldentat und würde bei der Bevölkerung ankommen. Es ist nur eine Frage ob er dann noch einmal gewählt worden wäre. Alle die bei dem Parteitag anwesend sind, sind im Prinzip nur Schmarotzer auf Kosten den österreichischen Bevölkerung und um nichts besser als die Banker und die ÖVP Abgeordneten. Es geht allen nicht um Österreich, sondern nur um eigene Pfründe.

also dann ...
12
13.6.2010, 13:58
völlig d`accord ! der letzte politiker mit MUT & VERSTAND...

war k r e i s k y !

alles was danach kam
- vranz ... sah man sein un-wohl-sein bei laufenden kameras 1o km gegen den wind an, wenn er einem
vöst-hackler ... die hand g ab-
- klima...erinnert nur sein zähnefletschendes lächeln
- und gusi - der alle chancen hatte - hat sich mit seiner überbordernden arroganz...selbst ins out manövriert.

und faymann ...
hat die spö (mit rudas, bures) erfolgeich in eine "intellektuelle wüste" ... reformiert,
gratuliere !

badblackguy.blogspot.com
 
20
13.6.2010, 21:18
Ach, träumen sie doch weiter!

mfg

Tom93
04
13.6.2010, 13:33
von gerechtigkeit reden ist leicht...

...aber was tut die spö, um das land gerechter zu machen? um die einkommen gerechter zu verteilen? um die zahl der armutsgefährdeten zu senken? um die vermögenden stärker zu besteuern, um wenigstens an den oecd-schnitt bei der vermögensbesteuerung heranzukommen?

antwort: nichts. null. die spö tut genau NICHTS um das land gerechter zu machen. die glauben allen ernstes, die leute lassen sich von hohlen wischi-waschi-phrasen abspeisen, während man in wahrheit wieder nur vor der övp und den banken im staub kriechen wird.

badblackguy.blogspot.com
 
10
13.6.2010, 21:17
Die SPÖ hätte es ja tun können nur getan hat sie es nicht!

Die SPÖ hätte den Grundstein, ja schon ab 1970 legen
können nur was hat sie getan, geschlafen!

Die Steuergesetze haben keine Verfassungsrang und
geändert wurden sie von der SPÖ nicht. Die Gesetze
sind bis auf kleine Änderungen, seit dem es die Republik
gibt unverändert.

mfg

Cornwell
05
13.6.2010, 13:43
Die SPÖ und ÖVP

sind zwei geistig bankrotte Parteien, die uns in den Abgrund steuern. Ihr einziges Ziel ist auf dem Weg dorthin noch möglichst viel für ihre Spießgesellen herauszuholen. Und weil einer alleine nicht mehr die politische Macht dazu hat, hat man sich arrangiert und auf ein Packl gehaut: die große Koalition - die einzige Regierungsform, die "Stabilität und Sicherheit" garantiert.

verteilerkreis
20
13.6.2010, 13:09
bei so viel öffentlicher

Aufgeregtheit zum Parteitag muss man eigentlich der PR-Abteilung der SPÖ neidlos gratulieren.

also dann ...
02
13.6.2010, 13:21
naja ... wenn sie die sachlich-fundierte kritik ... als erfolg bewerten,

dürften sie mit einem rosaroten blick der löwel-strassler... ausgestattet sein.

Tom93
05
13.6.2010, 12:51
faymann will schon 2013 den finanzminister!

ist ja toll! schon in DREI JAHREN also!

faymann redet halt lieber von der fernen zukunft als von der elenden gegenwart. wieso stellt die spö eigentlich nicht schon JETZT den finanzminister? weil da jemand peinlich schlecht verhandelt hat? weil da jemand der övp in allem nachgegeben hat, um kanzler zu werden? wer was das doch gleich???

also dann ...
00
13.6.2010, 14:00
smile ... e r - ist eben ein langristiger denker . . .

skinny Pete
04
13.6.2010, 12:43
hätte mir nie gedacht

das eine spö unter gusenbauer weit wählbarer war als eine unter faymann, die sprüche die da geklopft werden kommen vermutlich nur bei den untersten 10000 an.

verleih nix
01
13.6.2010, 13:03
wieso? das war doch vom ersten tag an klar!

Freddy alien merkury
00
13.6.2010, 12:32
Es wird auch schon Zeit, sonst kommen noch mehr Schwammerln raus.

gutepolly
12
13.6.2010, 12:28
Attacken, die ins Leere abtriefen!

Jegliche Kommentare erübrigen sich, Attacken, die beim Koalitionspartner ins Leere laufen und das ist auch gut so! Blickt man nach Deutschland, vergiften diese das Koalitionsklima und das brauchen wir für wahr nicht! Conclusio: Gratuliere zur 11. verlorenen Wahl, Herr Bundeskanzler!

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