Sexismusfreier Samba

12. Juni 2010, 10:47
24 Postings

Der Verein "Abrasa“ möchte die brasilianische Kultur umfassend vermitteln und dabei gängige Klischees in Frage stellen

Was assoziiert man mit Samba und Karneval? - "Die meisten Menschen denken bei Samba nur an knapp bekleidete Frauen, die mit den Hüften wackeln", bedauert Queila Rosa, Präsidentin des 2004 in Wien gegründeten brasilianischen Kulturvereins Abrasa. Dabei hat das Tanzen in der brasilianischen Kultur weitaus mehr Facetten: Es ist eingebettet in der Religion und der Tradition des Landes. Ursprünglich stammt Samba aus der Befreiungsbewegung afrikanischer Sklaven, die bis Ende des 19. Jahrhunderts nach Brasilien verschleppt wurden. "Bildung und Erziehung spielen in der Vermittlung des Tanzes eine entscheidende Rolle. Aber in vielen Samba-Schulen außerhalb Brasiliens ist das Wissen um die Tradition verlorengegangen, und der Zugang zum Tanz ist ein rein kommerzieller", erklärt Queila.

Was kann die brasilianische Frau außer tanzen?

Die stereotypischen Vorstellungen von Brasilianerinnen wirken sich konkret auf die beruflichen Chancen jener Frauen aus, die ihr Herkunftsland verlassen, meint Debora Fistarol Lyson, Projektmanagerin bei Abrasa: Viele Brasilianerinnen landen erstmal in Tanzschulen, wenn sie nach Europa ziehen. "In Europa gibt es viele Samba-Schulen, die aus unserer Sicht unprofessionell arbeiten und den Frauen schlechte Arbeitsbedingungen anbieten", erklärt Fistarol Lyson. Dort ließe sich nunmal auch ohne Kenntnisse der Landessprache schnell und leicht Geld verdienen, aber viele Frauen würden dann in solchen Jobs hängenbleiben und andere Qualifikationen vernachlässigen. "Als eine im Ausland lebende Brasilianerin hat man ohnehin manchmal das Gefühl, auf das Klischee einer Samba-Tänzerin reduziert zu werden", erzählt die diplomierte Agraringenieurin. "Auch der Blick der Medien auf den Karneval in Rio de Janeiro ist tendenziell sexistisch."

Kulturvermittlung durch Tanz

Bei den Aktivitäten von Abrasa nimmt der Tanz eine zentrale Rolle ein, allerdings wird dabei Wert darauf gelegt, auch integrativ zu wirken: "Wir organisieren Workshops und Austauschtreffen für lateinamerikanische Frauen, wo wir aufzeigen, dass sie nicht ausschließlich in Samba-Schulen arbeiten können, sondern dass ihnen in Europa auch andere berufliche Wege offenstehen", erzählt Fistarol Lyson. Ein weiteres Anliegen ist es, den Beitrag der afrobrasilianischen Bevölkerung an der Kultur sowie ihren Befreiungskampf zu würdigen.

Im Dialog mit Österreich möchte Abrasa daher ein authentisches Bild von der brasilianischen Kultur vermitteln und jenseits von kommerziellen Zielvorgaben eine fundierte Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe Brasiliens ermöglichen, so die Vereinsgründerinnen Dazu bietet der Verein Kurse, Workshops und Seminare an, in Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen aus Wirtschaft, Tourismus und Kultur. Für nächstes Jahr ist ein Karneval in Wien geplant.

 

Webtipp: 

Verein Abrasa

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Für nächstes Jahr ist ein Karneval in Wien geplant.

Share if you care.