Die Zeit vergeht viel zu schnell

11. Juni 2010, 19:44
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Woher das falsche „t“ gekommen ist? Genau lässt sich das nicht sagen

Widmen wir uns historischen Wahrheiten, das Zeitungsgeschäft ist ja ein derart schnelles, dass diese mitunter zu kurz kommen.

Eine solche Wahrheit lautet in spezifisch österreichischer Ausprägung: einmal Präsident, immer Präsident. Diese Ehre wurde Siegfried Schrittwieser zuteil, den wir auch jüngst wieder als steiermärkischen Landtagspräsidenten apostrophierten. Das war er mehrere Jahre lang, seit einigen Monaten aber ist er Landesrat und stellvertretender Landeshauptmann.

Die Schnelllebigkeit zeigte sich auch in den Gesellschaftsnachrichten: „Paul McCartney (67) erhielt aus den Händen von US-Präsident Barack Obama (67) den Gershwinpreis für sein Lebenswerk.“ Man hat Obama irgendwie jünger vor Augen, er wurde auch erst am 4. August 1961 geboren. Politisch mag einer ja schnell altern, dennoch hat der Tag auch für Präsidenten nur 24 Stunden.

Ein interessanter Hinweis zur Lebensgeschichte von Josef Messner, den von den Nazis zum Tod verurteilten ehemaligen Chef der Semperit-Werke, dem wir die Titelgeschichte im vergangenen Album widmeten: Wir schrieben, „1939 wurde Brasilien für ihn zum Zufluchtsort, aus Furcht setzten sich seine Frau und er per Zeppelin dorthin ab.“ Der ehemalige Direktor des Zeppelinmuseums Friedrichshafen macht uns in einer E-Mail, in der er den Artikel hoch lobt, darauf aufmerksam, dass die Zeppelin-Luftfahrt 1937 mit der Explosion der Hindenburg in Lakehurst auch auf der Südamerika-Linie ein Ende fand.

Gehen wir noch ein Stück weiter zurück. In einem Interview ließen wir den israelischen Politologen Shlomo Avneri über Theodor Herzl sagen: „Man sieht ganz klar, dass die Wahl von Lueger und der Aufstieg der Altdeutschen in Wien in den 1890er-Jahren für Herzl ein Wendepunkt waren.“ Ein Buchstabe macht den Gedanken zunichte: Gemeint sind nicht alte Germanen, sondern die Alldeutschen des Antisemiten Georg von Schönerer.

Woher das falsche „t“ gekommen ist? Genau lässt sich das nicht sagen, es lässt sich jedoch feststellen, wo es gefehlt hat: In der Nachberichterstattung zur Burgenlandwahl, dort war vom Landwirtschafsminister Nikolaus Berlakovich die Rede. Die Ansprache weist zwar schon ins Agrarische, ein peinlicher Fehler ist es dennoch.

Eine geradezu völkerverbindende Wortschöpfung glückte uns in einer Grafik: Aus dem tschechi_schen Brno und dem deutschen Brünn schufen wir eine Stadt namens Bruno. Bei Bratislava/Pressburg müsste uns so etwas gelingen.(Otto Ranftl, Leserbeauftragter, DER STANDARD, Printausgabe, 12.6.2010)

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