Die "chancenlose Immigration"

11. Juni 2010 19:10

Die Niederländer haben also kein wirkliches Mittel gegen den anti-islamisch befeuerten Rechtspopulismus gefunden

Der Wahlausgang in den Niederlanden ist auch für Österreich interessant, weil auch dort ein rabiater anti-islamischer Rechtspopulist starken Zulauf erhalten hat. Da für die Wahlen in Wien im Herbst eine ähnliche Entwicklung erwartet wird, stellt sich erneut die Frage, wie man mit dem Rechtspopulismus und dem "Ausländerthema" an sich umgehen soll.

Zunächst einmal muss man das holländische Ergebnis in seinen richtigen Dimensionen sehen: Die eigentliche Sensation ist, dass die wirtschaftsliberale VVD (Volkspartei für Freiheit und Demokratie) mit einem massiven Sozialstaats-Kürzungsprogramm im Angebot (knapp) mit 31 Sitzen oder 20,6 Prozent stärkste Partei wurde. Bei uns undenkbar .

Die anti-islamische PVV (Partei für Sicherheit und Freiheit) des Geert Wilders hat sich allerdings von 9 auf 24 Sitze (16 Prozent) und damit auf den dritten Platz katapultiert (nach den Sozialdemokraten). Die Strache-FPÖ hatte bei den Nationalratswahlen 2008 17,5 Prozent (das BZÖ, das man zum Spektrum "Rechtspopulismus" dazuzählen muss, 10,7 Prozent). Für die Wiener Wahlen liegt die Strache-FPÖ in den Umfragen bei etwas mehr als 20 Prozent. Erinnert man sich, dass die Haider-FPÖ schon bei 27 Prozent lag (NR-Wahlen 1999), so ist das rechtspopulistische Wählerpotenzial in Österreich wohl strukturell höher als in den Niederlanden.

Beide Länder haben einen hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, wobei in den Niederlanden das Erbe der Kolonialzeit (heutiges Indonesien) weitgehend integriert sein dürfte. Focus der Anti-Islam-Debatte sind die rund 700.000 Türken und Marokkaner, letztere wegen hoher Jugendkriminalität und mangelnder Integration noch stärker.

Die Niederländer haben also kein wirkliches Mittel gegen den anti-islamisch befeuerten Rechtspopulismus gefunden. Es gibt in den Großstädten durchaus einfallsreiche Nachbarschafts-Projekte, mit denen das Zusammenleben reibungsloser funktionieren soll und auch funktioniert - wie in Wien.

Was jedoch noch auf eine Strategie wartet, sowohl in Wien wie in Amsterdam oder Rotterdam, ist die Grundsituation. Beide Länder haben eine kulturell stark unterschiedliche Bevölkerung importiert, die - und das ist das eigentliche Problem - bildungsmäßig und sozial einen gewaltigen Rückstand hat. Die Niederlande und Österreich haben (wie andere Westeuropäer) eine ganze Unterschicht importiert - die noch nach zwei Generationen Unterschicht bleibt.

Die brutale Wahrheit ist aber, dass eine strukturelle Unterschicht im Europa der Globalisierung nicht gebraucht wird. Nur (Bildungs-)Aufsteiger können unseren Wohlstand sichern. Die erschreckendste Meldung der letzten Tage war: In Österreich gibt es 10.000 Schulabbrecher jährlich (davon 30 Prozent mit Migrationshintergrund). Das sind 10.000 junge Leute ohne Zukunft.

Der niederländische Wahlsieger Mark Rutte nennt das die "chancenlose Immigration" , wobei sich die Chancenlosigkeit auch bei den Kindern vieler Immigranten fortsetzt. Das ist das Problem, dem sich unsere Politik mit aller Intensität und entsprechend Geld widmen muss. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 12.6.2010)

Kommentar posten
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kapitän nemo
Thomas Herzig
14.06.2010 15:59
es ist bestimmt kein mittel gegen den rechtspopulismus über jene herzuziehen, die ihm zulaufen, sondern man müsste deren probleme ernst nehmen. man muss einmal ganz offen sagen ,dass es bei der integration von zuwanderern probleme gibt.

in zeiten hoher arbeitslosigkeit macht es wenig sinn, noch mehr arbeitskräfte ins land zu holen.
diese leute werden einfach nicht gebraucht, dominieren aber dennoch zunehmend immer mehr stadtviertel.
das befriedigt lediglich die bedürfnisse einiger weniger wirtschaftstreibender die billigere arbeitskräfte , lehrlingsausbildungskosten sparen, und mehr konsumenten wollen.
gesamtvolkswirtschaftlich ist aber damit nichts gewonnen, auch nicht in holland dem ohnehin dichtest besiedelten land europas.
hass auf zuwanderer kann nicht sicher die richtige antwort sein, denn diese menschen erhoffen sich bloß mehr wohlstand bei uns.
aber es ist wichtig in hinkunft die zuwandergung quantitativ stark zu reduzieren, und qualititativ besser zu selektieren

Ein Troll
13.06.2010 20:26
Diese Unterschicht

unterwirft sich einfach nicht so der Gut-/Schlecht Sichtweise des Liberalismus und seiner Büttel.

Rauscher hat ja noch immer ein schweres Haidertrauma, weil der ihn und andere nach Strich und Faden vurgeführt hat.

Heute wäre es Rauscher wohl lieber, wenn Haider schneller Recht gegeben worden wäre und Vranitzky nicht so lange dieses Hereinströmen von Menschen zulassen hätte dürfen.

Aber wie immer - wer zu spät kommt (und nicht über seinen Schatten springen kann), den strafen die Teufelchen...

kapitän nemo
Thomas Herzig
13.06.2010 16:08
censorship sucks!

und wieder mal lässt die zensur nichts durch.
selbst ausgewogene keinesfalls diffamierende kommentare werden abgeblockt.
als nächstes schreieben die redakteure die postings selbst, so wie bei der krone die veröffentlichten lesebriefe lange zeit vom herrn dichand selbst verfasst wurden

zwergleviathan
14.06.2010 14:31
im übrigen bin ich der Meinung,

daß Cato gestört werden muss

[sic!]ut.at
 
13.06.2010 15:51
DER Probleme also 3 ...

1) Grauslicher Begriff "Unterschicht" = Bildungs & Sozialproblem; HC wird von "ungebildeten" (Männern) gewählt, Nationalität ziemlich egal.
2) Religionsproblem: Machen wir uns nichts vor, könnten die Katholen wie sie wollten, hätten wir einen fundamentalistischen Ständestaat; Rechtskatholen und (manche) Muslim nehmen ihre Religion eben noch ernst.
3) Wie Humanität & Aufklärung verteidigen ohne grauslich zu werden? Gute Frage, Intoleranz vs Toleranz geht leider nicht gut.

W123
13.06.2010 15:32
Bringschuld

In der Debatte geht es immer nur darum, was die Einwanderungsstaaten Europas für die Migranten tun können. Dabei wird suggeriert, daß diese Staaten selbst für die Defizite der Einwanderer schuld seinen, was so nicht stimmt.
Die Migranten sind freiwillig in ein fremdes Land gekommen, sie haben daher von sich aus die Landesprache zu lernen und sich zu intgrieren, in dem sie die Gesetze und gesellschaftlichen Normen respektieren. Wenn in ihnen das Gastgeberland durch Sprachkurse, etc erleichtert ist das der gute Wille des Gastgeberlandes, mehr nicht.
Einwanderer haben also eine Bringschuld, Einwanderunsländer aber keine Holschuld. Wenn ein Migrant mit den hiesigen Umständen nicht auf Dauer nicht klarkommt, soll er wieder nachhause gehen...

FMGD
14.06.2010 08:36

Eher kurzsichtige Betrachtungsweise
In den 60er/70er jahren haben wir gastarbeiter geholt.
Diese durften bei uns arbeiten und sonst nix.
Es hat keinen interessiert was die zuhause/freizeit machen. Waren ja nur Tschuschn.
Erst in den 90ern ist man draufgekommen, dass es diese Personen überhaupt gibt und dass sie sich hier ein Leben aufgebaut haben.
Die erste Generation und tw. auch noch die 2te wurde ignoriert bzw. ausgegrenzt und disskriminiert.
Da liegt unsere Schuld.
Jetzt bedarf es größerer Anstrengungen beiderseits diese Fehler gut zu machen.

W123
14.06.2010 17:16
Na geh...

Eine eher einseitige Betrachtungsweise ;-) mit grünem Argumentationsmuster.
Natürlich haben wir sie geholt, und das nicht aus caritativen Gedanken herraus. Aber die Gastarbeiter sind freiwillig gekommen und haben sich entschlosssen zu bleiben, was nicht der Fall gewesn wäre, wenns in Österreich ach sooo schrecklich für sie gewesen wäre.
Von wegen Diskriminierung, das Gegenteil ist oft der Fall. Überall wird versucht es den Zuwanderern ja Recht zu machen.Natürlich gibt es bedauerliche Fälle von Ausländerhass, aber die sind in Summe doch überschaubar. Der umgkehrte Fall tritt mindestens genauso oft auf. So sind meine Schwester und meine Nicht schon des öfteren von muslimischen Jugendlichen belästigt worden....

miles a head
13.06.2010 18:36
I am sorry

solabge es keine 'cosmopolitanism' gibt (in 200 jahren?), teile ich ihre meinung vorbehaltslos.

mit schaudern denke ich an herrn erdogans versuchen der politischen einflussnahme in zb. deutschland, mit dem hinweis, 'dass es nun doch schon so viele türken in deutschalnd gebe. da könne man schon ein bisschen was für die förderung türkischer kultur tun.'

Potz von Padnerham
13.06.2010 14:54

Rau ist halt wieder einmal frustriert, dass die Multikulti-Gehirnwäsche nicht so funktioniert, wie sie aus der Sicht des Globalistenknechtes funktionieren sollte?

17+4
13.06.2010 21:12
Rau hat eine Problem, nämlich dass das Naturprinzip

(Darwin ist da gemeint) gegen die Globalisierung gerichtet ist, Globalisierung ist die unnatürlichste Sache, das Prinzip der Natur ist die Diversifikation.
Übrigens Marx war kein Gegner Darwins. Darwin war sogar auf dem Begräbnis Marxs.

anders and
 
14.06.2010 14:46
Sie gehören vermutlich zu den Geistesriesen,

die Nationalismus für die natürlichste Sache der Welt halten.

17+4
15.06.2010 19:41
im Vergleich zu ihnen bin ich einer

Geistesriese natürlich!

Was sie sind, na ja, ein kleingeistiger Linker!

anders and
 
15.06.2010 22:24
ich habe noch keinen getroffen,

der sich nicht für grundvernünftig gehalten hat.

Immerhin sind Sie intelligent genug nicht auf meine Frage zu antworten und sich so eine Diskussion zu ersparen, bei der sie kläglich scheitern würden.

Ich ein Linker? Kommt auf Ihren Standpunkt an...

17+4
17.06.2010 10:08
da gehören sie auch dazu,

das ist noch kein Beweis für oder gegen.

Links angesiedelt ist der Internationalismus, zum unterschied von Nationalismus, beides sind auch und besonders sozialistisch besetzte polititsche Strömungen, ist inzwischen durch die Globalisierungswelle der sogenannten freien Wirtschaft nicht mehr eindeutig.
Grundsätzlich bleibt aber der Anspruch, dass die natürliche Entwicklung zu Nationalitäten führt. Jetzt wäre natürlich von Interesse, was eine Nation ausmacht?

- rau -
14.06.2010 11:05
Ja, und Sigmund Freud war amal zum Kaffee...

...bei beiden !

tante kommunismus
13.06.2010 17:04
eindeutiger jargon

Michel Berger
13.06.2010 15:49
Seien Sie doch nicht so streng mit ihm, er schreibt ja nur was ihm seine Freimaurerloge einflüstert.

- rau -
14.06.2010 11:05
Tut Paranoia eigentlich weh ?

helge schneider
13.06.2010 14:30
"Die Niederländer haben also kein wirkliches Mittel gegen den anti-islamisch befeuerten Rechtspopulismus gefunden."


dieser satz ist klassisch für unsere journalisten die uns erkläören wollen wie man die welt zu sehen hat,wenige sätze später erläutert er die problematik, aus der hr. wilders entstanden ist.

ein mittel gegen den islam suchen die niederländer, und mit wilders glauben sie es gefunden zu haben.

keiner sucht ein mittel gegen wilders. das ist nur die typische österreichische paranoia.

Franz Mustermann
13.06.2010 12:57
Endlich mal 2 wahre Sätze in einem HR Artikel

Die Niederlande und Österreich haben (wie andere Westeuropäer) eine ganze Unterschicht importiert - die noch nach zwei Generationen Unterschicht bleibt.

Die brutale Wahrheit ist aber, dass eine strukturelle Unterschicht im Europa der Globalisierung nicht gebraucht wird.

Gratulation - vielleicht decken sich unsere Ansichten ja in 10 Jahren..

Vito
 
13.06.2010 12:43
"unterschicht" wird nicht importiert.

sie wird strukturell in und von unserer gesellschaft produziert. gegensteuern könnte der "sozialstaat", bei dessen mittelbeschränkung gerade rau glänzende augen bekommt.

Quintus Beckloeffel
13.06.2010 17:58

Sie meinen also, es werde eine Oberschicht importiert, die dann vom Staat in eine Unterschicht verwandelt wird? Es werden also hochgebildete Wissenschaftler, Ärzte und Techniker importiert und dann mit einem speziellen staatlichen Gehirnwäscheprogramm dazu gebracht, ihre nützlichen Kenntnisse zu vergessen um fortan als Unterschicht dahinzuvegetieren?

Vito
 
13.06.2010 19:13
genau so ist es, quintus!

sie sind ein ganz kluger.

The Dark
13.06.2010 14:17

gerade der sozialstaat zieht diese unterschicht magisch an. Warum geht man nach österreich und nicht nach polen oder GB? Warum geht man zB nicht nach Österreich? Zum Teil wegen der hohen Steuern und Abgabenquote.

Wenn mir meine polnische Putzfrau sagt, der Hauptgrund warum sie nach Österreich gekommen ist sei das Kindergeld gewesen sagt das eigentlich auch viel aus.

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