Bankengipfel

Wenn Ungarn Griechenland reinen Wein einschenkt

11. Juni 2010 19:08

Europas gebeutelte Krisenländer standen im Fokus des Bankengipfels in der Hofburg

Europas gebeutelte Krisenländer standen im Fokus des Bankengipfels in der Hofburg. Ungarns Premier Orbán will plötzlich nichts mehr von griechischen Zuständen wissen. Spanien kam auch vor, nicht nur in Form von Lippizanern.

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Direkt begegnet sind sich Viktor Orbán und Giorgos Papandreou beim Weltbankenkongress in der Hofburg nicht. So teilte der ungarische Premier seinem griechischen Amtskollegen via Medien mit, inwieweit Athener Verhältnisse in Budapest herrschen: "Manche Wörter verwenden wir nicht, eines davon ist Griechenland", witzelte Orbán noch im Stiegenhaus.

Bei seiner Lunch-Ansprache vor internationalen Bankern wartete der Chef der nationalkonservativen Fidesz-Partei mit einer weiteren Abgrenzung auf: "Wenn es einen Job auf der Welt gibt, den ich nicht anstreben würde, ist es der eines Beraters der griechischen Regierung." Auch wenn er noch so sehr versuchte, sich als Reformer zu präsentieren, verfolgte ihn doch sein eigener Schatten. Vor einer Woche hatten hohe Parteigänger gemeint, Ungarn habe nur geringe Chancen, einer Krise wie im hochverschuldeten Griechenland zu entgehen.

In Sachen Staatsfinanzen spielte Orbán erneut mit dem Feuer, geißelte budgetäre "Tricks der Vorgängerregierung" , stellte aber gleichzeitig klar, dass die angepeilte Senkung des Defizits auf 3,8 Prozent durchgezogen werde. Garniert wurden die Aussagen mit einem Streifzug durch die Gedankenwelt des frisch angelobten Politikers: Bevölkerungswachstum ohne Immigration, die Familie als Kern der Wirtschaft und mehr Freiheit durch Steuersenkung, lautete die Botschaft.

Rodrigo Rato kam nicht

Dass auch eine gesalzene Bankenabgabe im Wirtschaftsprogramm der Regierung steht, kam bei den Vertretern des Geldadels gar nicht gut an, wenngleich die Kritik eher verhalten vorgetragen wurde. Erste-Bank-Chef Andreas Treichl erklärte bei seiner Begrüßung Orbáns in Anspielung auf die geplante Steuer, mit der Budapest allein heuer 700 Millionen Euro in die Staatskasse spülen will: "Wir stimmen nicht mit allen Maßnahmen der Regierung überein." Orbán räumte ein, momentan "nicht die beliebteste Person der Banker" zu sein. Treichl geht freilich davon aus, dass noch viel Wasser die Donau hinabfließen wird, bis die Abgabe in trockenen Tüchern sein wird.

Wenn von den Haushaltsproblemen Griechenlands und Ungarns die Rede ist, darf Spanien nicht fehlen, auch wenn Rodrigo Rato in der Hofburg schwer vermisst wurde: Der Chef der Caja Madrid war als Referent vorgesehen, hatte aber Wichtigeres zu tun: Die Sparkasse beantragte in Spanien laut Reuters 4,5 Milliarden Staatshilfe und will damit den von der Immobilienkrise hart getroffenen Sektor konsolidieren. In Abwesenheit des Sparkassen-Chefs blieb nur der Chef der Großbank BBVA als Adressat von Fragen zu Finanzproblemen Spaniens. Doch Francisco Gonzales lehnte jeden Kommentar ab und verließ fluchtartig das Podium. Die Top-Frage das Tages, ob das Land demnächst - wie kolportiert - den Euro-Krisenfonds anzapfen werde, wurde aber ohnehin in Madrid beantwortet: mit einem klaren Nein.

Während angeschlagene Banken weiterhin die Hand aufhalten und Staatsgelder sowie Zentralbank-Hilfen beanspruchen, drohen sie in Sachen Regulierung mit der Faust. Offenbar erfolgreich: Höhere Kapitalpolster, die ein von Notenbankern und Aufsehern erarbeitetes Regelwerk vorsieht, scheinen ausgehöhlt und/oder verzögert zu werden. Das bestätigte in der Hofburg der Vorsitzende des für die Fragen zuständigen Basel-Ausschusses, Nout Wellink, der inhaltliche Kompromissbereitschaft und ausreichende Anpassungszeiten für die Banken in den Vordergrund stellte.

Der Chef der EZB, Jean-Claude Trichet, war zu diesem Zeitpunkt schon wieder weg. Er hatte zuvor in der Stallburg einen Vortrag gehalten. Besonders interessiert hatten sich die Lippizaner gezeigt, von denen mit Fortdauer der Ansprache immer mehr neugierig zum Rednerpult lugten. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.6.2010)

DDr.Klugscheisser
12.06.2010 15:49
Klar stört es die Banker...

wenn sie jetzt mitten während der geilsten Party die Rechnung serviert bekommen.

Diese Leute schauen doch aus den Glaspalästen auf die Welt unter ihnen und denken dabei: "alles meins!"

Und für die Politiker ist es schon blöd festzustellen, dass sie denen intellektuell leider eben überhaupt nicht das Wasser reichen können und jeden Tag von Raiffeisen & Co. verarscht werden.

Trotzdem, auch wenn die Banker um ihren neuen Porsche quengeln wie ein Vierjähriger: das System braucht klare Regeln.
Jedes Schlupfloch werden die Kerle zu unser aller Nachteil gnadenlos ausnutzen.
Die sind ja nicht da gelandet weil sie nett sind. Sondern eben aggressive Egomanen.

tante kommunismus
12.06.2010 15:34
"Die Sparkasse beantragte in Spanien laut Reuters 4,5 Milliarden Staatshilfe und will damit den von der Immobilienkrise hart getroffenen Sektor konsolidieren."

und die löhne der gemeinen arbeiter und angestellten werden gesenkt und sozialausgaben gestrichen - 15 mrd sparpaket fürs gemeine volk, damit man das geld dann den banken zuschieben kann.

"Während angeschlagene Banken weiterhin die Hand aufhalten und Staatsgelder sowie Zentralbank-Hilfen beanspruchen"

also alles wie immer. die reichen werden reicher, die armen ärmer. real existierender kapitalismus.

Appropos
15.06.2010 20:15
Von wegen "Kapitalismus"

Wenn es "Staatshilfen" abzuholen gibt, haben wir gerade KEINEN Kapitalismus sondern in Wahrheit Kommunismus (= staatliche Einmischung).

Zentralbanken die "helfen" sind genauso Kommunismus. In einem wahren Kapitalismus gaebe es Wettbewerb um die beste Waehrung nicht staatlich verordnetes Zwangsgeld.

Der einzige Unterschied: beim wahren Kommunismus werden alle arm, bei unserer herrschenden Kommunismus-Form einige sehr reich, wenn sie kraeftig Staatshilfen geiern.

tante kommunismus
12.06.2010 15:28
"Vor einer Woche hatten hohe Parteigänger gemeint, Ungarn habe nur geringe Chancen, einer Krise wie im hochverschuldeten Griechenland zu entgehen."

das hat der gesagt, um ein asoziales sparpaket durchpeitschen zu können - ähnlich wie bei uns: "nicht nur 'die griechen', sondern WIR ALLE (aha) haben über 'unsere' verhältnisse gelebt" - , aber dumm gelaufen, wa?

László
12.06.2010 13:20
Hungarophobie (Ungarn Hass) auf Standard und in die Komments

Furchtbar wie fiel Hass gegen Ungarn in Österreichischen Medien vorhanden ist selbst wen es nur um eine Partei oder Politiker geht.
Einseitige Information ist meiner Meinung nach eine traurige Krankheit die man aber heilen kann ;) den hier wird nicht erwähnt das es in Ungarn biss jetzt keinen Banken steuer gegeben hat, und wer in Budapest schon mall war hat sicher unschwer seine eigene Österreichische Bank gefunden um Geld abzuheben ;) Hier muss man nicht besonders intelligent sein um heraus zu finden das es sich um Spekulanten geht die das Geld aussehr lande bringen.
Dass zu versteuern ist gar nicht so unüblich aus Europäische Sicht.
Und was hier geschrieben wird und was Orban gesagt hat, und im welchen Kontext das ist ganz was anderes :)

László
12.06.2010 13:16
Immer wieder Hungarophobie (Ungarn Hass) in Standard komments und Artikeln

Furchtbar wie fiel Hass gegen Ungarn in Österreichischen Medien vorhanden ist selbst wen es nur um eine Partei oder Politiker geht.
Einseitige Information ist meiner Meinung nach eine traurige Krankheit die man aber heilen kann ;) den hier wird nicht erwähnt das es in Ungarn biss jetzt keinen Banken steuer gegeben hat, und wer in Budapest schon mall war hat sicher unschwer seine eigene Österreichische Bank gefunden um Geld abzuheben ;) Hier muss man nicht besonders intelligent sein um heraus zu finden das es sich um Spekulanten geht die das Geld aussehr lande bringen.
Dass zu versteuern ist gar nicht so unüblich aus Europäische Sicht.
Und was hier geschrieben wird und was Orban gesagt hat, und im welchen Kontext das ist ganz was anderes :)

Interne Notaufnahme
11.06.2010 22:35

Jedes Land hat den Orban, den es verdient, die Ungarn haben somit den größten........

mikkki
 
12.06.2010 12:56
es wäre doch zu schön, wenn der echte orban

der größte wäre.
nicht vergessen, das "gute" liegt meist ganz nah...

cya

Karl Heiden
11.06.2010 22:15
Trichet als Pferdeflüsterer!

Hauptsache, sie waren von ihm beeindruckt ...

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