Islam-Debatte bei Grammelknödeln und Bier

11. Juni 2010, 18:42
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"Inländer sind das keine": Christenpartei-Chef Gehring unterstützt Moscheegegner

Wien - Rudolf Gehring wird von den Gegendemonstranten der Sozialistischen Linkspartei vor dem "Brigittenauer Stadl", in den die Bürgerinitiative Dammstraße Donnerstag zum Info-Abend geladen hatte, mit Buhrufen begrüßt. Der Chef der Christenpartei winkt huldvoll nach links und rechts, schüttelt den Polizisten an den Sperrgittern die Hand.
Drinnen, im drückend heißen Saal des Gasthauses, sitzt Gehring dann als Baurechtsexperte in Sachen Moscheen auf den Podium. Und wird von den rund 90 Besuchern mit lautem Applaus empfangen, als er die Anwesenden mit einem "herzlichen Grüß Gott" begrüßt. Über "Moscheen als Keimzelle der Parallelgesellschaft ...?" und "Moscheenstandorte - urbane Fehlplanung?" soll an dem Abend referiert werden.

Glitzer-Kulisse

Neben Gehring haben auf der Mini-Bühne vor dem silbernen Glitzervorhang noch Gerhard Haslinger, der freiheitliche Bezirksvize von Brigittenau, und der deutsche Publizist Thomas Tartsch platz genommen. Unten wieseln die Kellner mit Riesentabletts, voll beladen mit Schnitzeln, Grammelknödeln und Wurstsalat, zwischen den Tischen herum, bringen Bier und weiße Spritzer nach.

Tartsch, laut Ankündigung wissenschaftlicher Berater des Islam-Beirates der CDU Dortmund, holt weit aus. Er referiert lange über die Entwicklung des Islam, die Sure neun und Ditib, das deutsche Pendant zu Atib, erzählt über Moscheen, die in Deutschland zwischen kleine Häuschen gequetscht werden hätten sollen, und vom Kopftuch als "sakral aufgeladenem Kampfinstrument". Er habe, so Tartsch, noch keine Ditib-Gemeinde getroffen, die integrationsbereit gewesen sei.

Vielleicht geht ja sein norddeutsches Idiom den Zuhörern im 20. Bezirk nicht so recht ins Ohr, vielleicht lenkt aber auch bloß das Schnitzerl ab - jedenfalls tratschen die Leute allmählich immer lauter miteinander.

Gehring weiß, wie er sie wieder kriegt. "Wir sollten unsere Kultur schon noch leben und brauchen kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir beim Heurigen ein Viertel trinken und ein Schweinsschnitzel essen", ruft er ins Publikum und erntet riesigen Applaus. "Im Vereinsregisterauszug finden sich bei Atib nur türkische Namen, kann schon sein, dass das Österreicher sind", zeigt Gehring tätige Nächstenliebe, „aber Inländer sind das sicher keine."

Seit Atib vor drei Jahren Ausbaupläne seines Vereinslokals in der Dammstraße zu einem Veranstaltungszentrum vorgelegt hat, kämpft die Bürgerinitiative "Moschee ade" dagegen, unterstützt von FP und VP. Auch gegen ein Projekt in der Floridsdorfer Rappgasse protestieren die Anrainer.

Im Brigittenauer Stadl wird an dem Abend alles durchdekliniert - von den Imamen, die deutsch predigen sollen, bis zu den Ausländern, die mehr Kinder kriegen als die Österreicher. "Aber was sollen wir machen?", stellt Haslinger die Frage in den Gastraum, "wir können die Leute ja net rausschmeißen - und dann alle aussterben." (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD, Printausgabe, 12./13. Juni 2010)

  • Bunter Islam-Protest-Abend im 20. Bezirk. Eingeladen hat die 
Bürgerinitiative Dammstraße, die seit Jahren gegen ein türkisches 
Veranstaltungszentrum mobil macht
    foto: der standard/regine hendrich

    Bunter Islam-Protest-Abend im 20. Bezirk. Eingeladen hat die Bürgerinitiative Dammstraße, die seit Jahren gegen ein türkisches Veranstaltungszentrum mobil macht

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