Auszeit: Verhandlungssache Weiterbildung

  • Armin Wolf ist prominentes Beispiel für Bildungskarenz
    foto: apa/roland schlager

    Armin Wolf ist prominentes Beispiel für Bildungskarenz

Wer eine berufliche Auszeit nehmen will, um einen Master zu machen, braucht den Arbeitgeber auf seiner Seite - Wie Vorgesetzte einzubinden sind, was zu überlegen ist und welcher Haltung es bedarf

Wenn Armin Wolf, Anchorman des ORF, am 21. Juni pünktlich um 22 Uhr in die österreichischen Wohnzimmer zurückkehrt, wird er um einen Titel, vor allem aber um einiges an Erfahrung reicher sein: Die Auszeit von neun Monaten hat sich Wolf genommen, um sich auf die Fertigstellung seiner Master-Thesis zu konzentrieren, mit der er den Master of Business Administration in Creative Leadership an der Berlin School of Creative Leadership abschließt.

Man muss aber gar nicht Armin Wolf sein und auch nicht über sein Alter oder seine Berufserfahrung verfügen, um eine Bildungskarenz anzutreten. Theoretisch ist es bereits nach einer Beschäftigungszeit von sechs Monaten möglich, sich wieder an die Uni oder an andere Fortbildungseinrichtungen zu verabschieden, das Arbeitsverhältnis ruhen und sein Gehalt liegen zu lassen, aber nach spätestens einem Jahr wieder ins Unternehmen zurückzukehren. Die Voraussetzung dafür liegt aber auf der Hand: Der Arbeitgeber muss dem ganzen Vorhaben zustimmen. Und Zustimmung ist mitunter eine Verhandlungssache. Wenn das Unternehmen der Auszeit an Uni oder Fachhochschule nicht nur zustimmt, sondern auch einen Teil der möglichen Kosten übernimmt - umso besser verhandelt.

Ein Prozess

"Verhandeln ist immer ein Prozess, der mit einer ausgeprägten Erkundungsphase beginnt" , sagt Sonja Rauschütz, die mit ihrem Beratungsunternehmen Vienna Partners Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik fit in Sachen Verhandlungsführung macht. Zunächst werden die eigenen Wünsche und Vorstellungen ausgelotet. Man definiert die Fachrichtung, das ungefähre Thema und die dafür infrage kommenden Universitäten oder Fachhochschulen. Auch über die Ziele, die man mittels der Weiterbildung erreichen will, und über den dafür nötigen Zeitrahmen soll man sich Gedanken machen.

"Dann wird nach Standards gesucht: Wie geht das Unternehmen mit Auszeiten für Bildung um, wer von meinen Kollegen hat diese Erfahrung bereits gemacht, und was sagt er dazu? Sind berufsbegleitende Lösungen eher akzeptiert als eine gänzliche Auszeit? Gibt es eine finanzielle Unterstützung? Und wer entscheidet all das in meinem Fall?" , rät Rauschütz dazu, das Feld gut abzustecken, bevor man mit seinen Wünschen und Zielen allzu schnell und unvorbereitet vorprescht.

In der Wirtschaftskanzlei Wolff Theiss sehen die Standards zum Beispiel so aus: sowohl Auszeiten, um einen Master of Law (LLM) zu machen, als auch berufsbegleitende Doktorratsstudien sind keine Seltenheit. "Eine Auszeit für Bildung ist auf alle Fälle immer möglich, aber unsere Anwälte sollten zumindest bereits zwei Jahre im Unternehmen tätig sein" ; sagt Arnim Wahls, der für das Recruiting der Juristen zuständig ist. "Man setzt sich zusammen und bespricht das beste Modell. Wir sind da flexibel" , sagt Wahls.

Finanzielle Unterstützung

Bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) wird die Auszeit für Master oder Doktorat auch finanziell unterstützt. "Wir fördern die weiterführenden Studien großzügig. Die Entscheidung unserer Berater für Weiterbildung soll nicht mit gravierenden Einbußen im Lebensstandard verbunden sein" , sagt Johannes Schneider, Recruiting Director bei BCG, und sieht dieses Angebot als großen Vorteil, wenn es darum geht, die potenziell besten Berater für BCG zu gewinnen. Es gibt aber Bedingungen: "Der Master oder das Doktorat müssen an einer Top-Uni in Form eines Vollzeitstudiums absolviert werden. Und nach dessen Abschluss sind die Berater verpflichtet, noch zwei Jahre bei BCG zu bleiben." Verhandelt wird hier also eher über den richtigen Zeitpunkt und die Details in der Ausgestaltung der Weiterbildung als über die Möglichkeit an sich.

Rauschütz rät, die Vorgesetzten in der Erkundungsphase einzubeziehen, sie um ihren Rat zu bitten statt zu "überrumpeln" . Langsames und strategisches Vorgehen sei also ebenso gefragt wie eine Form der Bewusstseinserweitung, über die gerade junge Berufstätige oft hinwegsehen: Man müsse die Interessen der anderen Seite verstehen, um ihr ein Angebot machen, ihr entgegenkommen zu können. "Ob der Masterabschluss für die ausübende Tätigkeit förderlich ist oder für einen Unternehmensbereich qualifiziert, der gerade ausgebaut wird, ist dabei wesentlich" , sagt auch Bernhard Wundsam vom Uniport, dem Karriere-Center der Uni Wien. Je besser man das Unternehmen und seine möglichen Engpässe versteht, desto besser lässt sich der eigene Verhandlungsspielraum ausmachen. Ein häufiger Verhandlungsfehler sei es nämlich, sich von vornherein zu sehr einzuschränken, sich keine Alternativen zu überlegen - und viel zu schnell aufzugeben. "Keine Verhandlung ist mit nur einem Gespräch vorbei" ; sagt die Expertin, "nur Schritt für Schritt findet man zueinander." Auch nach einem klaren Nein? "Ja. Dranbleiben." (Martina Bachler, DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.6.2010)

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