Estnischer Geschäftsmann soll hinter Entführung stecken

11. Juni 2010, 16:40
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Arbeitete für den Geheimdienst - Angeblich auch deutsch-russischer Geschäftsmann und Israeli verwickelt

Moskau/Tallinn - Der Sohn des vor zweieinhalb Jahren verstorbenen estnischen Schriftstellers Jaan Kross, der Geschäftsmann Eerik-Niiles Kross, soll der Drahtzieher der spektakulären Entführung des Frachtschiffes "Arcitc Sea" im vergangenen Sommer gewesen sein. Diese Behauptung erhob einer der Angeklagten in dem Entführungsfall laut estnischen Medienberichten am Freitag vor Gericht in Moskau.

Kross bezeichnete den Vorwurf gegenüber der baltischen Nachrichtenagentur BNS als "absurd". Der in Moskau wegen Piraterie angeklagte Dmitri S. sagte indes aus, Kross sei infolge der Wirtschaftskrise in Geldnöte gekommen und habe durch die Entführung des Frachters eine höhere Geldsumme erpressen wollen. Eerik-Niiles Kross hatte laut BNS früher eine führende Position beim estnischen Geheimdienst inne.

Gerüchte über Atomwaffen

Für die Durchführung der Kaperung seien ihm, Dmitri S., 100.000 US-Dollar (82.461 Euro) versprochen worden. Die übrigen Piraten hätten je 10.000 Dollar bekommen sollen, so der Angeklagte in Moskau. S. gab an, dass außerdem ein deutsch-russischer Geschäftsmann und ein in Estland ansässiger Israeli an dem Entführungsplan beteiligt gewesen seien.

Die "Arctic Sea" war Ende Juli vergangenen Jahres vor der schwedischen Küste unter mysteriösen Umständen entführt und Mitte August von einem russischen Kriegsschiff in der Nähe der Kapverdischen Inseln aufgebracht worden. Offiziell hatte der Frachter eine Holzfracht aus Finnland im Wert von 1,3 Mio. Euro an Bord. Um die Irrfahrt der "Arctic Sea" ranken sich bis heute verschiedene Gerüchte. Spekuliert wurde unter anderem über eine mögliche Verwicklung des israelischen Geheimdienstes und um möglicherweise an Bord befindliche Atomwaffen. (APA)

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    Die "Arctic Sea" war im Sommer 2009 lange Zeit verschollen.

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