Wege raus aus dem ewigen Frust

12. Juni 2010, 20:00
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Was Menschen tun, die schneller zu Lösungen kommen, lässt sich beschreiben - Königswege raus aus der eigenen Frustspirale lassen sich auch beschreiten - Verhaltensänderung ist der anstrengende Schlüssel

Total gestresst und frustriert? Das fühlt sich oft so an, als wäre alles unausweichlich der helle Wahnsinn. Alles färbt sich in dieser Farbe, steigert sich, wird verstärkt durch Leidensgenossen und Klagegemeinschaften. Manchmal entwickeln sich richtige Wettstreits: Wer ist frustrierter, wer hat weniger Zeit? Das setzt Abwärtsspiralen in Gang, das macht auch körperlich krank.

Die Vorschläge der Forschung zur Frage des Auswegs haben alle eine Grundbotschaft: Schau auf das Positive. Populärer geworden ist das etwa durch das Konzept der "Positive Psychology" (Martin Seligman), auch durch die Lehren aus der Glücksforschung mit ihrem Hinweis, auf die kleinen Dinge pfleglich zu schauen, statt auf die großen zu warten. Aber auch die Systemiker unter den Beratern stimmen mit "Fokussieren der Zukunft statt bloßer Betrachtung der Vergangenheit" hier ein. C. Otto Scharmer geht noch weiter und empfiehlt eine Art gedankliches Überschreiten der Zeitzone in die erwünschte Zukunft, um den Weg dorthin sichtbar zu machen.

Hinschauen auf die kleinen Unterschiede

Im Grunde sei es simpel, sagt Günther Lueger, einst Personalprofessor in Wien, jetzt Inhaber des Solution Management Center. Erster Weg aus dem Frust ist das Hinschauen auf den positiven Unterschied im Kleinen: "In die Details gehen und sehen, wann es in vergleichbaren Situationen ein Stückchen besser war."

Dann finden sich kleine Ansatzpunkte, die sich für eine positivere Befindlichkeit verwenden lassen. Nach den "großen Hebeln" zu suchen sei dabei falsch. "Das Wichtige für Veränderungen ist klein." Also praktisch: Mitten im größten Negativstress und Frust kurz innehalten und überlegen: Wann bin ich damit besser zurechtgekommen? Was hat dabei geholfen?

Erfolgreiche Problemlöser seien immer jene, die dorthin schauen, wo es funktioniert (hat), die in schwierigen Situationen und Gesprächen das Positive herausarbeiten oder positiv formulieren, was es braucht, damit Abläufe, Beziehungen besser klappen. Etwa im Gespräch mit schwierigen Mitarbeitern oder Kunden gemeinsam erkunden, wann es schon einmal besser geklappt hat. Es gelte den positiven Unterschied herauszuarbeiten, achtsam zu sein für "das Kleine" und wegzukommen vom "Entweder-oder" , hin zu "Sowohl-als-auch" . Diese Gesetze ließen sich wider den Frust im Selbst und gegen misslingende Beziehungen im Job anwenden. Denn es ist ja auch so: Mühsame Vorgesetzte lassen sich selten ändern, der Umgang mit ihnen aber schon. (kbau, DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.6.2010)

Anstehende Vorträge:

"Logik von Lösungen" u. a. mit Martin Seligman, Matthias Varga von Kibéd; Infos unter: www.solutionmanagement.at

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    Innehalten und überlegen: Wann bin ich schon mal besser zurechtgekommen? Was war da anders?

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