Gewinnschätzungen trotz Schuldenkrise gestiegen

11. Juni 2010, 16:04
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Ein Kommentar von Stephan Lingnau aus dem Equity Weekly der Erste Group

Die volatile Seitwärtsbewegung an den europäischen Aktienmärkten setzte sich nach fort. Der Stoxx 600 beendete die Woche fast unverändert mit einem Minus von 0,18%. Auf Jahressicht liegt der breite europäische Index jetzt 2% im Minus und outperformt damit den S&P 500 in lokaler Währung leicht (-3%). Wir erwarten dass sich diese relative Outperformance in den kommenden Wochen fortsetzen wird, da die Gewinnerwartungen in Europa mehr Dynamik zeigen als in den USA. So wurden die geschätzten Gewinne für 2010 in den USA im letzten Monat um 3% nach unten revidiert wurden. In Europa stiegen die Gewinnschätzungen trotz der Schuldenkrise hingegen um 5%.

Die Sektorenperformance im Stoxx 600 war in der vergangenen Woche sehr ausgeglichen. 9 Sektoren stiegen, 10 sanken. Insbesondere zyklische Sektoren wie Automobilproduzenten,
Chemiefirmen und Industrieunternehmen zeigen anhaltende relative Stärke und werden diese unseren Analysen nach auch fortsetzen. Banken, Versorger und Energiefirmen sanken
hingegen abermals. Alle drei dieser Sektoren liegen seit Jahresbeginn nun über 12% im Minus. Eine Trendumkehr ist derzeit nicht zu erkennen.

Die vielbeachteten Spreads an den Interbankenmärkten lassen leider weiterhin auf keine nachhaltige Erholung der Aktienmärkte schließen. Der 3-Monats Euribor kletterte leicht auf 72
BP. Der TED- Spread stieg auf 46 BP. Der 2-Jahres Euro- Swap- Spread sank leicht von 83 BP auf 77 BP.

Zu einer Stabilisierung kam es aber indes an den Rohstoffmärkten. Die guten chinesischen Exportzahlen sorgten für positive Impulse und stoppten erst einmal den negativen Newsflow
aus China. Kupfer sank um 2% auf USD 6.382/t. Der Preis für Aluminium sank um 0,3% auf USD 1.918/t. Das Barrel Brent stieg um 2% auf USD 75.

Die EZB hat wie erwartet den Leitzinssatz bei 1% belassen. Die EZB hat dabei angekündigt, dass weitere Repo Auktionen zu festem Zinssatz angeboten werden. Dies sollte die großzügige Liquiditätsversorgung bis zum Jahresende sicherstellen und bestätigt, dass eine Zinserhöhung in 2010 unwahrscheinlich erscheint. Die Erwartungen für das Eurzone BIP-Wachstum wurden für 2010 leicht nach oben revidiert, was vor allem auf den Außenhandel und höheres Wachstum in den Exportdestinationen zurückzuführen ist. Die Inflationsprojektionen wurden ebenfalls leicht nach oben genommen, da die Rohstoffpreise in Euro etwas höher als erwartet sein sollten.

Ein unerwartet hoher Gewinn im ersten Quartal hat den Aktien von Inditex diese Woche Aufwind gegeben. Der Gewinn von Inditex stieg um 63% auf EUR 301 Mio. Der Konsens war
lediglich von EUR 259 Mio. ausgegangen. Der Umsatz stieg um 14% auf EUR 2,7 Mrd. Wachstumsträger der Spanier bleibt die Modekette Zara, das Flaggschiff des Konzerns.

Inditex profitierte jetzt davon, dass sich der Konsum in vielen Ländern Europas zu Jahresbeginn wieder leicht erholt hat. Auch in Spanien, wo Inditex 40% seiner Läden betreibt,
zog die Nachfrage nach Kleidung und Schuhen wieder an. Aufgrund der Rezession haben auf dem Heimatmarkt auch viele kleinere Konkurrenten dichtgemacht, wodurch Inditex seine
Stellung ausbauen konnte. Größter Trumpf der Galizier ist freilich, dass sie flexibler als die Konkurrenz reagieren können, weil sie relativ standortnah produzieren, meist in Europa,
Nordafrika und der Türkei.

Volkswagen treibt den Kapazitätsausbau in China voran und baut für eine halbe Milliarde Euro ein neues Werk. Die neue Fabrik im südchinesischen Foshan soll in drei Jahren mit der
Produktion beginnen und 4.000 Menschen beschäftigen. Pro Jahr sollen letztlich 300.000 Fahrzeuge vom Band rollen. Volkswagen hatte unlängst seine Investitionspläne um EUR 1,6
auf 6 Mrd. aufgestockt, um die hohe Nachfrage auf dem inzwischen weltgrößten Automobilmarkt bedienen zu können. VW unterhält im Reich der Mitte bereits neun Werke. In den ersten fünf Monaten hat Volkswagen rund 778.000 Fahrzeuge verkauft und damit die Auslieferungen des Rekordjahres 2009 nochmals um circa 48% übertroffen BP prüft derzeit, ob im zweiten Quartal eine Dividende gezahlt werden soll. "Wir betrachten alle Optionen bei der Dividende. Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen worden", sagte BP-Chef Tony Hayward. Der Konzern muss bis zum 27. Juli eine Entscheidung getroffen haben, ob Geld an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Kreisen zufolge denkt BP auch darüber nach, die
Dividende ganz oder teils in Anteilsscheinen zu zahlen und damit gewissermaßen in Schuldscheinen.

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