Konjunkturerholung noch nicht bemerkbar

11. Juni 2010, 16:02
1 Posting

Ein Kommentar von Hans Engel aus dem Equity Weekly der Erste Group

Die in dieser Woche gemeldeten US-Wirtschaftsdaten bestätigen abermals, dass sich die ausgewiesene Konjunkturerholung hauptsächlich nur in den offiziell gemeldeten Statistiken
positiv bemerkbar macht. Eine Wirtschaftserholung, die nicht am Arbeitsmarkt ankommt, ist einfach als enttäuschend zu bewerten.

Wieder steigende Erstanträge für Arbeitslosenunterstützung (+456.000), ein weiter zunehmendes Handelsbilanzdefizit (- USD 40,3 Mrd.) und ein monatliches (!) Budgetdefizit von USD 135,9 Mrd. sind Indikatoren dafür, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den USA zumindest als stark verbesserungswürdig einzustufen sind. Ein bekannter
Nobelpreisträger, der auch als Kolumnenschreiber einer US-Tageszeitung arbeitet, hat die Wirtschaftslage in den USA vor kurzem mit den Worten „we are not Greece!" umschrieben. In
einem beschönigenden Stil wurde dabei wortreich dargelegt, warum man die USA in Hinblick auf die aktuelle Wirtschaftsschwäche nicht mit Griechenland vergleichen könne. Dabei wurde
übersehen, dass die USA ca. alle 2 Monate eine Neuverschuldung aufbauen, die jener der Gesamtverschuldung (!) Griechenlands entspricht. Interessant ist jedenfalls festzustellen, dass
dem bekannten Artikelschreiber zwei doch sehr unterschiedliche Staaten gleichzeitig in den Sinn kommen und zwar durch ein gemeinsames Merkmal, nämlich jenes der hohen Schulden.

Viele internationale Anleger, die US-Staatsanleihen kaufen, scheinen offenkundig von den aktuellen Währungsschwankungen, die aktuell den Dollar begünstigen, derart beeindruckt zu
sein, dass sie die Bonitätsüberlegungen weiterhin den unrühmlich bekannt gewordenen Ratingagenturen überlassen. De facto werden damit wichtige Investmententscheidungen an diese
Agenturen delegiert. Aktuell hat sich die Situation am Aktienmarkt nach der jüngsten Korrektur wieder entspannt. Die kommenden Wochen sollten in den USA wieder etwas bessere Erträge für Aktionäre bringen, allerdings scheint das Potenzial für die wichtigsten Indizes etwas unterhalb der früheren Hochs dieses Jahres zu liegen. Kurzfristig sollte die Erholung also andauern.

Zu dieser Annahme passen auch die Überlegungen der US-Regierung, ihre Anteile (61%) an General Motors wieder an die Börse zu bringen. Wären Automobile ein rares Gut oder wäre GM eine außergewöhnlich attraktive Unternehmung, so wäre die Historie dieser Firma wohl etwas rühmlicher verlaufen und die Zukunftsperspektiven rosiger. So bleibt es jedem Investor selbst überlassen zu entscheiden, ob ihm alte US-Industriezweige langfristig wirklich ausreichend Phantasie bieten. Der künftige Börsegang wird voraussichtlich ein Volumen von ca. USD 12 Mrd. umfassen. Das ist ca. ein Drittel des aktuellen Börsenwerts des Mitbewerbers Ford, der allerdings auch als weitaus attraktiver einzuschätzen ist. Falls es GM nach jahrelangen Ankündigungen wider Erwarten schafft, tatsächlich Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen, so würde der Konzern in China, das jetzt voll auf Elektromobilität setzt, durchaus attraktive Absatzchancen vorfinden. Solange GM diese Fahrzeuge aber nur ankündigt, sehen wir wenig Grund für ein künftiges Investment in die dann an die Börse kommenden neuen GM-Papiere. Die aktuell noch gehandelten Motors-Liquidation Aktien sind dringend zu meiden, denn ihr Wert wird mit Sicherheit auf Null sinken und das Papier vom Börsehandel gestrichen.

Für risikobereite Anleger bieten sich weitaus attraktivere Möglichkeiten, die fundamental besser begründet sind. Die Aktien der kleinen Firma Jones Soda (Marktkapitalisierung nur
USD 48 Mio.), einem Getränkehersteller, haben das Potenzial für einen weiteren höheren Anstieg in den kommenden Quartalen, nachdem die Firma nach einem erfolgreichen Test der
Produkte in 750 Wal-Mart Geschäften mit dem weltgrößten Einzelhändler zuletzt eine Vertriebsvereinbarung abschließen konnte. Weniger risikobereite Anleger finden in Papieren
des Mitbewerbers National Beverage Corp eine Aktie vor, die in den kommenden Jahren den S&P 500 voraussichtlich weit outperformen wird. Grund dafür sind die in diesem Fall starken
Cash Flows sowie die anhaltend steigende Rentabilität des Unternehmens.

Share if you care.