Begehrte Trophäen in Öl

11. Juni 2010, 16:56
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Mit den Auktionen der Sparte Impressionist & Modern Art (22.-24. 6.) scheint der Superlativ nun an der Themse vor Anker zu gehen.

Mit Lob ist Andreas Rumbler eher sparsam, aber für diese Werkgruppe und diesen Künstler springt der (Noch)-Managing-Director von Christie's Deutschland und Senior Specialist 19./20. Jahrhundert über seinen Schatten. Sensationell, lautet sein schlichtes Urteil, wie der aus einer traditionellen Malauffassung kommende Claude Monet als 80-Jähriger zur Abstraktion fand. Für ihn, der sich demnächst in Zürich niederlassen wird, steht Monet deshalb an der Spitze der zehn wichtigsten Vertreter des Impressionismus.

Die Seerosen, für deren alleinige Pflege Monet in seinem prachtvollen und legendären Wassergarten einen eigenen Gärtner beschäftigte, gehören zu den berühmtesten Motiven seines Œuvres. Und eine große Version von 1919, die bei Christie's in London vor exakt zwei Jahren den Besitzer wechselte, hält mit umgerechnet 46,18 Millionen Euro auch den vorläufigen Künstlerweltrekord.

Am Abend des 23. Juni könnte dieser allerdings Geschichte sein. Im 63 Positionen umfassenden hochkarätigen Tross schickt Christie's nämlich ein ehemals aus dem Besitz des Kunsthändlers Durand-Ruel stammendes Nymphéas ins Rennen. Mit 90 mal 100 cm ist das Epos aus dem Jahr 1906 deutlich kleiner als der Rekordhalter, soll aber dennoch zwischen 30 und 40 Millionen Pfund (34-45 Mio. Euro) einspielen.

Das Christie's-Aufgebot des Evening-Sales stellt insgesamt eine neue Benchmark auf. Auf 163,67 bis 231,18 Millionen Pfund (186,24-246,49 Mio. Euro) beläuft sich der potenziell mögliche Umsatz, der in dieser Größenordnung eine Premiere für den Marktplatz London stellt.

Da kann Kontrahent Sotheby's im Vorfeld nur bedingt mithalten: Auf 101 bis 148 Millionen Pfund belaufen sich dort die Erwartungen für den Evening-Sale am 22. Juni. Aber einige der 51 hier zum Aufruf gelangenden Lose könnten doch für eine Überraschung sorgen. Manet, Matisse, Derain und Soutine heißen die Trümpfe, für die man bis jeweils zwischen sieben und 30 Millionen Pfund tief in die Geldbörsen langen müssen wird. Dazu gehört eines der sehr seltenen Selbstporträts von Edouard Manet (20-30 Mio. Pfund), das Sotheby's Executive Vice President und Kokurator der Manet-Retrospektive in Paris und New York (1983) als das mit Abstand schönste noch in Privatbesitz befindliche bezeichnet.

Rein mengenmäßig schießt aber mit Pablo Picasso der Welt umsatzstärkster Künstler den Vogel ab: Bis zum 24. Juni sollen nicht weniger als 202 seiner Arbeiten bei Versteigerungen in Paris, München, Bern, Zürich, Sydney und London den Besitzer wechseln. Allein bei Christie's summiert sich die Zahl der im Rahmen des Evening-Sales angebotenen auf satte neun Trophäen in Öl, die zumindest 62,41 Millionen Euro bringen sollen. Auf dem Prüfstand steht auch der der blauen Periode Picassos zugehörige Absinthtrinker (Portrait d'Angel Fernández de Soto) bei 30 bis 40 Millionen Pfund (46-60 Mio. Dollar / 34-45 Mio. Euro) aus dem Besitz Andrew Lloyd Webbers, der das Gemälde 1995 bei Sotheby's für 26,5 Millionen Dollar erworben hatte.

Lukrative Restitutionsposten

Bereits 2006 hätte es bei Christie's in New York zugunsten seiner karitativer Foundation versteigert werden sollen (damalige Taxe 40-60 Mio. Dollar), musste aber wenige Stunden vor der Auktion zurückgezogen werden. Das Berliner Moses-Mendelssohn-Institut hatte auf das Werk Ansprüche geltend gemacht, die man nach zähen Verhandlungen nun fallenließ.

Die damalige Auktion ging dank Klimt dennoch in die Geschichte des Kunstmarktes ein. Vier aus dem Altmann-Restitutionsposten stammende Werke brachten damals satte 192,7 Millionen Dollar. Darunter das Portrait Adele Bloch-Bauer II (1912), das mit 87,93 Millionen Dollar (46,28 Mio. Pfund / 68,7 Mio. Euro), das seit damals den Klimt-Auktionsrekord hält.

Diesen wird das vor knapp zwölf Monaten vom Lentos-Museum an die Erben nach Aranka Munk restituierte Portrait Ria Munk wohl kaum übertreffen. Vergeblich hatte man das Bildnis einer ausgewählten Gruppe von Klienten für 40 Millionen Dollar angeboten, nun sucht es via Christie's in aller Öffentlichkeit für 14-18 Millionen Pfund (22-27 Mio. Dollar / 16-20 Mio. Euro) eine neue Heimat. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 12./13.06.2010)

  • Claude Monets Seerosenzyklus repräsentiert den historischen 
Brückenschlag vom 19. in das 20. Jahrhundert. Dieses Prachtexemplar von 
1909 soll für 34 bis 45 Millionen Euro in London versteigert werden.
    foto: christie's

    Claude Monets Seerosenzyklus repräsentiert den historischen Brückenschlag vom 19. in das 20. Jahrhundert. Dieses Prachtexemplar von 1909 soll für 34 bis 45 Millionen Euro in London versteigert werden.

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