Bachelor ist kein "Mezzanin-Abschluss"

11. Juni 2010, 15:07
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Raimund Ribitsch, Geschäftsführer der FH Salzburg, sieht die Zukunft des Masters vor allem im berufsbegleitenden Studium

Standard: Sie haben selbst Betriebswirtschaft an der Universität Innsbruck studiert und später dann ein postgraduales Studium für Kulturelles Management in der Bundeshauptstadt absolviert: Würden Sie heute denselben Weg gehen, oder böten die Fachhochschulen eine attraktive Alternative?

Ribitsch: Inzwischen hat sich die Bildungslandschaft natürlich sehr verändert. Unter heutigen Gesichtspunkten hätte ich möglicherweise schon ein interessantes Studium an einer Fachhochschule gewählt. Jedoch hat das Studium abseits des Wohnorts viel zu meiner persönlichen Entwicklung beigetragen.

Standard: Für manche Fachhochschulstudierenden soll es ja ausschlaggebend sein, feste Strukturen zu haben ...

Ribitsch: Ja, das ist sicher ein Aspekt der Fachhochschulen, dass sie sehr serviceorientiert sind. Was die Selbstorganisation betrifft, wird vielen etwas abgenommen.

Standard: Haben Sie vor dem Master Berufserfahrung gesammelt?

Ribitsch: Nein, der schloss Anfang der 90er unmittelbar an mein BWL-Studium an und dauerte zwei Jahre. Der Abschluss erfolgte jedoch bereits während meiner ersten Berufstätigkeit.

Standard: Heutigen Studienanfängern wird von verschiedener Seite - nicht zuletzt aus derPolitik! - nahegelegt, nach dem Bakkalaureat erst einmal ein paar Jahre praktische Erfahrungen zu sammeln und erst später einen Master anzuhängen. Was halten Sie davon?

Ribitsch: Das ist grundsätzlich richtig so. Der Bachelor soll ja eben nicht nur ein erster Studienabschnitt sein, auf den man sozusagen gleich als letztes Drittel den Master aufsetzt. Dass das Bakkalaureat als eigenständiges Studium zur Berufstätigkeit befähigt, ist halt in vielen Bereichen noch nicht durchgedrungen. Für die Wirtschaft ist das ein mehrjähriger Lernprozess, das geht nicht von heute auf morgen.

Standard: Wie sieht es mit der Akzeptanz Ihrer Bachelor-Absolventen aus?Bringt die Fachhochschule Salzburg diese Leute in der Wirtschaft unter?

Ribitsch: Da gibt es durchaus Unterschiede. Die Informations- und Holztechniker wie auch etwa die Betriebswirte werden sehr gut in der Wirtschaft aufgenommen und interessieren sich dementsprechend eher in geringem Maß dafür, gleich ein Masterstudium anzuhängen. Im Bereich Design ist es dann schon eher so. Aber wir sehen die Entwicklung noch nicht als signifikant.

Standard: An den Universitäten werden Zugangsbedingungen eingeführt, an den FHs gibt es längst nicht so viele Masterstudienplätze wie Bachelorabsolventen. Ein direkter Übertritt wäre also auch gar nicht in jedem Fall möglich.

Ribitsch: Das ist wiederum eine Entwicklung, die ich für wichtig und normal halte. Der Bachelor wird sich als echter erster, vor allem aber als berufsqualifizierender Abschluss etablieren. Er ist kein "Mezzanin-Abschluss" , also quasi "weder Erdgeschoß noch erster Stock" . Auch die FH-Diplomabschlüsse wurden anfangs skeptisch gesehen und erfuhren erst nach ein paar Jahren ihre hohe Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt.

Standard: Das heißt, für jene, die nach Jahren an die Uni wechseln oder an die FH zurückkommen wollen, bleibt mitunter nur ein sogenannter "Weiterbildungsmaster" , der zu deutlich höheren Gebühren als den 363,36 Euro pro Semester angeboten wird?

Ribitsch: Ich glaube, dass berufsbegleitende Weiterbildungsmaster mit höheren Gebühren noch weiter ausgebaut werden. Jedenfalls ist durch die Vielzahl an Weiterbildungsangeboten im Sinne des lebensbegleitenden Lernens eine Höherqualifizierung möglich.

Zur Person:

Raimund Ribitsch (45) ist neben seiner Funktion an der Fachhochschule Salzburg auch Vizepräsident der Fachhochschul-Konferenz (FHK), der Interessenvertretung aller zwanzig österreichischen Fachhochschul-Erhalter.

  • Ribitsch sieht die Entwicklung, dass nicht jeder Bachelorabsolvent einen Master anhängt, als guten Weg für den Hochschulsektor.
    foto: fh salzburg

    Ribitsch sieht die Entwicklung, dass nicht jeder Bachelorabsolvent einen Master anhängt, als guten Weg für den Hochschulsektor.

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