"Fühle mich hintergangen"

11. Juni 2010, 14:02
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Josefstädter Bezirksvorsteher: "Wird uns sehr schaden bei der Wahl" - Grüne Gemeinderäte demonstrieren Gelassenheit

Wien - Nach seiner Niederlage fährt der grüne Noch-Bezirksvorsteher der Josefstadt, Heribert Rahdjian, schwere Geschütze auf und erhebt massive Vorwürfe gegen die Landesfraktion: "Ich fühle mich von der Landespartei hintergangen", zeigte er sich am Donnerstag im APA-Gespräch "enttäuscht". Er habe Klubobfrau Maria Vassilakou bereits gesagt: "Ich finde das billig, wie ihr das gemacht habt." "Das wird uns sehr schaden bei der Wien-Wahl", so seine düstere Prophezeiung. Grüne Gemeinderäte demonstrieren - angesichts der Querelen - hingegen Gelassenheit.

Seine Abwahl als Spitzenkandidat für die Bezirksvertretungswahl bezeichnete Rahdjian als abgekartete Geschichte, von der die Landesorganisation "sicher gewusst" habe. Bis zur letzten Sekunde habe er von allen Seiten nur Lobeshymnen gehört. Es sei ihm zugesichert worden, dass er bei der Listenerstellung der einzige Kandidat für Platz 1 sei. Der Parteiführung warf er vor, nicht genug getan zu haben, um die Sache in richtige Bahnen zu lenken: "Die konnten Frau Müller nicht domestizieren." Gemeint ist Rahdjians Erzrivalin, die Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Doris Müller. Sie landete bei der Listenwahl am Mittwochabend erneut an zweiter Stelle.

Der Bezirkschef werde auch nach dem Ende seiner Amtsperiode die grüne Idee nicht fallen lassen. Für die Partei selbst will er sich dann aber nicht mehr engagieren. Pessimistisch sein Blick in die nahe Zukunft: Müllers Truppe arbeite an der "Zerstörung der grünen Partei im achten Bezirk".

Blimlinger: "Grundsätzlich kein Geheimnis, dass es Probleme gibt"

Grüne Gemeinderäte sehen die Situation freilich ein wenig anders. "Das beunruhigt mich nicht", sagte - angesprochen auf die möglichen Auswirkungen der Josefstädter Reibereien - Mandatar Martin Margulies. Nachsatz: "Ich hoffe, dass es gut ausgeht." Nach außen getragener Streit sei für die Partei natürlich nicht "supertoll". Dieser sei mit dem neuen Spitzenkandidaten Alexander Spritzendorfer nun aber beigelegt. Möglicherweise überlege sich im Moment der eine oder andere: Soll ich grün wählen oder nicht. Er glaube aber nicht, dass die Sache auf den Urnengang am 10. Oktober ausstrahlt.

Positiv in die Zukunft blickt auch Margulies' Stadtparlamentskollegin Marie Ringler, die bei der Gemeinderatswahl übrigens nicht mehr kandidiert. Spritzendorfer sei ein guter Mann: "Ich traue ihm viel zu - auch, dass er Bezirksvorsteher in der Josefstadt wird." Ihre Meinung zum Machtkampf in der Josefstadt: "Wenn sich zwei streiten, braucht's manchmal einen Dritten." Hinsichtlich der Frage, wie öffentlich ausgetragene Konflikte künftig vermieden werden könnten, wolle sie keine guten Ratschläge geben. Nur soviel: "Unsere Bezirksgruppen sind autonom. Diese Freiheiten werden manchmal genutzt, um sinnvolle Arbeit zu leisten, manchmal aber auch nicht."

Ein wenig deutlicher wurde da schon Thomas Blimlinger, Grüner Bezirksvorsteher in Wien-Neubau. Er gestand gegenüber der "Presse" (Donnerstagsausgabe) ein, dass der Zustand der Grünen suboptimal sei und auf Landesebene etwas verbessert werden müsse: "Es ist grundsätzlich kein Geheimnis, dass es Probleme gibt." Dass die Josefstädter Turbulenzen auch auf seinen Bezirk abfärben könnten, glaubt Blimlinger aber nicht. (APA)

  • 2005 konnte Rahdjian noch jubeln, jetzt fühlt er sich von der eigenen Partei hintergangen.
    foto: standard/cremer

    2005 konnte Rahdjian noch jubeln, jetzt fühlt er sich von der eigenen Partei hintergangen.

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