Ein kalter, aber schöner Winkel beim Gamskar

    11. Juni 2010, 17:03
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    Von der Edelrautehütte zum Gefrorenen See in den Niederen Tauern, wo das Eis erst schmilzt

    In den Niederen Tauern ist es nicht gerade eine Seltenheit, dass höhergelegene Seen noch im Frühsommer von einer geschlossenen Eisschicht bedeckt sind. Ein Musterbeispiel für diese Erscheinung ist der Gefrorene See am Fuße des Großen Bösensteins und der Sonntagskarspitze, die relativ lange ihre Schatten über das Gamskar und das darin liegende Gewässer werfen. Das klingt zwar nicht einladend, trotzdem lohnt eine Wanderung in dieses Gebiet. Ochsenkar und Gamsgrube sind nämlich eine besonders reizvolle Landschaft, die manchmal an die raue Bergwelt Norwegens erinnert.

    Obwohl schon vor etlichen Jahren eine Route von der Edelrautehütte in diese wildromantischen und beeindruckenden Kare markiert wurde, wählen nur selten Wanderer den Gefrorenen See als Ziel. Dabei kommt zu der schönen Umgebung noch eine vielfältige Pflanzenwelt mit Enzianen und Almrausch. Gämsen zeigen sich immer wieder, auch Murmeltiere sind an den grasigen Hängen der Großen Rübe beheimatet, welche das Gebiet nach Norden hin abschließt.

    Die Ochsenalm wird noch bestoßen, angeblich beträgt der Viehbestand bis zu tausend Tiere. Leider ist die Alm nicht bewirtschaftet, das zahlt sich offenbar nicht aus. Wer unbedingt einen Gipfel "mitnehmen" möchte, hat die Möglichkeit, die Wanderung bis zum Dreistecken im Norden der Seescharte oder zum Sonntagskarkogel im Süden fortzusetzen. In beiden Fällen bietet sich eine recht interessante Fernsicht, die bis zu den Eisenerzer Alpen reicht. Allerdings sollte der Aufstieg vom See zur Seescharte schon schneefrei sein, denn die steilen Firnfelder sind gefährlich und verlangen besondere Vorsicht. Auch ohne "Gipfelsieg" kommt selbst der anspruchsvolle Wanderer auf seine Rechnung.

    Obgleich man die Tour nahe der hochgelegenen Edelrautehütte beginnt, läppern sich die zu bewältigenden Höhenunterschiede zusammen. Sonst aber sind keine Schwierigkeiten zu erwarten.

    Bei Gewittergefahr heißt es aufpassen, denn die aus dem Westen und Norden nahenden Unwetter sind erst spät auszumachen.

    Die Route: Vom Parkplatz knapp unterhalb der Edelrautehütte, die auf einer Mautstraße von Hohentauern erreichbar ist, folgt man der roten Markierung zum Kleinen Scheiblsee und steigt dann in einer langen Querung mit etlichen Stufen in das Ochsenkar ab. Am Hang der Großen Rübe und der Seekarspitze geht es dann hinauf in das Gamskar und zum Gefrorenen See. Gehzeit ab Edelrautehütte 2 bis 2 1/2 Stunden. Der Rückweg erfolgt am besten auf der Anstiegsroute, wofür man etwa 1 3/4 Stunden braucht.

    Für den Abstecher vom Gefrorenen See zum Dreistecken oder zur Sonntagskarspitze muss man eine weitere Gehzeit von 1 3/4 Stunden veranschlagen. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/12.06.2010)

    Gesamtgehzeit 3 3/4 bis 4 1/4 bzw. 5 1/2 bis 6 Stunden; Höhenunterschied 500 bzw. 800 Meter. Kein Stützpunkt an der Strecke, Edelrautehütte durchgehend bewirtschaftet. ÖK25V Blatt 4214-West (Admont), Maßstab 1:25.000.

    • Großer Bösenstein, von Südosten aus gesehen, rechts dahinter die Sonntagskarspitze, links der Kleine Bösenstein.
      foto: rak/de.wikipedia

      Großer Bösenstein, von Südosten aus gesehen, rechts dahinter die Sonntagskarspitze, links der Kleine Bösenstein.

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