"Le Monde" sucht Investor: Sarkozy interveniert

11. Juni 2010, 12:27
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Französischer Staatspräsident wollte angeblich links-orientierte Kandidaten verhindern

Paris - Der französische Präsident Nicolas Sarkozy ist unter Verdacht geraten, die Investorensuche für das Traditionsblatt "Le Monde" zu beeinflussen. Sarkozy habe mit einem Anruf bei Chefredakteur Eric Fottorino versucht, die Kandidatur eines politisch eher links orientierten Trios zu verhindern, berichtete die Zeitschrift "Marianne" am Freitag auf ihrer Website. Kulturinvestor Pierre Bergé und seine Partner Matthieu Pigasse und Xavier Niel haben bisher als einzige ein offizielles Angebot in Höhe von 80 Millionen Euro abgegeben. Bergé zählt zu den wichtigen Unterstützern der oppositionellen Sozialisten.

Sarkozy habe Fottorino angerufen, um sich über einen Leitartikel zu beschweren und dann indirekt von einer Entscheidung für das Trio abgeraten. Niel sei ein "Mann der Peep-Show", habe Sarkozy gesagt und auf dessen Beteiligung am "Minitel rose", ein Vorläufer erotischer Internet-Angebote, hingewiesen.

Angebot Anfang der Woche

Der Chef des Pariser Nachrichtenmagazins "Le Nouvel Observateur", Claude Perdriel, will bis Anfang kommender Woche ein Angebot vorlegen. Möglicherweise wird er sich mit dem Telekom-Unternehmen Orange zusammentun, dessen Chef Stéphane Richard ebenfalls Interesse an "Le Monde" geäußert hatte.

Ein weiterer Kandidat ist die spanische Prisa-Gruppe ("El Pais"), die bereits 15 Prozent der Monde-Gruppe besitzt. Sie hat sich allerdings eine Frist bis Ende September ausgebeten. Das größte Schweizer Medienunternehmen Ringier und der italienische Medienzar Carlo de Benedetti ("L'Expresso") sind mittlerweile aus dem Rennen ausgeschieden. Am 14. Juni soll der Aufsichtsrat über das weitere Vorgehen entscheiden.

Das 1944 gegründete Blatt leidet wie andere Printmedien unter der Flaute auf dem Werbemarkt. Im vergangenen Jahr musste die Gruppe sich 25 Millionen Euro leihen. Dass die Zeitung pleite gehen könnte, gilt als unwahrscheinlich. Die Investoren dürfte letztendlich auch der gute Ruf locken. Das Blatt wird in 120 Ländern verkauft, 400.000 Exemplare werden im Schnitt pro Tag gedruckt. (APA/dpa)

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