Das digitale Klassenzimmer: Netbooks statt Frontalunterricht

11. Juni 2010 09:08
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    Foto: ph wien

    An inter- aktiven Tafeln können Schüler gemeinsam Lernstoff erarbeiten und diesen dann in "digitalen Schultaschen" zum Üben mitnehmen.

Ab dem neuen Schuljahr wird die Zahl der Netbook-Klassen von 19 auf 100 aufgestockt

Es ist kein Schulfach, doch für die (Arbeits-)Welt unerlässlich: digitale Kompetenz. Informatikunterricht machte den Anfang, es folgten PCs im Klassenzimmer, dann Notebooks. Bei insgesamt 1,14 Millionen Schülerinnen und Schülern in Österreich lernen derzeit rund 30.000 Schüler in sogenannten Notebook-Klassen. Jetzt will das Unterrichtsministerium die noch mobilere Lernvariante vorantreiben: Die Zahl der Netbook-Klassen (kleine, leichte Geräte, die in die Schultasche passen) soll im Herbst von 19 auf 100 aufgestockt werden.

Individualisierung des Unterrichts

"Die Erfahrungen in allen Ländern haben gezeigt, dass der Einsatz von Netbooks die Individualisierung des Unterrichts erheblich fördert. Die Kinder können so ihr eigenes Lerntempo bestimmen", sagt Sabine Huber, Bildungsexpertin des Prozessorherstellers Intel, der dem Ministerium beratend zur Seite steht. Die Bildungsinitiative des Unternehmens unterstützt seit zehn Jahren Schulen und Universitäten bei der Umsetzung von zukunftsorientierten Lernkonzepten. Als einen Vorteil für den Einsatz der handlichen Geräte sieht Huber die Kosten. Muss für ein Notebook mit rund 1000 Euro gerechnet werden, kommen Netbooks mit einem Preis von rund 300 Euro auch Schulträgern oder Eltern mit knappen Budget entgegen.

Da es in Klassenzimmern mitunter turbulent zugeht, zeichnen sich die neueren Netbook-Modelle durch Robustheit aus. Bei der neuesten Version des von Intel entwickelten Classmate Convertible wurde zum Beispiel besonders darauf geachtet, dass das Gerät auch einen Sturz aus Tischhöhe unbeschadet überlebt. Wird das berührungsempfindliche Farbdisplay um 180 Grad gedreht und mit der Sichtfläche nach oben zugeklappt, verwandelt sich das Netbook in einen Tablet.

Auslaufmodell Frontalunterricht

Dass der traditionelle Frontalunterricht ein Auslaufmodell ist, zeigt auch das Projekt "campusPLUS" der Pädagogischen Hochschule Wien. Interaktive "Whiteboards" sollen die klassische Schultafel ablösen und neue Unterrichtsformen ermöglichen. Die Schüler können darauf nicht nur mit dem Finger oder einem speziellen Stift schreiben, sondern auch Elemente verschieben und Filme ansehen. Auch die Arbeiten der Schüler können von deren Computer auf das Board projiziert werden.

Der so gemeinsam erarbeitete Lernstoff kann dann in die "digitale Schultasche" gepackt werden. Erforderlich dafür ist lediglich ein USB-Stick, um den Stoff mit nach Hause zu nehmen. Die Software zum Öffnen der Programme wird von der Schule auf den Stick installiert. "Wir können nicht früh genug damit beginnen, die Kinder an jene Technologien heranzuführen, die sie im Berufsleben verwenden werden", sagt PH-Rektorin Dagmar Hackl. (kat/ DER STANDARD Printausgabe, 11. Juni 2010)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
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Rosenholzer
30.07.2010 08:50

Ich finde es zu einfach immer nur den Frontalunterricht zu verteufeln und als antiquiert hinzustellen. Frontalunterricht ist kein Auslaufmodell sondern soll Bestandteil eines abwechslungsreichen Unterrichts sein. Laptops in Schulklassen werden in manchen Schulen schon wieder entfernt, weil die Schüler zuviel 'nebenbei' machen. Und mit dem Computer ist heutzutage jedes Kind vertraut, dazu braucht es keine Laptopklassen.

Metternichmich!
16.06.2010 07:31
Nur so nebenbei...

stell' ich mir fein vor, wenn der Lehrer neben/ während des Unterrichts auch noch Support für 25 und mehr Netbooks plus Netzwerk-Infrastruktur leisten muss... DAS nenn' ich Multitasking!

Metternichmich!
16.06.2010 07:27
Ein Netbook kann nur sein...

... was auch ein Schulbuch im besten Fall ist: Ein Hilfsmittel im Unterricht, aber kein Ersatz für den selbigen. Guter Unterricht steht und fällt aber mit dem Lehrenden, daher würde ich es lieber sehen, wenn in die Persünlichkeitsbildung der Lehrer inverstiert würde statt in ihre IT-Kompetenzen. Wird aber nicht passieren, da steht keine Industrie-Lobby dahinter.

patmos
14.06.2010 10:31

In Notebook-Klassen wird außer autistischem Verhalten NICHTS gelernt. Das aber äußerst intensiv und clever vor den Augen (auch den digitalen) des Lehrers verborgen. Oh...das ist mir jetzt nur so herausgerutscht......

Graf Ologe
13.06.2010 06:42
Der Gedanke ist richtig, aber ohne Avatar ein von Lehrern organisierte Lernbehinderung!

Die Vorteile liegen auf der Hand - zu jedem Thema kann eine Erläuterung folgen, der ein Frontallehrer nur mit offenem Munde folgen kann.

Die Kids werden so manchem Rohrstaberl das Fürchten lehren, wenn klar ist, wie man Wissen wirklich besens vermittelt.

Ohne dem Motto "Lehrerkosten können für unsere Kinder nie hoch genug sein".

Die Aufgaben und deren Verarbeitung gleich im Netz abzufragen und stützend zu beantworten.

Ohne LehrerIn - das ist der Hammer - das ersparte Geld reicht für die Staatsanierung. 1.3 Millionen Kinder und 110000 Lehrerin - welche Verschwendung für das Ergebnis Pisa 12!

Nikolai Shostakovich
12.06.2010 12:15
füllfeder und papier

ist der wahre unterricht! edv sollte erst ab 15/16 kommen! versperrrt kreativität, entwicklung der handschrift und zeichnerischen fähigkeiten. ein "eingesperrtes" ipad wäre ein noch größere einschränkung dieser fähigkeiten....

·Übermorgen·
14.06.2010 14:00
„ein "eingesperrtes" ipad wäre ein noch größere einschränkung dieser fähigkeiten....“

Soll ich über diese bornierte Aussage lachen oder weinen? (Wie „eingesperrt“ sind denn dann Schulbücher für sie?)

Ein iPad würde wie Schulbücher den Unterricht nur ergänzen, und könnte gedruckte Schulbücher nicht nur komplett ersetzen, sondern sogar noch wesentlich mehr leisten. Schüler würde weiterhin per Hand schreiben oder aber kurze Texte, zum Beispiel Antworten bei Test oder Rechenaufgaben direkt am iPad eingeben können. – Das ist doch im Prinzip was sie sich wünschen! > „Füllfeder und Papier“ +ein schlaues, elektronisches Schulbuch.

·Übermorgen·
11.06.2010 21:35
iPad?

Habe die eigentlich noch nicht mitbekommen, dass es da etwas wesentliche geeigneteres für den Schulunterricht gibt als Netbooks?

Wer das bezweifelt:
– Ein iPad könnte ALLE Schulbücher ersetzen die die lieben Kleinen jetzt so herumschleppen müssen.
– Es hat genau die richtige Displaygröße
– Es verstellt nicht die Sicht auf die Umgebung
– Es läuft ohne Unterbrechung bis zu über 10 Stunden
– Es ist schnell und unkompliziert zu bedienen
– Es gibt keine Problem mit Schadsoftware

Hier als Beispiel für exzellente Lernsoftware:
The Elements (Video): http://www.youtube.com/watch?v=nHiEqf5wb3g

Vivianne
11.06.2010 23:15
na ja...

Probleme beim iPad:
- kein Multitasking
- kein USB-Anschluss
- keine Flash-Unterstützung
- kein Akku zum Wechseln
- auf jeden Fall zu teuer für die paar Dinge, die es tatsächlich kann
- ich stelle es mir nicht gerade lustig vor, einen ganzen Tag lang am iPad zu schreiben
- auch wenn man die Schulbücher dadurch ersetzen würde, würde das hohe Druckkosten bedeuten, wenn sie sich die Unterlagen ausdruckt
...

·Übermorgen·
14.06.2010 13:55
Keine Probleme, nur Vorteile!

– Multitasking > funktioniert immer schon für bestimmt Apps, für alle kommt sowieso mit dem nächsten iOS-Update, Schüler sollen sich ohnehin auf eine Aufgabe konzentrieren, Apps starten sehr viel schneller als auf jedem Notebook
– USB-Anschluss > Sie verstehen das Wireless-Konzept nicht, USB-Adapter gibt’s als Option
– Flash > Keine Ablenkung (Werbung, Spiele), keine veraltete Technologie, die Zukunft im Web gehört HTML5
– Akku wechseln > unnötig, 10 Dauerbetrieb!
– zu teuer > Unsinn!
– einen Tag lang am iPad schreiben > Ginge mit externer Tastatur, aber ich sehe diesen Anwendungsfall für die Schüler nicht! Auf einem Netbook macht’s jedenfalls auch keinen Spass.
– Unterlagen ausdrucken > Warum und welche, wenn schon alles am iPad ist?

Vivianne
11.06.2010 20:22

Für welche Schulstufen wäre das gedacht?
Grundsätzlich bin ich dagegen - und das obwohl ich in der HAK in einer Notebook-Klasse war. Natürlich bietet einem das Notebook (in diesem Fall eben Netbook) so einige Vorteile, aber es verleitet einem nun mal dazu, im Unterricht andere Dinge zu tun. Man könnte denken, dass wir damals als 15-16jährige schon vernünftig genug waren, um zu wissen, was wir im Unterricht zu tun haben, aber Tatsache ist, dass stundenlang Counter Strike gespielt oder gechattet wurde (meist mit dem Sitznachbarn) und es mit den Leistungen steil bergab ging. Am Ende des Schuljahres hat sich dann jeder gewundert, warum - von ursprünglich 27 Schülern - gerade einmal die Hälfte das Jahr geschafft haben.

WinstonSmith
11.06.2010 14:46
netbook

Die Netbooks sind einfach nur ein modernes Schreib-, Recherche- und Kommunikationswerkzeug. Nicht mehr und nicht weniger. Lernen müssen die Kids nach wie vor selber.

<Ironie an>Außerdem bin ich sicher, dass ab sofort auch alle Lehrer und Schulbuchverlage ihren Lernstoff in digitaler Form anbieten. Für die Volltextsuche am Lappi.</Ironie aus>

Alles in allem find ich es eine wichtige und gute Sache.

Jakob60
11.06.2010 13:15
McSchool

"Wir können nicht früh genug damit beginnen, die Kinder an jene Technologien heranzuführen, die sie im Berufsleben verwenden werden"
heißt im Klartext:
"Wir müssen das Konsumverhalten rechtzeitig in die gewünschten Bahnen lenken".

Fame
11.06.2010 16:29

freilich hat ein Intel Mitarbeiter ein natürliches Interesse daran seine Produkte zu verkaufen.. aber "Konsumverhalten in gewünscht Bahnen lenken" ist schon ein wenig übertrieben, immerhin glaub ich kaum, dass es das Ziel von Intel ist in Zukunft nur mehr die billig Atom CPU's zu verkaufen ^^

und es muss nicht immer alles schlecht sein wo ein finanzielle Interesse dahinter steckt bzw. steckt ja hinter den meisten menschlichen Handlungen ein finanzielles Interesse als Antrieb ;)

Jakob60
12.06.2010 02:28

Vielleicht gibt es andere primäre Lernziele als irgendwelche "Technologie"?

Der Post(ing)mann
 
11.06.2010 12:10
Was für ein Schwachsinn...

Da wird jetzt dann sicher alles besser im Unterricht, wenn wir - total vernetzt - alles digital auf der Tafel verschieben können... Nicht nur mit einem Spezialstift (was war eigentlich die Kreide?) sondern auch noch mit der Hand.

Bin gespannt wann der erste daherkommt und das als die tolle neue Direktheit anpreist. Fehlt nur noch ein Habtik- und Geruchssimulator und wir sind dort wo wir schon wären, wenn wir einfach ins Freie gingen und die Dinge angreifen würden...

Wenn's der Lehrer nicht schafft einen interessanten Unterricht zu gestalten wird sich genau gar nichts ändern, außer daß wir einen Haufen zusätzlicher Geräte kaufen und nach ein paar Jahren wieder wegwerfen. Statt einer Presspanplatte (Tafel) ists dann halt ein Bildschirm.

The Dark
11.06.2010 11:29
Vorteile für den Schüler

Man kann die Deutschschularbeit mit Word inkl. Rechtschreib- und Grammatikprüfung machen.

Man kann bei Englisch div. Übersetzungsprogramme verwenden. Mathematik mit Excel lösen etc.

nerdBert
11.06.2010 11:45
...

Wer in Deutsch schlecht ist, dem hilft auch meist die Rechtschreib bzw. Grammatikprüfung im Word nicht um eine positive Note zu bekommen.

The Dark
11.06.2010 12:07
unabhängig davon

wird es langfristig in eine ganz andere Richtung gehen. In den USA wird zumindest schond darüber diskutiert ob es im Zeitalter von Iphone & Co noch sinn macht den Kindern das Schreiben mit der Hand zu lernen.

schwarzelanguste
11.06.2010 10:27

na da freuen wir sich aber, dass das gelobte land erreicht ist.

hat schon wer überlegt, dass die existenz des computers in der klasse kein selbstläufer ist?

sttereo3
11.06.2010 10:12

...und parallel zahlen die Eltern hoffentlich in eine Vorsorgekasse gegen Haltungsschäden ein... was am Arbeitsplatz strikt verboten ist, nämlich den Arbeitnehmern nur einen Laptop-Arbeitsplatz ohne separaten Schirm und Tastatur zur Verfügung zu stellen, wird hier einfach so praktiziert. Ich hoffe dass sich da früher oder später jemand lautstark aufregt, dessen Kinder betroffen sind, damit zumindest Dockingstations oder ähnliches in den Schulen zur Verfügung stehen. Ja, ich weiß, das kostet Geld, aber der Schaden ist garantiert geringer als die gesundheitlichen Folgeschäden.

maruh
11.06.2010 10:25

können sich die eltern nicht leisten da sie schon viel geld für einen win-lapi ausgeben müssen.

was anderes ist nicht erlaubt und wird auch nicht unterstützt

waidmann
11.06.2010 10:50

"können sich die eltern nicht leisten da sie schon viel geld für einen win-lapi ausgeben müssen.

was anderes ist nicht erlaubt und wird auch nicht unterstützt"

Was soll denn das sein?

Als ob es bei den Nicht-Windows-Geräten (ich nehme jetzt an Apple wird hier angesprochen) Dockingstations verfügbar, und entspiegelte/matte Bildschirme eine Selbstverständlichkeit wären?

Übrigens fehlt den Tastaturen der Apple-Geräte meines Wissens nach (zum Teil) das scharfe ß, was sich auch sehr ideal für das Erlernen der deutschen Sprache ist.

·Übermorgen·
14.06.2010 14:12
Ihr Wissen über Apple ist äußerst unvollständig!

Das ß IST auf ALLEN deutschen Apple-Tastaturen natürlich integraler Bestandteil.

Wenn sie es einmal auf einer vermisst haben, dann weil es KEINE deutsche Tastatur war.

Schweizer haben auf allen ihren Tastaturen (natürlich auch jene anderer PCs) kein ß, weil es in ihrer Rechtschreibung als ss geschrieben wird.

Dennoch können Schweizer, US-Amerikaner usw. gerade mit einer Apple-Tastatur dieses Sonderzeichen sehr leicht erzeugen! Alt-S = ß, so simpel ist des auf einem Mac.

maruh
13.06.2010 02:14

"...und parallel zahlen die Eltern hoffentlich in eine Vorsorgekasse gegen Haltungsschäden ein..."

- können sich die eltern nicht leisten da sie schon viel geld für einen win-lapi ausgeben müssen.

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