Komplexestes organisches Molekül im All entdeckt

28. Juni 2010, 18:21
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Komplexestes organisches Molekül im All entdeckt

Austin - Ein Team von Astronomen des Instituto Astrofísica de Canarias (IAC) und der University of Texas hat das bislang komplexeste organische Molekül in einem Band im interstellaren Medium in etwa 700 Lichtjahren Entfernung entdeckt. Dabei handelt es sich um Anthrazen, ein polyzyklischer, aromatischer Kohlenwasserstoff, wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe der "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" berichten. Moleküle wie Anthrazen gelten als präbiogen. Mit anderen Worten: Wenn sie ultravioletter Strahlung, Wasser und Ammoniak ausgesetzt werden, können daraus Aminosäure-Moleküle entstehen.

Dunkle Schokolade senkt den Blutdruck - ein wenig

Sydney - Australische Forscher bestätigen in einer Studie im Fachblatt BMC Medicine, dass dunkle Schokolade den Blutdruck senken kann - jedoch nur bei Hochdruckpatienten und umgerechnet "nur" so viel wie eine halbe Stunde Bewegung am Tag.

Large Hadron Collider weiter auf Rekordkurs

Genf - Vom Teilchenbeschleuniger LHC wird eine Verdopplung der Kollisionen auf rund 10.000 pro Sekunde gemeldet - und damit ein neuer Rekord. Konkurrent Tevatron bei Chicago ist damit buchstäblich überrundet. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 29. 6. 2010)


Drogen machen nicht alle Ratten gleich süchtig

Washington - Woran liegt es, dass Drogen nicht alle gleich süchtig machen? Eine Studie an Ratten liefert nun eine mögliche Erklärung: Das Gehirn der abhängigen Tiere ist laut einer neuen Science-Studie weniger flexibel. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27. Juni 2010)


Forscherstreit um den Tod von Pharao Tutanchamun

Hamburg - Im Februar schien alles geklärt: DNA-Analysen von Tutanchamun gaben nicht nur Aufschluss über dessen inzestuöse Verwandtschaftsverhältnisse, sondern auch über seine Todesursache: Malaria habe den Pharao mit 19 hinweggerafft. Deutsche Tropenmediziner melden nun in einem Kommentar im Fachblatt JAMA Widerspruch an: Sie vermuten, dass "Tut" an der erblich bedingten Sichelzellen-Blutkrankheit gestorben sein dürfte - und fordern zur endgültigen Klärung weitere DNA-Analysen.

Rätsel der Betäubung womöglich gelöst

Graz/Wien - Sie kommen in Operationssälen rund um den Globus millionenfach zur Anwendung. Doch wie Betäubungsmittel wirklich wirken, ist - man glaubt es kaum - nicht so ganz klar. Nun schlagen die beiden österreichischen Biophysiker Georg Pabst (ÖAW Graz) und Thomas Stockner (Med-Uni Wien) im renommierten Journal of the American Chemical Society eine neue Hypothese vor: Sie konnten zeigen, dass sich Anästhetika in Zellmembranen einlagern und über eine mechanische Kopplung Ionenkanäle des Zentralnervensystems schließen können. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. Juni 2010)


Deutscher Streit um Stammzell-Durchbruch

Münster/London - 2008 hat der deutsche Stammzellforscher Thomas Skutella (Universitätsklinikum Tübingen) aus erwachsenen menschlichen Keimzellen des Hodens pluripotente Stammzellen gewonnen. Doch der damalige Durchbruch war womöglich doch keiner. Die Tübinger Zellen waren nicht pluripotent, "sondern aller Wahrscheinlichkeit nach schlichte Bindegewebszellen", behauptet nun eine andere deutsche Forschergruppe um Stammzellpionier Hans Schöler im Wissenschaftsmagazin "Nature". Skutella vom Universitätsklinikum Tübingen entgegnete in derselben Ausgabe von Nature, Schölers Team habe die Experimente nicht exakt nachvollzogen.

Unwirtlicher Exoplanet mit 5.000-km/h-Stürmen

London - Astronomen ist es erstmals gelungen, das "Klima" eines Planeten von einem anderen Stern herauszufinden. Der 150 Lichtjahre entfernte HD209458b ist ein "heißer Jupiter" mit einer unbekömmlichen Kohlenmonoxid-Atmosphäre. Damit nicht genug, blasen dort auch noch Stürme mit mehr als 5.000 km/h, wie die Forscher in "Nature" schreiben. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2010)


Canyons können auch in wenigen Tagen entstehen

London - Bisher nahm man an, dass zur Entstehung von Schluchten wie jener des Grand Canyon mehrere Millionen Jahren nötig sind. Erosion durch Wasser könne aber auch in weitaus kürzerer Zeit erstaunliche Dimensionen annehmen, wie ein US-Forscherteam im Fachblatt "Nature Geoscience" schreibt. Die Geologen haben den 2002 entstandenen Canyon Lake Gorge in Texas untersucht und dabei festgestellt, dass die Wassermassen damals nur drei Tage benötigten, um sich sieben Meter tief in die Landschaft zu graben. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2010) 

Abstract
Nature Geoscience: "Rapid formation of a modern bedrock canyon by a single flood event"


Kaffee ist gut fürs Herz, Tee ist noch besser

Amsterdam - Moderater Tee- und Kaffeekonsum senken nach einer Studie niederländischer Forscher das Risiko von Herzerkrankungen. Drei bis sechs Tassen Tee pro Tag würden die Gefahr, an einem Herzleiden zu sterben, um bis zu 45 Prozent verringern, behaupten die Forscher in der Zeitschrift "Atherosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology". Zwei bis vier Tassen Kaffee am Tag sollen das Risiko von Herzerkrankungen immerhin noch um 20 Prozent senken. Die Forscher sammelten 13 Jahre lang Auskünfte von 37.514 Menschen zu deren Kaffee- und Teeverbrauch und verglichen die Angaben mit Fällen von Herzerkrankungen.

Der Raumsinn ist den Ratten angeboren

Washington - Bei Ratten ist der Orientierungssinn im Gehirn schon bei der Geburt fest verdrahtet. Das berichten zwei Teams von Neurologen aus Norwegen und England in der US-Zeitschrift "Science" (Bd. 328, S. 1573 und 1576) nach Messungen der Hirnaktivitäten von neugeborenen Ratten. Sobald die Jungtiere das Nest verließen, feuerten drei Arten von Orts- und Richtungszellen und halfen bei der Orientierung. Zumindest bei den Nagern scheint also das Kantische Apriori des Raumes tatsächlich zu existieren. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20. 6. 2010)


Malaria dürfte so alt sein wie die Menschheit 

New York - Bisher ging man davon aus, dass Malaria vor rund 10.000 Jahren mit dem Beginn der Landwirtschaft entstanden ist. Wie ein internationales Forscherteam auf Basis von DNA-Analysen verschiedener Parasitenstämme nun aber im Fachblatt Current Biology berichtet, dürfte die tödliche Krankheit 60.000 bis 80.000 Jahre alt sein - und damit ähnlich alt wie die Auswanderung von Homo sapiens aus Afrika. (tasch)

Urwald-Rodungen sind gut für Anopheles-Mücken 

Washington - Der Mensch trägt das Seine dazu bei, dass sich die Malaria weiter ausbreitet. Wie US-Forscher im CDC-Journal schreiben, verbessern Regenwald-Rodungen die Verbreitung der Malaria-übertragenden Anopheles-Mücke. Sie zeigen für die brasilianische Amazonasregion einen Anstieg der Malaria-Erkrankungen um bis zu 50 Prozent. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. Juni 2010)


Mai war weltweit der wärmste seit Messbeginn

Hamburg/Wien - In Österreich und Deutschland war der vergangene Mai der kühlste seit 19 Jahren. Weltweit allerdings brach der Wonnemonat 2010 alle Temperaturrekorde und war der wärmste seit mindestens 130 Jahren. Wie der US-amerikanische Wetterdienst NOAA meldete, lag die globale Durchschnittstemperatur in Bodennähe lag der Behörde zufolge rund 0,7 Grad über dem langjährigen Mittelwert. Nun jedoch könnte pazifische Kälte die Temperaturen auf dem Globus vorübergehend senken. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 17. 6. 2010)


Politikerkompetenz wird nach Aussehen beurteilt

Was man aufgrund von Wahlergebnissen in Österreich vermuten konnte, wurde nun durch die Wissenschaft bestätigt: Wie Christopher Olivola vom University College London und Alexander Todorov von der Princeton University herausfanden, spielen oberflächliche und nonverbale Aspekte wie das Aussehen eines Politikers eine wesentliche Rolle bei Wahlentscheidungen, so die Forscher in der Online-Ausgabe des Journal of Nonverbal Behavior. Wähler würden die Kompetenz eines Politikers nach dessen Aussehen beurteilen. Dadurch ließen sich auch Wahlergebnisse zuverlässig voraussagen. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 16.06.2010)


Blutdrucksenker könnten Krebsrisiko erhöhen

Frankfurt am Main - Eine Studie über weitverbreitete Medikamente gegen Bluthochdruckhat ergeben, dass solche aus der Klasse der sogenannten Sartane das Krebsrisiko erhöhen könnten. Zu den bekanntesten Präparaten aus der Klasse zählt das Mittel Micardis, das dem Pharma-Unternehmen Boehringer-Ingelheim 2009 1,39 Milliarden Euro Umsatz brachte. Betroffen sind aber auch das Mittel Cozaar des US-Konzerns Merck & Co, Diovan der Schweizer Novartis-Gruppe, Avapro von Sanofi-Aventis und Bristol-Myers Squibb sowie Benicar von Daiichi Sankyo. Boehringer Ingelheim trat in der Nacht auf Montag der in "Lancet Oncology" publizierten Studie entgegen und bezeichnete sein Präparat als sicher. (dpa, red)

Gewinnung von iPS erheblich verbessert

Münster - Ganz gleich wie embryonale Stammzellen sind sie nicht, die sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS), wie neueste Studien gezeigt haben. Dennoch gelten sie als große Zukunftshoffnung. Dem deutschen Stammzellforscher Hans Schöler ist es nun gelungen, die geringe Ausbeute bei der iPS-Gewinnung (bislang 1 aus 10.000 Zellen) um das 450-Fache zu steigern, wie er im Fachblatt "Cell" (Bd. 141, S. 943) berichtet. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 15. 6. 2010)


Haie finden ihre Beute den Nasenlöchern nach

New York - Dass Haie einen hervorragenden Geruchssinn haben, wusste die Wissenschaft. Bislang vermutete man, dass die Raubfische ihre Opfer lokalisierten, indem sie sich an der Konzentration der Duftmoleküle orientierten. Bei Experimenten zeigte sich nun etwas anderes: Welche Richtung eingeschlagen wird, hängt davon ab, mit welchem Nasenloch der Raubfisch die Beute zuerst wittert, schreiben US-Forscher in der Zeitschrift "Current Biology".

Der Schotte lebt am wenigsten gesund

Glasgow - In Schottland gibt es prozentuell mehr Anhänger der fünf lebensgefährlichen Angewohnheiten Rauchen, Trinken, Bewegungsmangel, schlechte Ernährung sowie Übergewicht als sonst wo auf der Welt, wie Forscher der Universität Glasgow herausfanden. Nur 2,5 Prozent der Schotten leben laut der in "BMC Public Health" veröffentlichten Studie ohne Risikofaktoren. 

US-Stammzellforscher von Zeitschriften bevorzugt

London - Kritik an führenden Wissenschaftsjournalen üben Stammzellforscher (unter ihnen Shinya Yamanaka) im britischen Journal "New Scientist". US-Forscher würden bei Einreichungen systematisch bevorzugt. (tasch


Uni-Forscher kritisiert eigenes Hochschulranking

Wien/Chicago - Die jährlich von "Times Higher Education" veröffentlichte Liste der besten Universitäten der Welt galt bisher als eine der verlässlichsten Quellen über Uni-Qualität. Heute räumt einer der Verantwortlichen in der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" Mängel beim Zustandekommen der Rangliste ein. Wie Hochschulforscher Phil Baty gesteht, sei die Anzahl der tatsächlich befragten Professoren bisher zu gering gewesen, um zu wirklich soliden Ergebnissen zu kommen. So erhielten die britischen Forscher etwa aus Deutschland "nur lächerliche 182" ausgefüllte Fragebögen als Rücklauf. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. Juni 2010)

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