Chinas Exporte legen zu

10. Juni 2010, 19:13
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Peking/Washington - Das starke Wachstum der chinesischen Exporte erhöht den Druck auf US-Präsident Barack Obama, die Regierung in Peking zu einer Aufwertung der Landeswährung Yuan zu bewegen. Binnen Jahresfrist schnellten die Ausfuhren im Mai um 48,5 Prozent in die Höhe, wie die Zollbehörden am Donnerstag mitteilten. Viele westliche Ökonomen gehen davon aus, dass der Yuan 25 bis 40 Prozent unterbewertet ist und damit die Exporte der Volksrepublik künstlich verbilligt werden. Bisher hat China nicht auf die Kritik und die Bemühungen des Westens reagiert, der eine Flexibilisierung der an den Dollar gebundenen Währung fordert.

Der demokratische US-Senator Charles Schumer bezichtigte China, den Verlust von Millionen Arbeitsplätzen und Tausende Fabrikschließungen in den USA verursacht zu haben. Wenn die Regierung in Peking dazu bewegt werden könne, die Währung aufzuwerten und dem Markt anzupassen, würden mehr Jobs in den USA entstehen als durch jedes Konjunkturpaket, betonte der New Yorker Demokrat. Deswegen treibt Schumer zusammen mit anderen Abgeordneten nun einen Gesetzentwurf voran, der Strafzölle gegen Länder vorsieht, die der Währungsmanipulation beschuldigt werden. Innerhalb der nächsten zwei Wochen strebe er eine Abstimmung über den Entwurf an, sagte Schumer am Mittwochabend.

Allein seit April stiegen die chinesischen Ausfuhren saisonbereinigt um 10,9 Prozent. "Die Daten sind deutlich stärker als vom Markt erwartet und können Sorgen vor einem Rückfall in die Rezession zerstreuen", sagte Xie Xuecheng von Southwest Securities.

Warnung vor Optimismus

Manche Volkswirte gehen davon aus, dass angesichts eines erwarteten Kursanstiegs des Yuan Kunden der chinesischen Industrie ihre Einkäufe vorgezogen hatten und dadurch einen Teil des Mai-Anstiegs verursacht haben. Ende April/Anfang Mai war mit einer Aufwertung des Yuan gerechnet worden. Die Volksrepublik hatte im Juli 2008 im Kampf gegen die Wirtschaftskrise nach einer drei Jahre währenden Aufwertungsphase ihre Währung wieder fest an den Dollar gekoppelt. In den USA steht weiterhin eine Entscheidung darüber aus, ob China offiziell eine Manipulation des Yuan vorgeworfen werden soll. Dies wäre die Voraussetzung dafür, dass die in dem Gesetz geplanten Sanktionen erlassen werden können. Ein für den 15. April geplanter Bericht dazu wurde verschoben.

Experten warnten jedoch vor einem allzu großen Optimismus bei den Exporten: So sei unklar, wie die Schuldenkrise in Europa die Geschäfte der Exporteure belaste, sagte Xie. Europa ist der größte Übersee-Exportmarkt für China. Zudem sei der Kostendruck auf die Firmen in China groß. Zuletzt hatten mehrere Unternehmen ihre Löhne deutlich gesteigert, wie der Apple-Zulieferer Foxconn nach einer Reihe von Selbstmorden.

Auch die Importe legten im Mai kräftig zu, der Anstieg fiel mit 48,3 Prozent seit Mai 2009 etwa so stark aus wie bei den Ausfuhren. Binnen Monatsfrist gaben die Einfuhren jedoch nach. Der Handelsüberschuss stieg auf 19,53 Mrd. Dollar von gerade einmal 1,7 Mrd. Dollar im April. (APA/Reuters)

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