Die Prinzessin, der Trainer und der Drache

10. Juni 2010, 19:09
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Die Vorbereitungen laufen heiß: Am 19. Juni heiratet Kronprinzessin Victoria von Schweden Ex-Fitnessklubbesitzer Daniel Westling

Wer dieser Tage die schwedische Hauptstadt besucht, kommt am bevorstehenden Großereignis nicht vorbei. Bilder des Brautpaars allerorten - und bis zum Tag X heizt das Festival "Love Stockholm 2010" mit Musik von Oper bis Rap die Stimmung an. Wenn sich die Kronprinzessin und Daniel Westling am Samstag in einer Woche in der ehrwürdigen Storkyrkan das Jawort geben, wird in Schweden ein modernes Märchen wahr. Schließlich hielt der Weg zum Altar für die Prinzessin und den "Mann aus dem Volke" harte Prüfungen bereit - bis zuletzt.

Vor allem König Carl Gustaf begegne dem Liebsten seiner Tochter als eine Art feuerspeiender Drache, wurde gemunkelt, als 2002 Victorias Beziehung zu ihrem damaligen Fitnesstrainer öffentlich geworden war. Westling, Sohn eines Beamten und einer Postangestellten aus der Kleinstadt Ockelbo, ohne Studienabschluss und mit bescheidenen Englischkenntnissen, entsprach nicht wirklich den Erwartungen an den künftigen Prinzgemahl.

Doch der Fitness-Profi blieb am Ball. Nach etlichen Fotos, die Victoria als Taufpatin immer neuen, nur nicht des eigenen Nachwuchses zeigten, und diversen royalen Weiterbildungsmaßnahmen für Westling stand im Februar 2009 endlich die Verlobung an.

Seit der Legalisierung der Lovestory ist für Brautpaar und Königshof jedoch keineswegs alles in Butter. Im Mai 2009 musste sich Westling einer Nierentransplantation unterziehen - trotz Erklärung des Hofes, wonach die Erkrankung keinesfalls erblich sei, wiegte der eine oder andere Untertan doch bedenklich das Haupt.

Im Frühjahr 2010 ging die Negativberichterstattung in die nächste Runde: Kaum hatte Königin Silvia Gerüchte über ihre angebliche Alzheimer-Erkrankung dementiert, geriet sie mit verharmlosenden Bemerkungen über die nationalsozialistischen Aktivitäten ihres Vaters in die Kritik.

Dass Victoria nicht wie in Schweden üblich mit ihrem Zukünftigen zum Altar schreiten, sondern sich vom Vater führen lassen will, sorgte im Musterland der Gleichberechtigung für Aufregung. Und Prinzessin Madeleine sagte schließlich nach ihrer geplatzten Verlobung im April sämtliche offiziellen Termine ab und ließ sich nicht einmal zu Victorias und Daniels Aufgebot blicken.

Zwei Stunden lang winken

Trotz allem hat das Brautpaar stets tapfer gelächelt. Und der 19. Juni wird für Schwedens Monarchie-Gegner wohl ein harter Tag. Denn obgleich die Sympathien für die Monarchie als Staatsform stetig sinken, steht die bodenständige, pflichtbewusste und charmante Kronprinzessin bei den Schweden hoch im Kurs. Mit entsprechend stattlicher Dauer von mehr als zwei Stunden soll die Cortège kommende Woche möglichst vielen die Gelegenheit geben, Victoria sowie dem frischgebackenen Prinzen zuzuwinken.

Dieser wird - laut Verfügung des Königs - nicht einfach nur Prinz, sondern auch mit dem Titel "Königliche Hoheit" ausgestattet. Der Drache ist besänftigt. In Erwartung neuer potenzieller Thronerben kann das Märchen nun weitergehen. (Anne Rentzsch aus Stockholm/DER STANDARD-Printausgabe, 11.6.2010)

 

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    In Stockholm hört man bereits die Hochzeitsglocken: Am 19. Juni geben Daniel Westling und Kronprinzessin Victoria - im Bild mit einem Hochzeitsgeschenk beim Heiratsaufgebot vergangene Woche - einander das Jawort. Auf dem Weg zum Traualtar lagen dem Paar einige Steine im Weg.

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