Wende im Mordfall von Perugia

10. Juni 2010, 18:57
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Mafioso erklärt, sein Bruder habe Studentin umgebracht

Perugia/Wien - Es war ein aufsehenerregender Prozess um einen Mord ohne Motiv, Zeugen oder Geständnis und mit wenigen Indizien, in dem US-Studentin Amanda K. (22) schuldig gesprochen wurde. Der Fall, der bereits mehr als genug Stoff für einen Krimi böte, wurde nun um noch eine höchst ungewöhnliche Facette reicher: Wie mehrere US-amerikanische Medien berichten, behauptet ein inhaftierter italienischer Mafioso, die im Jänner 2010 in Perugia zu 26 Jahren Haft verurteilte K. sei unschuldig. Der wahre Mörder ihrer Mitbewohnerin Meredith K. sei sein Bruder.

Der zu 17 Jahren Haft verurteilte Luciano A. sagte demnach Amanda K.s Verteidigern, sein Bruder Antonio sei in der Mordnacht in blutverschmierter Jacke zu ihm gekommen und habe ihn gebeten, ein blutverschmiertes Messer und Schlüssel zu verstecken. Er habe ihm einen Einbruch und den Mord an einer Frau gestanden.

Besagte Gegenstände habe Luciano A. in einer kleinen Mauer seines Hauses versteckt. Nach Angaben von Amanda K.s Verteidigern, die das Interview bereits im März auf Video aufgezeichnet haben sollen, müsse das Versteck der angeblichen Beweisstücke noch untersucht werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass an der Schuld der Studentin Zweifel aufkommen. So berichtete die Tageszeitung La Repubblica im März, der ebenfalls wegen der Tat verurteilte Rudy G. habe einem Zellengenossen gesagt, weder Amanda K. noch ihr zu 25 Jahren Haft verurteilter Ex-Freund Raffaele seien zur Tatzeit im Haus gewesen. Den dreien wurde angelastet, sie hätten Meredith K. während einer Sexorgie ermordet. Rudy G. wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt.

Meredith K.s Leiche war am 2. November 2007 mit durchschnittener Kehle halbnackt in einem Haus in Perugia in ihrem Bett entdeckt worden. Die 21-Jährige war vergewaltigt und mit dutzenden Messerstichen getötet worden. (Gudrun Springer/DER STANDARD-Printausgabe, 11.6.2010)

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