Konfliktlösung auf basisdemokratisch

10. Juni 2010, 18:49
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Der in Wien unbekannte niederösterreichische Klubdirektor Spritzendorfer soll den Bezirksvorsteherposten im Achten retten

Wien - Was genau er besser kann als sein Vorgänger, weiß Alexander Spritzendorfer selbst noch nicht so genau. "Das wird sich erst herauskristallisieren" , sagt er. Der Klubdirektor der niederösterreichischen Grünen ist seit Mittwoch Abend neuer Spitzenkandidat in der Josefstadt - und soll dort der nächste grüne Bezirksvorsteher werden.

Vor fünf Jahren ergatterte Heribert Rahdjian für die Stadtökos diesen Job - und verdoppelte damit die Anzahl der grün regierten Bezirke in Wien. Rahdjian wäre auch gerne nach dem 10. Oktober Bezirkschef geblieben. Allerdings durchkreuzte die eigene Partei diesen Plan.

Obwohl von Klubchefin Maria Vassilakou abwärts sämtliche Stadtgrünen stets betonten, dass Rahdjian imAchten außerordentlich gute Arbeit leiste, wurde der 74-Jährige bei der Listenerstellung für die Wien-Wahl abgewählt.

Die basisdemokratischen Grundsätze der Ökopartei führen immer wieder dazu, dass halbwegs bekannte grüne Aushängeschilder quasi über Nacht wieder von der Bildfläche verschwinden.

"Wobei man in diesem Zusammenhang das Wort Basisdemokratie relativieren muss", sagt Politikwissenschafter Thomas Hofer, "denn in Wahrheit ist das Funktionärsdemokratie." Wer auf welchem Listenplatz lande, hänge nämlich nicht vom grünaffinen Wahlvolk ab. "Es geht vielmehr darum, wer das interne Fraktionieren am besten beherrscht."

Konflikt nun beendet?

Die grüne Truppe im Achten ist seit Jahren gespalten. Der Bezirkschef hatte einen Tag vor der Abstimmung am Dienstag im Standard-Gespräch angekündigt, nur dann auf Platz eins zu kandidieren, wenn seine grüne Stellvertreterin Doris Müller nicht auf Platz zwei lande. Denn Müller arbeite seit Jahren gegen ihn.

Die Grünen legten den Streit Mittwochabend auf ihre Weise bei. Der bisherige Spitzenkandidat wurde zugunsten eines Newcomers abgesägt, die Nummer zwei bleibt Nummer zwei. Ob die Bezirksgruppe damit langfristig befriedet ist, ist allerdings fraglich. Denn sowohl Spritzendorfer als auch Rahdjians Rivalin bekamen bei der Kampfabstimmung nur 60 Prozent.

Maria Vassilakou konnte der grünen Selbstzerfleischung im Achten nur von weitem zusehen. Auch wenn sich die Bewohner der Josefstadt weiterhin Rahdjian als Vorsteher wünschten, müsse zuerst die Bezirkspartei über die Kandidaten abstimmen. Dass es vor der Listenerstellung zu Streitereien komme, sei nichts Außergewöhnliches. "Wir können mit unserer antiautoritären Teamführungsstruktur umgehen", sagt sie. Allerdings sei der richtige Zeitpunkt verpasst worden, um den Konflikt zu befrieden.

Tägliche Bezirkstouren

Dass vier Monate vor der Wahl bei der Verteidigung eines Regierungsamtes ein bekanntes gegen ein unbekanntes Gesicht ausgetauscht wird, scheint aber auch dem neuen Spitzenkandidaten nicht ganz geheuer zu sein. "Mein größtes Problem ist, dass mich noch niemand kennt", sagt Spritzendorfer. Der ehemalige Kulturmanager gibt deshalb auch mit sofortiger Wirkung seinen Job bei den niederösterreichischen Grünen auf. "Ich werde in den nächsten Monaten viel im Bezirk unterwegs sein." (Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe, 11.6.2010)

  • Maria Vassilakou und Alexander Spritzendorfer wollen gemeinsam um die Josefstadt kämpfen.
    foto: standard/fischer

    Maria Vassilakou und Alexander Spritzendorfer wollen gemeinsam um die Josefstadt kämpfen.

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