Schwedischer Neonazi bestellte Diebstahl des Auschwitz-Schildes

11. Juni 2010, 15:50
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Millionär Lars-Göran Wahlström ist Mitglied der National-Sozialistischen Front

Warschau - Der Schwede Anders Högström, dem die polnische Staatsanwaltschaft Anstiftung zum Diebstahl der zynischen NS-Aufschrift "Arbeit macht frei" vom Eingangstor der KZ-Gedenkstätte Auschwitz vorwirft, hat angeblich den Auftraggeber der Tat verraten. Dies berichtete die Tageszeitung "Rzeczpospolita" am Donnerstag. Beim Verhör in Polen habe Högström den Namen des schwedischen Millionärs Lars-Göran Wahlström genannt. Wahlström ist ein bekannter Neonazi-Aktivist.

Die Krakauer Staatsanwaltschaft wollte die Informationen über die Verhörergebnisse weder bestätigen noch dementieren. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Boguslawa Marcinkowska, erklärte gegenüber der Zeitung, dass die Ermittler einen weiteren Antrag über Rechtshilfe nach Schweden richten wollen. Die "Rzeczpospolita" erfuhr inoffiziell, dass darin die polnische Seite ein Verhör Wahlströms in Schweden beantragen wird.

Bekannter Neonazi-Finanzier

Laut der Zeitung ist Lars-Göran Wahlström ein Freund Högströms und leistet ihm seit Jahren finanzielle Hilfe. In der Vergangenheit war Wahlström Anführer einer Neonazi-Partei in Schweden. Er gehörte der National-Sozialistischen Front an, welche die Demokratie über einen parlamentarischen Weg beseitigen wollte.

Die Aufschrift "Arbeit macht frei" wurde im Dezember 2009 entwendet, was weltweites Medienecho auslöste. Am 20. Dezember stellte sie die polnische Polizei in einem Dorf bei Torun (Thorn) sicher; sie war in drei Teile zersägt worden. Ein Krakauer Gericht verurteilte im März drei Polen wegen der Ausführung des Diebstahls zu Haftstrafen zwischen eineinhalb und zweieinhalb Jahren. Sie hatten nach ihrer Festnahme ein Geständnis abgelegt und eine Strafe ohne Verhandlung beantragt. In Untersuchungshaft sitzen immer noch zwei weitere Polen, die in den Diebstahl verwickelt sein und Kontakte zu Högström unterhalten haben sollen.

Högström (35) war im Februar in Schweden festgenommen und zwei Monate später an Polen ausgeliefert worden. Wahlström hatte im Jänner in der Stockholmer Zeitung "Expressen" erklärt, er habe mit dem Diebstahl des Auschwitz-Schildes nichts zu tun. Derartige Behauptungen seien "freie Fantasie" von Högström, der damit Geld verdienen wolle. (APA)

  • Millionär Lars-Göran Wahlström bei einem Neonazi-Treffen in Stockholm (Archivbild aus dem Jahr 2005)
    foto: epa

    Millionär Lars-Göran Wahlström bei einem Neonazi-Treffen in Stockholm (Archivbild aus dem Jahr 2005)

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