Makelloser Abschied

10. Juni 2010, 18:16
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Speras Abschied war berührend, weil er von Anfang bis Ende Hollywood-reifer Theatralik folgte

Mit ihrem letzten Auftritt sicherte sich Danielle Spera ihren Fixplatz in der Liste legendärer ZiB-Auftritte. Künftig wird nicht mehr Ingrid Thurnher alleine an erster Stelle aufscheinen, wie sie sich mit Otto Waalkes freundschaftlichem Ringelpiez hingibt. Wie in einem Teil der Donnerstag-Ausgabe berichtet, gab Spera wegen Heiserkeit w. o. Den Abend, an dem es "Frau ZiB" die Stimme verschlug, werden Zuschauer ebenfalls als sympathisches "Hoppala" schätzen. Dabei war es weit mehr als das.

Dass sie, die sich 22 Jahre lang keine Blöße vor der ZiB-Kamera gab, just bei ihrem letzten Auftritt aufgeben muss, könnte einem Drehbuch entspringen: Speras Abschied war berührend, weil er von Anfang bis Ende Hollywood-reifer Theatralik folgte.

Ihr bekümmerter Blick schon in der ersten Einstellung nimmt die Tragödie vorweg, ohne die Spannung zu nehmen: Noch bevor Spera ein Wort sagt, lesen Zuschauerinnen und Zuschauer aus ihren Augen: Heute stimmt etwas nicht. Nach den ersten gekrächzten Sätzen ist klar, was los ist. Eine Identifikationsfigur ist geschaffen, jetzt hat sie die Herzen des Publikums für sich gewonnen.

Vor dem dritten Beitrag dann der symbolische Höhepunkt: Die Regentin übergibt an den Kronprinzen: "Tarek, bitte" - und senkt in Demut das Haupt. In Tarek Leitners Solomoderation zeigt sich gleichzeitig Speras Stärke: das Geschehen im Hintergrund zu überwachen, Fäden zu ziehen, wo immer und so lange es geht.

So war dieser Abschied makellos und perfekt wie Danielle Spera selbst in ihren 32 ORF-Dienstjahren. Für den Fauxpas sorgten andere: Einen weniger geschmacklosen Blumenstrauß hätte sie sich wirklich verdient. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2010

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    foto: orf/ali schafler
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