Ein paar tausend Kehlen für ein Halleluja

10. Juni 2010, 17:54
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In Südafrika blühen evangelikale Massenkirchen – Zielgruppe sind reiche Jugendliche

Randburg/Nairobi - "Alle zusammen, springt auf und ab im Namen Gottes." Das lassen sich die Jugendlichen in der Rhema-Kirche am Stadtrand von Johannesburg nicht zweimal sagen. Pastor Mark springt mit. Von seiner Kanzel aus Plexiglas predigt Mark, Anfang 30 und mit blondiertem Bürstenschnitt, das Wichtigste zuerst: "Alle CDs im Kirchenshop kosten heute 20 Prozent weniger."

"Mehr als nur Kirche", steht vor dem protzigen Bau in Stil und Ausmaß einer Kongresshalle, ein paar hundert Meter von der nächsten Autobahnabfahrt entfernt. Die Parkplätze sind voll, wer hierher kommt, hat Geld. "Wir haben 1979 angefangen, mit 18 Leuten", sagt Kirchengründer Ray McCaulay. "Heute haben wir allein hier 48.000 Gemeindemitglieder." Seine Rhema-Kirche ist nur eine der Pfingstkirchen, deren Mitgliederzahlen förmlich explodieren. "Glaube, sei dabei, mach was aus dir", ist der Wahlspruch.

In Religionsfragen ist man konservativ. "Wir predigen Abstinenz vor der Ehe, obwohl wir natürlich wissen, dass es die hier selten gibt - aber etwas anderes können wir theologisch nicht vertreten" , gibt sich McCaulay pragmatisch. Seine Kirche bietet Lebenshilfe in allen Lagen. Dazu gehört vor allem die Frage: "Wie werde ich reich?".

So dreht sich Pastor Marks Predigt um eine Woche ohne Geld: der Tank war leer, dabei wartete die ganze Zeit der Brief einer ungeliebten Tante in Marks Küche, in den sie - unverhofft - einen Geldschein gesteckt hatte. "Ich habe eine Woche gelitten, aber das Geld war da", ruft er. "Gottes Gnade gibt uns alles, was wir brauchen, wir müssen nur an ihn glauben." Dann lässt Mark den Saal aufstehen. "Jetzt nehmt eure Kollekte in die Hand und legt sie in die Körbe, wer gegeben hat, darf sich setzen."

Mehrmals wöchentlich kommen die Rhema-Mitglieder zu Gemeindeaktivitäten, "auf der Suche nach einem spirituellen Erlebnis", so McCaulay. Im Auditorium mit 7000 Stühlen finden sonntags fünf Gottesdienste hintereinander statt, alle gut besucht. Wie viel Geld er jeden Sonntag einsammelt, will McCaulay, der in seiner Freizeit Oldtimer sammelt und jeden Sonntag im Privatjet von Durban einschwebt, nicht sagen. Peinlich ist es ihm aber nicht, dass er mit seiner Kirche reich geworden ist. "Wir sind ein neuer Typ Kirche, eine Gemeinschaft junger Prägung, anders eben", sagt er. (DER STANDARD, Printausgabe 11.6.2010)

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