Unauffällig und geradlinig an die Spitze

10. Juni 2010, 17:48
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Der Rechtsliberale Mark Rutte, Favorit für das Amt des Premiers, punktete mit positiven Botschaften

Den Haag - Die Vorstellung, dass die Niederlande mit Mark Rutte erstmals seit fast 100 Jahren wieder einen liberalen Regierungschef bekommen könnten, ist für viele gewöhnungsbedürftig. 43 Jahre, randlose unauffällige Brille, jungenhaftes Lächeln: Rutte sieht aus wie ein braver adretter Collegeboy. "Mr. Tefal" wird er auch genannt, weil alles von ihm abgleitet. Wer Streit mit ihm bekommen will, muss sich ins Zeug legen: "Das lässt sein Temperament einfach nicht zu", sagen Feunde.

So unauffällig und ruhig, wie er aussieht, verlief auch sein Aufstieg: "Rutte konnte seine Position in aller Ruhe und Stille ausbauen", sagt Kees Aarts, Politologieprofessor an der Universität Twente. Schon als Schüler fiel der Sohn einer Unternehmerfamilie aus dem schicken Haager Viertel Benoordenhout kaum auf: Die Lehrer beschreiben ihn als "ruhig und fleißig". Er kennt nur zwei Hobbies: Klavierspielen und Politik. Bereits mit 17 wird er Mitglied der rechtsliberalen Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD). Doch nach dem Geschichtestudium in Leiden entscheidet sich Rutte für die Wirtschaft: Von 1992 bis 2002 arbeitet er als Manager bei Unilever, wird dann aber für die VVD Staatssekretär im Sozialministerium, zwei Jahre später im Unterrichtsressort.

2006 steigt er zum Parteiführer auf und schlägt seine größte Kontrahentin, die ehemalige Integrationsministerin Rita Verdonk, aus dem Feld - mit der knappen Mehrheit von 51 Prozent. So wie Geert Wilders verlässt auch Verdonk die VVD im Streit; was Integration und Immigration betrifft, bleibt die Partei zerstritten.

Doch Rutte hat das Glück, dass die Rezession im Wahlkampf 2010 zum zentralen Thema wird: So kann er sich als ruhiger, zuverlässiger Skipper präsentieren, der "das Land aus der Krise lotsen" will - und die VVD als "Partei des Optimismus und der Hoffnung für alle, die aus ihrem Leben etwas machen wollen".

Unverbraucht wie er wirkt, trauen ihm viele Wähler das zu, erst recht, nachdem der große Unbekannte ihnen einige Einblicke in sein Privatleben gegönnt hat: So wissen die Niederländer inzwischen, dass Rutte gerne Ski fährt - wobei sein Stil so ist wie sein Auftreten in der Politik: aufrecht und immer geradeaus. Sein Liebesleben allerdings ist für die Niederländer immer noch ein unbeschriebenes Blatt. Im Wahlkampf musste er sich deshalb als homosexuelles Muttersöhnchen karikieren lassen. Aber, so Rutte: "Frauen wollen immer gleich zusammenwohnen und Kinder kriegen", er hingegen findet es "herrlich, alleine zu sein". (kes, DER STANDARD, Printausgabe 11.6.2010)

  • "Mr. Tefal" wird Mark Rutte auch genannt - weil alles von ihm abgleitet.
    foto: epa/lex van lieshout

    "Mr. Tefal" wird Mark Rutte auch genannt - weil alles von ihm abgleitet.

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