In Kanada droht nächste Eskalationsstufe

10. Juni 2010, 16:19
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Noch nie so viele Teamduelle und Titel-Kandidaten: Bei Red Bull, McLaren, Mercedes und Ferrari brennt die Lunte

Montreal - In einem Rennstall und doch die größten Rivalen: Selten hat die Formel 1 so viele brisante Teamduelle erlebt wie in diesem Jahr. Vettel gegen Webber, Button gegen Hamilton, Alonso gegen Massa, Schumacher gegen Rosberg - in den vier führenden Teams von Red Bull, McLaren, Ferrari und Mercedes herrscht ein angespanntes Betriebsklima.

Schon beim Großen Preis von Kanada am kommenden Sonntag in Montreal (18.00 MESZ live ORF 1; Co-Kommentator ist wieder Karl Wendlinger weil Alex Wurz in Le Mans startet) droht die nächste Eskalationsstufe. Schon lange gab es nicht mehr so viele Titelkandidaten. Doch wer um die WM-Krone mitfahren will, muss zunächst einmal den Teamkontrahenten besiegen. "Teamkollegen können keine Freunde sein" - Niki Laudas Worte von einst gelten heute mehr denn je.

Keine Freunde

Manchem Verantwortlichen in den Rennställen können die Duelle nur recht sein. Reibung erzeugt Energie. Daher weist niemand einem seiner Fahrer auch öffentlich den Nummer-1-Status zu. Beispiel Red Bull Racing: "Wir haben intern diskutiert, dass kein Fahrer in irgendeiner Weise bevorzugt wird", sagte Sebastian Vettel in der BBC wenige Tage nach dem Versöhnungstreffen mit Mark Webber wegen ihres Crashs von Istanbul. "Wir gehen raus und versuchen herauszufinden, wer der bessere ist, so wie es sein sollte."

Doch längst wird darüber spekuliert, dass der 22 Jahre alte Deutsche besser ins Marketingkonzept des Energydrink-Herstellers und Team-Namensgebers aus Österreich passt als der elf Jahre ältere Webber. Der Australier hält sich aber nicht an das Saison-Drehbuch bei Red Bull. Statt Vettels Schattenmann zu sein, ärgert er den unter Druck fehleranfälligen Jungstar als WM-Führender. Vettel ist nur Fünfter. Und er weiß jetzt schon: Auch 2011 wird Webber ihm einheizen.

Weltmeister und Ex-Weltmeister

Doch auch bei Red Bulls derzeit schärfstem Konkurrenten McLaren brennt die Lunte. Die beiden Profiteure des stümperhaften Kollision von Vettel und Webber in der Türkei hätten sich beinahe ebenfalls von der Piste gerammt: Lewis Hamilton war alles andere als "amused", dass ihm sein britischer Landsmann Jenson Button mit einem beherzten Angriff beinahe noch den Sieg in der Türkei vermasselt hätte. Mit der Anweisung, Benzin zu sparen und Reifen zu schonen, pfiff Teamchef Martin Whitmarsh den Weltmeister zurück.

Besonders brisant: Beim Rennen am Sonntag auf der Ile Notre Dame in Montreal dürfen sich Button (88 Punkte) und Hamilton (84) als Zweiter und Dritter Hoffnungen machen, Webber (93) von der WM-Spitze zu verdrängen. Ihr McLaren-Dienstwagen passt zum "Circuit Gilles Villeneuve" mit seinen langen Geraden und engen Kurven. "Die nächsten beiden Strecken sind welche, auf denen wir gut aussehen werden", blickte Whitmarsh auch schon auf das Rennen in Valencia.

Verschwörungstheorien haben derzeit Hochkonjunktur bei Mercedes GP. Angeblich werde der 41-jährige Michael Schumacher seinem 17 Jahre jüngeren Teamkollegen Nico Rosberg bevorzugt. Seine enges Verhältnis zu Teamchef Ross Brawn, mit dem Schumacher alle seine sieben WM-Titel gewann, zahle sich aus.

Jungstar und Altmeister

Auch der vor einem Monat runderneuerte Silberpfeil passe besser zu dem Rückkehrer als zu Rosberg. Das Ergebnis: Schumacher holte in den letzten drei Rennen 24, Rosberg 16 Zähler. Im Gesamtklassement steht der in Monaco lebende Jungstar mit 66 Punkten als Achter allerdings einen Platz vor dem PS-Senior (34). Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug wehrt alle Spekulationen ab und betont, dass bei Mercedes alle Fahrer gleich behandelt werden.

Schumachers Ex-Team Ferrari setzt vor allem auf Fernando Alonso. Doch Felipe Massa gibt sich längst nicht gegen den momentanen WM-Vierten aus Spanien geschlagen, auch wenn er als treuester Wasserträger in der Szene gilt. Anders als der zweimalige Weltmeister hat der Brasilianer in allen Rennen Punkte geholt. Seine Konstanz brachte ihm immerhin eine Vertragsverlängerung bis 2012 ein.

Dass sich Alonso, der 2007 bei seinem einjährigen Intermezzo bei McLaren ein erbitterten Kampf mit Hamilton lieferte, als Nummer eins bei der Scuderia sieht, zeigte er beim Großen Preis von China. In der Boxeneinfahrt in Shanghai bremste er Massa aus. (APA/dpa)

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    Posthume Grüße an den Namensgeber des Circuit Gilles Villeneuve neben der Start-Ziel-Linie in Montreal.

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