Auch schonendere Therapie hilft

10. Juni 2010, 15:30
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Bei älteren Patienten längere Strahlentherapie verzichtbar

Wien/Chicago - Es muss nicht immer die "schärfste" Anti-Tumor-Therapie sein. Beim jährlich größten internationalen Onkologiekongress (ASCO), der in den vergangenen Tagen in Chicago in den USA ablief, wurde unter anderem eine Studie präsentiert, wonach man bei älteren Patienten mit Gehirntumoren auf eine längere Strahlentherapie verzichten kann. Die Untersuchung lief unter Mitwirkung von Wiener Onkologen (MedUniWien/AKH).

In Österreich werden pro Jahr etwa 1.700 primäre Gehirntumore neu diagnostiziert. Am häufigsten ist das gefährliche Glioblastom, für das im Jahr 2005 unter Mitarbeit der MedUni Wien eine weltweit angewendete Standardtherapie etabliert werden konnte. Durch Einführung dieser gut verträglichen Therapie konnte der Anteil der Patienten, die zwei Jahre nach der Diagnosestellung noch leben, von zehn auf 26 Prozent erhöht werden. Dieses Behandlungsregime gilt für 18- bis 65-jährige Erkrankte und besteht aus einer Operation des maximal entfernbaren Tumorgewebes sowie einer anschließenden sechswöchigen kombinierten Strahlen- und Chemotherapie gefolgt von einer Chemotherapie über sechs Monate. Die Chemotherapie erfolgt in Tablettenform, die im Regelfall eine ambulante Therapie erlaubt.

Relevant für die Praxis

Beim ASCO wurde nun eine Studie unter Mitwirkung von Christine Marosi (Universitätsklinik für Innere Medizin I), und Karin Dieckmann (Universitätsklinik für Strahlentherapie), präsentiert, die zeigt, dass in der Altersgruppe über 60 Jahren eine weniger belastende zweiwöchige Strahlentherapie oder alleinige Chemotherapie nicht schlechter ist als eine lange Strahlentherapie. Daher ist für ältere Patienten die belastende lange Strahlentherapie über sechs Wochen nicht mehr notwendig. Diese neuesten Studienergebnisse sind daher hochrelevant für die tägliche Praxis.

Zwei weitere Studien an der MedUni Wien befassen sich zurzeit mit der Möglichkeit einer Impfung gegen Hirntumor sowie der Antiangiogenese, also der Hemmung der Gefäßneubildung durch Medikamente, wodurch die Tumorversorgung mit Nährstoffen unterbunden wird. Dieses Verfahren scheint bei bösartigen Hirntumoren sehr wirksam zu sein und könnte zu einer weiteren Zunahme von "Langzeitüberlebenden" führen. (APA)

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