Südafrika: In Teilen rein, als Auto wieder raus

10. Juni 2010, 16:55
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Die ganze Welt schaut nach Südafrika. Kia und Hyundai sponsern. VW, BMW, Toyota und Co bauen Autos dort. Kleines Porträt einer jungen Autonation

Ab heute ist Fußball-WM, und es ist noch kein Jahr her, dass im November 2009, in Uitenhage, der letzte Einser-Golf vom südafrikanischen Band lief. Gut, der Golf Nummer 517.384 hieß nicht mehr Golf, sondern seit 1984 Citi, aber das war es dann schon mit den Unterschieden. Und so ist der Golf auch das meistverkaufte Heckklappenfahrzeug Südafrikas.

Doch der Ur-Golf war nicht der einzige VW, der 2008 mehr als 91.000-mal in Südafrika produziert wurde. Ab den 1990er-Jahren wurden in Südafrika auch Jettas gebaut - vorwiegend für den Export. Aufgrund der Nachfrage im abwrackenden Deutschland war das Werk 2009 mit der Polo-Produktion auch gut gebucht. Mit 3057 Stück ist der Polo der meistverkaufte VW im Mai 2010 in Südafrika. Insgesamt wurden im Mai mehr als 6000 Volkswagen verkauft, 7860 Polos wurden exportiert, zum Teil nach Europa, aber auch nach Asien. Und damit rangiert VW auf der Bestenliste schon auf Platz zwei.

Ganz oben auf dem Podest steht Toyota, die Japaner bauen zum Beispiel den Corolla in ihrem Werk in Durban. Ein Blick auf die aktuellen Verkaufszahlen zeigt, dass Toyota monatlich rund 2000 Fahrzeuge mehr verkauft als VW. "Toyota ist der Tophersteller, betrachtet man die Verkaufszahlen, und führt auch bei den Nutzfahrzeugen" , erklärt Francois Rabe, Herausgeber des südafrikanischen Wiel Magazins.

Toyotas Topseller sind, anders als man vielleicht erwarten würde, Corolla, Verso, Auris. "Die B- und C-Segment-Autos mit Fließheck sind in Südafrika am beliebtesten, erst dann kommen die leichten Nutzfahrzeuge wie der Toyota Hilux mit einfacher oder doppelter Kabine" , klärt Rabe auf, "besonders beliebt sind aber auch deutsche Luxusmarken wie die 3er-Serie von BMW und die C-Klasse von Mercedes. Das liegt daran, dass die etwa gleich viel kosten wie ein Honda Accord oder ein Mazda 6."

Auch der 3er-BMW wird in Südafrika gebaut - fast 48.000 Fahrzeuge waren es 2008. Nun ja, gebaut: Er wird vorwiegend in Teilen importiert und dann in Südafrika zusammengebaut. Das liegt daran, dass beim Einführen von Neuwagen nach Südafrika eine Importsteuer von 25 Prozent anfällt, während Autoteile steuerfrei importiert werden können. So schützt Südafrika den drittgrößten Wirtschaftszweig des Landes.

Doch die Krise hat ihre Spuren hinterlassen: Waren es 2006 noch über 480.000 Neuwagen, die in Südafrika verkauft wurden, waren es 2009 nicht einmal mehr 260.000, gibt die NAAMSA, die National Association of Automobile Manufacturers, an. Zum Vergleich: Obwohl Österreich nur rund ein Sechstel der Einwohner Südafrikas hat, wurden bei uns 2009 fast 320.000 Autos neu zugelassen.

Fast doppelt so viele Exporte wie Neuzulassungen verzeichnet Mercedes-Benz, die ja die C-Klasse in East London bauen. Gegründet wurde das Werk 1948, heute beschäftigt es fast 2500 Mitarbeiter, die Rechts- und Linkslenker-Sterne bauen. Seit 2000 werden Limousinen in andere Rechtslenkermärkte exportiert, seit dem Produktionsstart der neuen C-Klasse im Jahr 2007 werden auch Linkslenker für die USA gebaut. Nach mehr als der Verdopplung der Produktionszahl 2008 auf über 51.000 Fahrzeuge waren es 2009 rund 10.000 Autos weniger, die den Produktionsort verließen.

Und dann noch die anderen

Neben den bereits erwähnten Herstellern produzieren aber noch weitere Autobauer in Südafrika. Am bekanntesten dürfte dabei noch sein, dass Renault den Sandero baut. Dass Ford den Focus, Mazda den 3, GM seinen Corsa und zum Beispiel Nissan den Tiida hier fertigt, wissen aber nur mehr wenige. Dazu kommen noch die leichten Nutzfahrzeuge wie der Ford Ranger, der Nissan NP200 oder der Mitsubishi Triton. Bei den schweren Nutzfahrzeugen ist die Liste noch länger. Hier reiht sich Fiat an Volvo, MAN an DAF und Iveco an Tata.

Aber was ist mit den Sponsoren der Fußball-WM: Hyundai und Kia? Die bauen nicht in Südafrika, aber preschen voran, wie Francois Rabe erkennt: "Hyundai und Kia verzeichnen Zuwächse bei den Verkaufszahlen - da sind offizielle Sponsorfahrzeuge für das Event mit dabei -, aber auch der Flottenanteil durch die Leihfahrzeugfirmen steigt. Insgesamt macht das ein Plus von rund zehn Prozent aus."

Etwa eine Dekade hat Hyundai gebraucht, um sich am südafrikanischen Markt zu etablieren, und schon wächst die Angst vor den Chinesen, welche die gleichen Verkaufszahlen viel schneller erreichen könnten. Doch Hyundai profitiert davon, dass SUVs auch in Südafrika immer beliebter werden: Der Tucson war im Sommer 2009 der meistverkaufte SUV des Landes - der Marktanteil lag damals knapp über acht Prozent.

Von solchen Zahlen kann Peugeot nur träumen - die Marke mit dem Löwen im Emblem liegt unter einem Prozent. Und mit rund 15.000 Löwen in Südafrika ist die Wahrscheinlichkeit, auf einen echten zu treffen, höher als die, einen vierrädrigen, französischen zu sehen - auch wenn der 3008 seine Jagd gerade erst beginnt und lossprintet wie ein Stürmer, der kein Abseits zu fürchten braucht. (Guido Gluschitsch/DER STANDARD/Printausgabe/11.06.2010)

  • BMW Werk Rosslyn.
    foto: bmw

    BMW Werk Rosslyn.

  • Citi: Das meistverkaufte Heckklappenfahrzeug Südafrikas.
    foto: werk

    Citi: Das meistverkaufte Heckklappenfahrzeug Südafrikas.

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