Duell der Durchgestolperten

10. Juni 2010, 16:17
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Weltmeister von '98 auf Form­suche. Uruguay mit erfolgreichen Vorbereitungsspielen und 21 Legionären

Das Erstaunlichste an der französischen Equipe ist wohl, dass ihr eigenwilliger Trainer - Raymond Domenech - nach wie vor im Amt ist. Der 8-fache Nationalspieler konnte stets überraschen, positiv wie negativ. Die Vorzeichen der heurigen Weltmeisterschaft ähneln 2006.

Den größten Coup schaffte Domenech vor vier Jahren in Deutschland. Nach einer, dank zahlreicher Remis, holprigen Qualifikation gelang in der Endrunde der Finaleinzug gegen Gegner wie Spanien und Brasilien. Nur zwei Sommer später war man wieder am Boden der Tatsachen. Die EM-Teilnahme 2008 endete bereits nach der Gruppenphase, in der es gegen Italien, Rumänien und Holland nichts zu lachen gab. Die Enttäuschung in der "Grande Nation" war riesig, der Vertrag des viel kritisierten Nationalcoachs wurde trotzdem verlängert.

Der steinige Weg nach Südafrika

Für die Endrunde in Südafrika folgte eine Qualifikation, die für die Equipe Tricolore noch mühsamer verlief als 2006. Zum Start setzte es im Wiener Happel-Stadion gleich eine 3:1 Auswärtsniederlage, am Ende schaffte man es auf Platz Zwei hinter Serbien ins Play-Off. Dort musste es dann Handballkönig Henry im Rückspiel richten, damit Gallas die Franzosen in der Verlängerung zur Endrunde köpfen konnte. Die schwer erzürnten Iren mussten zu Hause bleiben.

In den bisherigen Testspielen gab es wenig Licht und viel Schatten. Am erfreulichsten bilanzierte noch das 2:1 gegen Costa Rica Ende Mai. Gegen Tunesien langte es nur für ein Unterschieden, Spanien setzte sich im Stadion Paris-Saint Denis gar mit 0:2 durch. Zuletzt blamierte Frankreich sich in der Generalprobe auf dem Eiland Reunion mit einem 0:1 gegen China.

Kaum Personalsorgen

Vom Verletztungspech blieb man dafür weitgehend verschont, lediglich Lassana Diarra bleibt wegen Erschöpfung zu Hause. Gallas Wadenverletzung hingegen machte rechtzeitig keine Probleme mehr. Auf Viera sowie die Jungstars Benzema und Nasri verzichtete Domenech schlichtweg.

Der WM-Kader besteht aus einer bunten Mischung von Routiniers und jüngeren Semestern, das Durchschnittsalter des 23-Mann-Kaders liegt etwas über 25 Jahren - jener der Startaufstellungen dürfte darüber liegen. Zu den bekanntesten Spielern zählen Bakary Sagna, William Gallas, Abou Diaby (Arsenal London), Eric Abidal, Thierry Henry (FC Barcelona), Franck Ribery (Bayern München), sowie Patrice Evra (Manchester United) und Nicolas Anelka (FC Chelsea). Hoch gehandelt wird auch der 23-jährige Torwart Hugo Lloris (Olympique Lyon).

Auch Uruguay mit Zitter-Quali

Nach einer Auszeit 2006 spielt heuer wieder der erste und insgesamt zweifache Fußballweltmeister der Geschichte mit. Dank der Summe kleinerer Ausrutscher (etwa Unentschieden gegen Venezuele und den Gruppenletzten Bolivien) zitterte sich Uruguay letztlich durch die Relegation gegen Costa Rica (1:0, 1:1) zur WM.

Die Erinnerungen an die Endrunde in Japan und Südkorea sind jedoch nicht die besten. Nach einer 1:2 Niederlage gegen Dänemark trotzte man Frankreich ein 0:0 und dem Senegal ein spektakuläres 3:3 ab, ehe man als Drittplatzierter der Vorrundengruppe zurück nach Südamerika flog. Auch heuer gelten die Urus gemeinsam mit Südafrika als die Außenseiter der Gruppe A.

Kaum Verletzungen, viele Legionäre

Testspiele absolvierten die Charruas ("Die Himmelblauen") lediglich Zwei, die beide klar gewonnen wurden. Anfang März bezwang man die Schweiz 3:1, Ende Mai wurde Israel gar mit 4:1 abgefertigt.

Verletzungspech kennt der legionärsgespickte Kader von Oscar Washington Tabarez keines, die Stardichte hält sich aber in Grenzen. Names to know: Jorge Fucile, Alvaro Pereira (FC Porto), Maximilano Pereira (Benfica Lissabon), Ignazio Gonzalez (Valencia), Luis Soarez (Ajax Amsterdam) und natürlich Europa League Gewinner Diego Forlan (Atletico Madrid). Lediglich Zwei Kicker verdienen ihre Brötchen in der heimischen Liga, der Rest verstreut sich über Südamerika und Europa. (red)

 

Statistik

Frankreich : Uruguay

3 Spiele bisher

Siege: 1:1

Remis: 2

Tore 3:2

Letztes Spiel: 0:0 (6.6.2002, Busan, WM 2002 Gruppe A)

 

Redaktionstipp

derStandard.at/Sport gibt dem Favoriten den Vorzug, Frankreich gewinnt 1:0

 

Technische Daten und möglichen Aufstellungen zu den Freitag-Spielen der 19. Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika:

Gruppe A:

URUGUAY - FRANKREICH (20.30 Uhr, Kapstadt, Green Point Stadium, SR Yuichi Nishimura/Japan)

Uruguay: 1 Muslera - 6 Victorino, 2 Lugano, 3 Godin - 16 M. Pereira, 15 Perez, 17 Arevalo, 11 A. Pereira - 18 I. Gonzalez - 10 Forlan, 9 Suarez

Ersatz: 12 Castillo, 23 Silva - 4 Fucile, 5 Gargano, 7 Cavani, 8 Eguren, 13 Abreu, 14 Lodeiro, 19 Scotti, 22 Caceres, 21 S. Fernandez, 23 A. Fernandez

Keine Ausfälle

Teamchef: Oscar Tabarez

Frankreich: 1 Lloris - 2 Sagna, 5 Gallas, 3 Abidal, 13 Evra - 8 Gourcuff, 14 Toulalan, 15 Malouda - 10 Govou, 21 Anelka, 7 Ribery

Ersatz: 16 Mandanda, 23 Carrasso - 4 Reveillere, 6 Planus, 9 Cisse, 11 Gignac, 12 Henry, 17 Squillaci, 18 Diarra, 19 Diaby, 20 Valbuena, 22 Clichy

Keine Ausfälle

Teamchef: Raymond Domenech

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bei der WM 2002 trennten sich Frankreich und Uruguay torlos

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