Cousteau und die "Geheimnisse des Meeres"

12. Juni 2010, 18:04
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Jacques-Yves Cousteau, Meeresforscher, Umweltschützer und Dokumentarfilmer, brachte seine Lieblingswelt Millionen von Haushalten näher

Paris - Vor Jacques-Yves Cousteau war das Meer eine unbekannte Welt, so wie unser Sonnensystem, bevor die ersten Fotos von Jupiter, Mars, Venus und Merkur entstanden sind. Mit seinen einzigartigen Aufnahmen des bunten und bizarren Lebens unter Wasser brachte der französische Tiefseetaucher die "Geheimnisse des Meeres", wie er eine seiner berühmtesten TV-Serien nannte, in Kinos und in Millionen von Haushalten.

Der Herr der Meere entwickelte unter anderem die Aqua-Lunge, einen Taucheranzug mit Pressluftflasche, und unterwassertaugliche Kameras. Mit seiner roten Wollmütze und seinem Forschungsschiff "Calypso" wurde Cousteau zu einer Legende und zu einem Symbol für den Kampf gegen Ausbeutung und Verschmutzung der Ozeane. Am Freitag wäre der Champion der Meere 100 Jahre alt geworden.

Einer der ersten Unterwasserfilmer

"Viele Menschen kämpfen gegen das Meer. Ich liebe es", lautete das Credo des Meeresforschers, Umweltschützers und Dokumentarfilmers. Cousteau, der am 25. Juni 1997 im Alter von 87 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben ist, hat seiner Nachwelt unzählige Bücher und mehr als 100 Dokumentarfilme von einer Unterwasserwelt hinterlassen, die heute so nicht mehr existiert. Er war der erste, der die Gesänge der Buckelwale aufnahm. Tunfische, Haie oder Wale, die der in der Nähe von Bordeaux geborene Forscher vor seiner Kamera zu hunderten filmte, sind heute stark bedroht. Cousteau war neben dem Österreicher Hans Hass einer der ersten Unterwasserfilmer. Zu seinen größten Erfolgen gehört der Kinofilm "Die schweigende Welt", für den er 1956 bei den Filmfestspielen in Cannes die begehrte "Palme d'Or" erhielt.

Aus seiner anfänglichen Tauchbegeisterung wurde Liebe zum Meer, die ihn zum Umweltschützer und Visionär werden ließ. "Ich habe gesehen, wie die Fische sterben, die ich liebe, ich habe nach dem Grund gesucht. Der Mensch ist schuldig", erklärte Cousteau, für den nicht die Technik das Übel der Menschheit ist, sondern die Menschen, die die Technik benutzen.

Rampenlicht und Politik

Cousteau stand ungern im Rampenlicht, war zurückhaltend und ein Schweiger, wenn es um seine Person ging. Er hasste die Welt des Scheins und mischte sich nur unter die Großen und Mächtigen der Welt, wenn es darum ging, seinen Namen in den Dienst seiner Sache zu stellen und nicht umgekehrt. Auf der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro im Jahr 1992 erschien er als einziger Nichtpolitiker auf dem Gruppenfoto der Staatsmänner. "JYC" oder "Jique", wie ihn seine Mitarbeiter riefen, nahm kein Blatt vor den Mund. Chirac kritisierte er offen für die Atomtests im Südpazifik und dem damaligen Umweltminister Brice Lalonde sprach er jegliche Kompetenz ab. "Lalonde? Der stellt keine Autorität da, die es zu überzeugen gilt", erklärte Cousteau.

Die Kritik, er lasse sich und seine Expeditionen von Industriekonzernen finanzieren, konnte seinem Ruhm und seiner Beliebtheit keinen Schaden zufügen. "Commandant Cousteau", wie die Franzosen den ehemaligen Korvettenkapitän nannten, stand jahrelang an der Spitze der beliebtesten Persönlichkeiten. 1989 wurde er sogar in die renommierte Academie française aufgenommen, eine der wichtigsten Institutionen des geistigen Lebens Frankreichs.

Tieftauchrekord

Cousteau war ein begnadeter Taucher und Wissenschafter. Mit 90 Metern hielt er 1947 den Tieftauchrekord. Um in die größten Meerestiefen hinabsteigen zu können, entwickelte er seine Geräte und Fortbewegungsmittel immer weiter. So erfand er den ersten Unterwasser-Scooter, die berühmte tauchende Untertasse und immer bessere tiefseetaugliche Kameras.

1950 schenkte ihm der irische Bierbrauer Guinness ein ausrangiertes Minenräumboot, das er zu seinem berühmten Forschungsschiff "Calypso" umbaute, mit dem er in Richtung Rotes Meer und Antarktis aufbrach. Es soll bald wieder in See stechen. Mit 63 Jahren gründete er schließlich die millionenschwere Cousteau-Gesellschaft, die sich heute noch um sein Erbe kümmert: den Erhalt des Lebens unter Wasser.

Kriegsmarine

Eigentlich wollte der Sohn eines Rechtsanwalts Flieger werden. Ein schwerer Autounfall jedoch machte seinen Berufswunsch des Piloten zunichte. Und so trat Cousteau in die Kriegsmarine ein, baute die französischen Waffentaucher auf und filmte Schiffswracks auf dem Grund des Meeres. Als er 1950 die Marine im Rang eines Korvettenkapitäns verließ und mit seiner Kamera begann, in die Tiefen vorzudringen, leistete er Pionierarbeit: "Ich war in einem Dschungel, der noch nie von all denen erblickt worden ist, die sich auf der undurchsichtigen Erdoberfläche bewegen", sagte der Herr der Tiefe nach seinem ersten Tauchversuch 1936 bei Le Mourillon im Osten von Toulon. (APA)

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    Jacques-Yves Cousteau, aufgenommen im Oktober 1974

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