Debatte um Polygamie kocht hoch

10. Juni 2010, 12:31
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Einwanderungsminister Besson will Verbot: "Juristisch nicht einfach zu definieren" - Entzug der Staatsbürgerschaft bei Verstoß vorgesehen

Paris - Die Debatte um ein schärferes Vorgehen gegen Polygamie in Frankreich weitet sich aus. Der französische Einwanderungsminister Eric Besson warnte mit Blick auf eine mögliche Gesetzesänderung vor juristischen Problemen. "Sogenannte faktische Polygamie juristisch zu definieren ist sicher nicht ganz einfach", sagte Besson am Donnerstag dem Sender LCI. Er schloss aber nicht aus, das Gesetz an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen, wie es Innenminister Brice Hortefeux es am Vorabend vorgeschlagen hatte.

Verbot in Übersee

Im Zuge der Debatte hatte Frankreich Anfang Juni auch ein Polygamieverbot für sein Überseegebiet Mayotte erlassen. Auf der Komoreninsel war es bisher Männern, die vor 1987 geboren wurden, erlaubt, mehrere Frauen zu heiraten. "Die Übergangsphase könnte kompliziert werden", räumte Regierungssprecher Luc Chatel ein. Es sei aber notwendig, das Zivilrecht an das auf dem französischen Festland geltende Recht anzugleichen. Das Justizsystem auf Mayotte, das in der Nähe von Madagaskar liegt, ist von muslimischen und afrikanischen Einflüssen geprägt.

Künftig wird auf Mayotte auch das Heiratsmindestalter für Frauen auf 18 Jahre angehoben. Die traditionelle Rechtsprechung durch einen Kadi wird abgeschafft. Die Kadis sollen künftig die Aufgabe von Mediatoren übernehmen.Mayotte soll 2011 den Status eines Übersee-Departements bekommen.

Hartes Durchgreifen bei "faktischer Polygamie"

Hintergrund des restriktiven Vorgehens gegen Polygamie ist der Fall des aus Algerien stammenden Franzosen Lies Hebbadj, der bis zu 17 Kinder von vier Frauen haben soll. Er muss sich nun wegen Sozialhilfebetrugs vor Gericht verantworten. Ein Verfahren wegen Polygamie ist vorerst nicht geplant, da Hebbadj nur mit einer der vier Frauen offiziell verheiratet ist.

Hortefeux hatte diesen Fall zum Anlass genommen, um ein Verbot von "faktischer Polygamie" zu fordern, das auch rein religiös geschlossene Ehen und Wohngemeinschaften mit mehreren Partnerinnen einschließt. In diesem Zusammenhang soll auch der Entzug der Staatsbürgerschaft möglich sein, betonte Hortefeux. (APA/Ag.)

 

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