Familien von Srebrenica-Opfern halten jüngste Haftstrafen für "mild"

10. Juni 2010, 16:12
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"Werden unsere Liebsten nie wieder sehen" - Erstmals Urteile wegen Beteiligung am und nicht nur Beihilfe zum Völkermord in Jugoslawien

Den Haag/Sarajevo - Familienangehörigen der Opfer des Massakers von Srebrenica sind mit den Haftstrafen des UNO-Kriegsverbrechertribunals vom Donnerstag gegen sieben ranghohe bosnisch-serbische Ex-Offiziere unzufrieden. Hatidza Mehmedovic, Leiterin der nichtstaatlichen Organisation "Mütter von Srebrenica", bezeichnete die Urteile gegenüber Medien als "mild".

"Sie werden ihre Haftstrafen verbüßen, oder aber sie werden nach einer gewissen Zeit herabgesetzt, und sie werden ihre Familien sehen können. Wir sind zum Leiden verurteilt und werden unsere Liebsten nie wieder sehen", sagte Mehmedovic, die bei dem Massaker ihren Mann und zwei Söhne verloren hat. Ihre Meinung teilten auch viele andere Opfer-Angehörige.

Nach der Einnahme der Bosniaken-Enklave Srebrenica im Bosnien-Krieg durch die Truppen der bosnischen Serben am 11. Juli 1995 wurden rund 8.000 muslimische Stadteinwohner, Männer und Jugendliche im Alter zwischen 15 und 65 Jahren, ermordet. Frauen und Kinder wurden vertrieben. Auf dem Erinnerungsfriedhof in Potocari unweit von Srebrenica werden zum heurigen 15. Jahrestag des Massakers zwischen 700 und 800 Opfer beigesetzt, die in den letzten zwölf Monaten neu identifiziert wurden.

Das UNO-Tribunal hat am Donnerstag zwei ranghohe bosnisch-serbische Offiziere wegen Beteiligung am Völkermord zu lebenslanger Haft verurteilt, weitere fünf kamen mit Haftstrafen zwischen fünf und 35 Jahren Haft davon. Das Urteil ist ein erstes vor dem Haager Gericht, in welchem es Verurteilte wegen Beteiligung am und nicht nur wegen Beihilfe zum Völkermord gab.

Das Haager Tribunal stellte in seinem Urteil erneut fest, dass die Truppen der Bosnisch-Serbischen Republik im Sommer 1995 Völkermord an den Bosniaken (Muslimen) in Srebrenica begangen haben.

Laut Urteil ermordeten die Truppen der bosnischen Serben "systematisch mehr als 7.000 Bosniaken in klarer Absicht", jeden gefangen genommenen Muslim zu eliminieren. Dies sei ein "Beweis für Völkermord". Bisher wurden mehr als 5.000 Massakeropfer identifiziert, die Gesamtzahl der Opfer dürfte auf 7.827 ansteigen, stellte das Tribunal fest. (APA)

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