"Werden unsere Liebsten nie wieder sehen" - Erstmals Urteile wegen Beteiligung am und nicht nur Beihilfe zum Völkermord in Jugoslawien
Den Haag/Sarajevo - Familienangehörigen der
Opfer des Massakers von
Srebrenica sind mit den Haftstrafen des
UNO-Kriegsverbrechertribunals
vom Donnerstag gegen sieben ranghohe bosnisch-serbische Ex-Offiziere
unzufrieden. Hatidza Mehmedovic, Leiterin der
nichtstaatlichen
Organisation "Mütter von Srebrenica",
bezeichnete die Urteile
gegenüber Medien als "mild".
"Sie werden ihre Haftstrafen verbüßen, oder aber sie werden
nach
einer gewissen Zeit herabgesetzt, und sie werden ihre Familien sehen
können. Wir sind zum Leiden verurteilt und werden unsere Liebsten
nie wieder sehen", sagte Mehmedovic, die
bei dem Massaker ihren Mann
und zwei Söhne verloren hat. Ihre Meinung teilten auch viele andere
Opfer-Angehörige.
Nach der Einnahme der Bosniaken-Enklave Srebrenica
im
Bosnien-Krieg durch die Truppen der bosnischen Serben am 11. Juli
1995 wurden rund 8.000 muslimische Stadteinwohner, Männer und
Jugendliche im Alter zwischen 15 und 65 Jahren, ermordet. Frauen und
Kinder wurden vertrieben. Auf dem Erinnerungsfriedhof in Potocari
unweit von Srebrenica werden zum
heurigen 15. Jahrestag des Massakers
zwischen 700 und 800 Opfer beigesetzt, die
in den letzten zwölf
Monaten neu identifiziert wurden.
Das UNO-Tribunal hat am Donnerstag zwei ranghohe
bosnisch-serbische Offiziere wegen Beteiligung am Völkermord zu
lebenslanger Haft verurteilt, weitere fünf kamen mit Haftstrafen
zwischen fünf und 35 Jahren Haft davon. Das Urteil ist ein erstes vor
dem Haager Gericht, in welchem es Verurteilte wegen Beteiligung am
und nicht nur wegen Beihilfe zum Völkermord gab.
Das Haager Tribunal stellte in seinem Urteil erneut fest, dass die Truppen der Bosnisch-Serbischen Republik im Sommer 1995 Völkermord an den Bosniaken (Muslimen) in Srebrenica begangen haben.
Laut Urteil ermordeten die Truppen der bosnischen Serben "systematisch mehr als 7.000 Bosniaken in klarer Absicht", jeden gefangen genommenen Muslim zu eliminieren. Dies sei ein "Beweis für Völkermord". Bisher wurden mehr als 5.000 Massakeropfer identifiziert, die Gesamtzahl der Opfer dürfte auf 7.827 ansteigen, stellte das Tribunal fest. (APA)