Faule Hypo-Kredit-Milliarden häufen sich

10. Juni 2010, 11:10
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Wien - Bei der Kärntner Hypo Alpe Adria ist der Problemkreditberg 2009 binnen Jahresfrist auf das Doppelte, nämlich 7,3 Mrd. Euro, angestiegen. Im ersten Quartal 2010 erreichte die Summe der Non Performing Loans - keine Zins-/Tilgungszahlungen - 8 Mrd. Euro. Was aber nicht bedeute, dass die Summe abgeschrieben werden müsse, wie die Bankführung betont. "Aus heutiger Sicht" sei kein weiteres Steuergeld nötig, sagt Bankchef Gottwald Kranebitter.

Aus heutiger Sicht werde man mit den vom Bund und den Alteigentümern eingesetzten Mitteln im Rahmen des Rettungspakets auskommen.

Umstrukturierung des Immobilienportfolios

Wie hoch die Wertberichtigungen der seit Dezember verstaatlichten Bank heuer ausfallen werden müssen, wird sich erst im Jahresverlauf herausstellen. "Die Region, in der wir tätig sind, ist in einer schweren Krise", sagte Kranebitter. 2010 werde man in der Bank auch zusätzliche Personalkapazitäten zur Aufarbeitung des NPL/Non-Performing-Loans-Portfolios brauchen. Die Umstrukturierung des Immobilienportfolios wird eine längerfristige Aufgabe. Der Realitätenmarkt in der Region liege brach. Übereilte Verkäufe brächten eine Vermögensvernichtung. Den Buchwert des Immobilienportfolios bezifferte Kranebitter zum Ultimo 2009 mit mehr als 5 Mrd. Euro.

Ob und wieviele Leichen im Keller der Bank noch schlummern könnten, hat der seit April amtierende Vorstand am Mittwochabend vor Journalisten nicht beantwortet. Die Gruppe sei heute in zwölf Ländern tätig, mit 43 Mrd. Euro Bilanzsumme (40 Mrd. Kreditvolumen) und 8.000 Mitarbeitern. Da sei man nicht in der Lage "alles" zu wissen. Man könne nur sorgfältig vorgehen.

In bestimmten Kategorien und Regionen sind derzeit 30 Prozent und mehr der Kredite faul (überfällig). 8 Mrd. Euro faule Kredite bei 40 Mrd. Euro Gesamtkrediten ergeben im Schnitt eine "NPL-Quote" von einem Fünftel.

Man werde auch in der Bilanz zum 30. Juni 2010 nicht absolut alles erfasst haben, "aber wir werden nichts verstecken", versicherte Kranebitter. Der Abfluss von Einlagen sei gestoppt. In den Tagen vor der Notverstaatlichung hatten Sparer und Anleger der Kärntner Bank wegen der Unsicherheit über die künftige Eigentümerschaft eine Milliarde der zuvor 8,5 Mrd. Euro abgezogen. Das Einlagengeschäft stabilisiere sich. "Wir gehen hin zu den Kunden. Ich auch, zu den Großen", so Kranebitter. "Wir sind die sicherste Bank."

Rückzug aus einigen Ländern

Die Hypo Alpe Adria muss sich in den nächsten Jahren von Teilen ihres Geschäfts trennen, aus einigen Ländern den Rückzug antreten, in anderen will sie wachsen. Unterm Strich dürfte die Hypo laut Kranebitter dann rund 30 Mrd. Euro Bilanzsumme und 5.500 Mitarbeiter haben.

"In fünf Jahren soll die Geschichte über die Bühne sein". Billige Notverkäufe werde er in der Region nicht tätigen, sagte der Vorstand. In manchen Ländern auf dem Balkan werde händeringend gebeten, nicht "jetzt" den Rückzug anzutreten. Aktuell etwa könne man eine Bank in Montenegro nicht verkaufen. Überall will der Hypo-Chef die Netzwerke am Leben erhalten, nichts unterpreisig verschleudern. Neben Montenegro zählt auch der Rückzug aus Italien zu den Auflagen der EU für den Restrukturierungsplan.

Wann die Hypo Alpe Adria, die 2009 mit 1,6 Mrd. Euro Megaverlust beschloss, aus den roten Zahlen sein soll? Im Jahr 2011 will der neue Bankchef ausgeglichen bilanzieren, die "Null-Linie" erreicht haben, in den Folgejahren will er dann Gewinn einfahren. Das werde eine große Herausforderung. Riesige Gewinnsummen werden es nicht sein. "Wir sind keine Träumer". Aber: "Wir wollen nach fünf Jahren eine ausreichende Kapitalverzinsung erreichen."

"Die Bank muss gesundschrumpfen". In drei bis fünf Jahren will Kranebitter die Hypo verkaufsbereit haben. Da soll die Braut so aufgeputzt sein, dass der Verkauf ohne Verlust für den Steuerzahler abgeht. "Ich habe schon Vorstellungen, welche Käufergruppen infrage kommen." Ein Käufer solle ein funktionierendes Netz vorfinden. Den Kreis der Käufer will der Hypo-Chef möglichst groß halten. "Natürlich" sei zunächst an die großen Player der Region zu denken, die auch in Österreich zu finden sind. Aber auch solche, die hier expandieren oder erst einsteigen wollten.

Kranebitter hat auch keine Berührungsängste mit profitorientierten Fonds: "Wir wollen auch für Finanzinvestoren attraktiv sein, so wie die BAWAG für Cerberus attraktiv war." (APA)

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