Erstmals homoerotische Kunst ausgestellt

12. Juni 2010, 08:00
4 Postings

Nationalmuseum in Warschau will Debatte über Lage sexueller Minderheiten im postkommunistischen Osteuropa in Gang bringen

Warschau - Mit einer Schau über homoerotische Kunst will das Nationalmuseum in Warschau die Debatte über die Lage sexueller Minderheiten im postkommunistischen Osteuropa in Gang bringen. Er verstehe seine Institution als ein Forum, wo kontroverse Themen diskutiert werden, sagte Direktor Piotr Piotrowski.

"Demokratie fördern"

Diese Ausstellung sei "politisch und besonders", betonte Piotrowski mit Blick auf Bedenken vieler PolitikerInnen und Proteste katholisch-nationaler Kreise gegen das Projekt. Die Schau "Ars Homo Erotica" startet am Donnerstag und dauert bis zum 5. September. Es ist die erste Ausstellung zu diesem Thema in einer staatlichen Einrichtung in Polen.

Der Kurator Pawel Leszkowicz betonte, wichtig sei die Teilnahme der KünstlerInnen aus Ländern wie Litauen, Ungarn oder Russland, wo Schwule und Lesben ausgegrenzt würden. "Die Schau wird die Demokratie fördern", sagte er. In Polen hatte der Abgeordnete der national-konservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Stanislaw Pieta, versucht, das Projekt im Parlament zu stoppen.

Unter rund 250 Ausstellungsstücken befinden sich bisher kaum gezeigte Kunstwerke mit homoerotischen Motiven von der Antike bis zur Gegenwart aus der Sammlung des Warschauer Nationalmuseums. Der Schwerpunkt liege beim "sinnlichen" männlichen Akt, sagte Leszkowicz. Der Teil "Kampfzeit" ist der zeitgenössischen Homosexuellen-Kunst in Mittel- und Osteuropa gewidmet. Beteiligt sind KünstlerInnen aus Tschechien, Ungarn, Russland, Weißrussland, Litauen und Rumänien.

Beitrag zur EuroPride

Gezeigt wird unter anderem ein Foto von zwei sich küssenden russischen Soldaten. Die OrganisatorInnen verstehen die Ausstellung als ihren Beitrag zum europäischen Homosexuellen-Festival EuroPride, das im Juli in Warschau und damit erstmals in einer Stadt in Osteuropa stattfindet. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kurator Pawel Leszkowicz betont die Wichtigkeit der künstlerischen Teilnahme aus Ländern wo Schwule und Lesben ausgegrenzt werden.

Share if you care.