Geier kreisen über BP

10. Juni 2010, 16:39
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BP versucht zu beruhigen

London - Nach dem Ultimatum der US-Regierung, neue Vorschläge im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko vorzulegen, ist die Aktie des Energiekonzerns BP erneut eingebrochen. Die BP-Anteile fielen Donnerstag früh an der Londoner Börse zwischenzeitlich um 15,7 Prozent, bevor sie sich bei einem Minus von rund 5 Prozent einpendelten. Zuvor war ein Brief vom Dienstag bekannt geworden, in dem die US-Regierung BP 72 Stunden Zeit gab, neue Vorschläge vorzulegen. BP gab am Donnerstag zudem bekannt, dass der Konzern bereits 1,43 Mrd. Dollar (1,2 Mrd. Euro) für den Kampf gegen die Ölpest und Entschädigungen ausgegeben habe.

Die in den USA gehandelten BP-Aktien konnten nach ihrem Kurssturz vom Vortag wieder Boden gut machen. Sie stiegen zuletzt um 10,86 Prozent auf 32,37 Dollar. 

Die BP-Bohrinsel "Deepwater Horizon" war am 20. April explodiert und zwei Tage später gesunken. Seitdem fließen Millionen Liter Öl ins Meer, zahlreiche Küsten in den USA sind bereits verschmutzt. Die BP-Aktie gab seit dem Unglück um mehr als 40 Prozent nach.

Die Aktie des Energieriesen lag damit am Donnerstag auf einem 13-Jahres-Tief. Zuletzt waren im April 1997 so tiefe Kurse gesehen worden.

Merrill-Lynch-Analyst Alejandro Demichelis senkte nun sein Kursziel für die Anteilsscheine von 700,00 auf 575,00 Pence (7 Euro). Die Anlageempfehlung lautet weiterhin "Buy". Allerdings stuft Demichelis das Volatilitätsrisiko mittlerweile deutlich höher ein. Die vollständigen Kosten für das Öldesaster im Golf von Mexiko könnten derzeit nicht genau abgeschätzt werden, daher sehe sich BP kurz- bis mittelfristig mit größeren Risiken konfrontiert.

Aussetzung der Dividende möglich

So könne beispielsweise eine vorübergehende Aussetzung der Dividende nicht mehr ausgeschlossen werden. Langfristig könnte die Ölpest das Wachstum von BP stärker bremsen. Der Konzern sei aber in der Lage, die Katastrophe zu überstehen. Die Bilanz sei stark.

Analyst Mark Fletcher von der Citigroup korrigierte das BP-Kursziel ebenfalls nach unten, und zwar von 730 auf 590 Pence. Fletcher rät wie auch sein Kollege von Merrill Lynch weiterhin zum Kauf der Aktie, erhöhte aber ebenso das Risikorating von "Mittel" auf "Hoch". Aus finanzieller Sicht sei BP nach wie vor robust und die Aktie sei langfristig unterbewertet. Der Markt gehe derzeit eher vom Worst-Case-Szenario aus, so Fletcher.

Morgan-Stanley-Experte Theepan Jothilingam meint, der Markt habe eine Aussetzung der Dividende wohl schon eingepreist. Investoren verlangten nun vom BP-Aufsichtsrat, dem Management weiter den Rücken zu stärken. Geschehe dies nicht, könnte der politische Druck auf BP weiter wachsen und den fundamentalen Wert des Konzerns in den Hintergrund treten lassen. Morgan Stanley bewertet die BP-Aktien weiterhin mit "Overweight" und einem Kursziel von 600 Pence.

Angesichts der immensen Kosten für den Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexico ist die Furcht der Anleger vor einem Zahlungsausfall von BP am Donnerstag gestiegen. Die fünfjährigen Credit Default Swaps (CDS) des Ölkonzerns stiegen dem Datenanbieter Markit zufolge um 195 auf 570 Basispunkte. Damit kostete die Versicherung eines 10 Mio. Pfund schweren Kredites an das britische Unternehmen 570.000 Pfund.

Seit dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" Ende April ist die BP-Aktie um rund 42 Prozent gefallen. Der Börsenwert schrumpfte gleichzeitig um umgerechnet 65 Mrd. Euro. Dies entspricht fast der gesamten Marktkapitalisierung des Dax-Schwergewichts Siemens.

Wetten auf Rauswurf

Britische Buchmacher wetten unterdessen auf einen Rauswurf von BP-Chef Tony Hayward, der im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko keine gute Figur macht. Die Quote steht 25 zu eins gegen Hayward, wie das Wettbüro Paddy Power am Mittwoch mitteilte. Im Rennen um die Nachfolge liegt nach Ansicht der Wettlustigen der bisherige Vertriebschef Iain Conn vorn. Aber auch auf eine Rückkehr des legendären BP-Chefs John Browne wird spekuliert. Der 62-Jährige lenkte die Geschicke des britischen Ölmultis zwölf Jahre lang, bevor er 2007 von Hayward abgelöst wurde. (APA/Reuters)

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    Arbeiter versuchen, die Küste vom angeschwemmten Öl zu reinigen.

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    Umgerechnet 65 Milliarden Euro an Marktwert hat BP innerhalb der letzten Wochen an Marktwert verloren, die Anleger sind verunsichert, die Konkurrenz lauert - BP könnte zum begehrten Übernahmehappen werden.

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